Ich stelle mich als Gegenüber zur Verfügung

Manches liest sich mit Abstand anders. Dieser Beitrag blieb lange liegen, nun bringe ich ihn heraus.

Zu Friederike Gräff, Ist Gott noch Mitglied der evangelischen Kirche?, Christ und Welt 09/2014

http://www.christundwelt.de/themen/detail/artikel/ist-gott-noch-mitglied-der-evangelischen-kirche/

Der Artikel endet mit den Sätzen: „“Ich wünschte mir, ich hätte in meiner Kirche ein Gegenüber. Eines, das sich nicht wegduckt, eines, das man respektieren kann.“

Ich stelle mich als Gegenüber zur Verfügung. Ich ducke mich nicht weg – und verdiene Respekt.

Da es als evangelische Tugend gilt, sich gleich für jeden Schaden an der eigenen Sache zu entschuldigen, wage ich polemisch das Gegenteil und setze Pluspunkte:

Ich finde die leise evangelische Kirche gut.

  • Wir sind die Kirche, in der man beim Gottesdienst hinten sitzen darf. Bei uns darf der Glaube lau sein, denn Gott liebt alle.
  • Wir sind die Kirche, der Diakonie wichtig ist. Die Hauptamtlichen unsere Kirche fallen nicht über Harz-IV-Empfänger und Asylsuchende her, sondern versuchen ihnen Respekt und Würde zu geben.
  • Wir überfallen die Menschen nicht mit missionarischen Bedürfnissen. (Blinde Flecken einkalkuliert.)

Noch ein paar wichtige Ergänzungen:

  • Ja, viele Pfarrerinnen und Pfarrer haben ein Frömmigkeitsdefizit.  Ich bete heute mehr als noch vor Jahren. Ich schäme mich nicht dafür, aber auch nicht für meine Geschichte
  • Ich nehme wahr, wie die Grenzen zwischen „den Politischen“ und „den Frommen“ flüssig geworden sind. Aus einer frommen Jugendarbeit kam ich ins Studium, es entließ mich mit politischem Schwergewicht. Mittlerweile sehe ich an viele Stellen die Verbindung zwischen beiden.
  • Ich gebe zu: Manchmal könnte die evangelische Kirche lauter treten. Mehr beten, mehr direkt von Gott und seiner Gnade reden. Ich nehme zugleich wahr, wie experimentierfreudig viele Gemeinden sind, wie offen für Anregungen und Engagement.
  • Ich entdecke viel guten Geist, Gottes Geist. Und ich schäme mich nicht, das so zu sagen.
  • Und ich spreche gern über meine Haltung.

Anderes zum Thema:

https://theomix.wordpress.com/2008/10/14/chancen/

https://theomix.wordpress.com/2013/05/24/die-spiritualitat-der-markthalle/

https://theomix.wordpress.com/2013/12/12/wort-mit-unterlage/

 

 

 

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16 Antworten to “Ich stelle mich als Gegenüber zur Verfügung”

  1. nandalya Says:

    Ich finde eine Religion gut, deren Gott nicht grausam und rachsüchtig ist, der nicht Auge um Auge fordert. Das taten Menschen, das tat auch ich einst. Ich finde Geistliche gut, die von (Nächsten)Liebe sprechen und nicht von der nächsten Bundestagswahl. Ich finde Menschen gut, die ehrlich sind.

  2. nurmalich Says:

    noch eine kleine Ergänzung:
    ich finde, dass dies alles nicht nur für die evangelische Kirche zutrifft. Sicher sind die Akzente in der katholischen Kirche ein wenig anders, aber inder Tendenz kann man doch in vielem ähnliches beobachten. Auch da gibt es inzwischen glücklicherweise (oder Gott sei Dank) experimentierfreudige Gemeinden.Auch da gibte es Pfarrer und Seelsorgerinnen mit „Frömmigkeitsdefizit“ (was ist das eigentlich?).
    Auch da kannman Verbindungen zwischen „fromm“ und „Politisch“ entdecken.
    Und vor allem: auch da ist Geist, Gottes Geist.
    Also weiter so!

    • theomix Says:

      Danke, es darf ergänzt werden. 😉
      Der Beitrag galt der evangelischen Kirche – und die hat keine Zentralstelle. In den Gemeinden ist vieles ähnlich. Das lehrt mich auch oft der Blick über den Gartenzaun…

    • theomix Says:

      Noch mehr:
      was Frömmigkeitsdefizit ist, ist eine sehr gute Frage. weil nämlich die Dosierung sehr subjektiv ist und von der anderen Seite schnell der Vorwurf „Frömmelei“ kommt…

  3. Texthase Online Says:

    Guten Tag,

    ich bin im Jahr 2001 konvertiert. Und auch ich wünsche mir manchmal, dass die Kirche ihre Stimme lautstark erhebt, lauter jubelt, lauter protestiert, lauter jubelt. Aber es wird so viel gebrüllt im Web und den anderen Medien. Und ist es nicht auch so, dass schon viel zu viel Kummer, einfache Freude und auch viele Fragen niedergebrüllt werden? Und ähnlich kommt es mir mit der „Temperatur“ des Glaubens vor. Wie viel Hitzigkeit brauchen Glaube und Frömmigkeit eigentlich, um aufrichtig und ehrlich zu sein?

    Liebe Grüße

    Christiane

    • theomix Says:

      Ich nehme an, Frau Gräff meint die analogen Verhältnisse. Im Web sieht es noch mal anders aus. Da fehlen mir auch die leisen, aber entschiedenen und zugleich ruhigen Stimmen.

      • Texthase Online Says:

        Was ich so in meinem religiösen Umfeld, z. B. in der Gruppe des evangelischen Landespfarramt für Blinden- und Sehbehindertenseelsorge, mit bekomme, lässt mich zweifeln, ob diese Verdrossenheit und diese Forderungen wirklich mit den noch vorhandenen Unterschieden zwischen analoger und digitaler Welt zu tun haben. Mir kommt es so vor, als ob es nur graduelle Unterschiede sind. Und ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Forderungen nach mehr Heißblütigkeit, Frömmigkeit etc. häufig von Menschen erhoben wird, die selbst wenige Impulse in die geforderte Richtung unternehmen. Das lässt sich aber keineswegs verallgemeinern.

        Liebe Grüße

        Christiane

        • theomix Says:

          Was du beschriebst, nenne ich „Zuschauerhaltung“, und das ist schon ein altes Phänomen. Der praktische Theologe Ernst Lange beschrieb das Phänomen Mitte der Sechziger mit „was immer auf der Bühne gezeigt wird, gepfiffen wird immer“.
          als Zuschauer urteilt man und tut nichts. Nein, wo kämen wir denn dahin.. 😉

  4. minibares Says:

    ich denke, das auch die Katholische Kirche mithalten kann.
    Gegen evangelische Christen habe ich nichts, im Gegenteil, einer singt sogar in unserem Kirchenchor mit.
    Und wir haben im evangelischen Gemeindezentrum unserem Maigang gefeiert.
    Hier im Ort sind wir doch ziemlich verbunden.
    Am 1. Advent brachten wir das Licht aus unserer katholischen zur evangelischen Kirche, mit unserem Pfarrer zusammen.
    Das war ein schönes Erlebnis.

    • theomix Says:

      Im Saarland gab es ein ständiges gegenseitiges Besuchen, hier sind es verschiedene Kulturen.
      Es gibt dann noch das Typische bei jedem, und das ins Öffentliche, dann sind wir bei dem Artikel aus Christ und Welt.

      • nurmalich Says:

        nicht nur im Saarland, lieber Jörg!
        und nicht nur Besuche. ökumenische Partnerschaft ist beiuns eine selbstverständliche Sache – wenn’s auch manchmal bisschen knirscht. Das Knirschen gehört halt auch dazu und machts noch interessanter und lebendiger.

        • theomix Says:

          Ich habe nur von einen Erfahrungen geplaudert…
          Mein Eindruck ist jedoch, dass in manchen Bistümern die Gärten wohlgetrennt sein müssen…Dazu zählt Trier nicht. (Ihr Glücklichen!)

        • theomix Says:

          Ja, die Partnerschaft und die Durchsetzungskraft der Basis. Die Nachricht ist bis hierher gedrungen. 😀 Gratulation!

        • nurmalich Says:

          ja ich weiß du hast deine Quellen 🙂
          Aber wann führt dich dein Weg mal zur Quelle?
          Werner würde sich sicher freuen – und Werner auch

        • theomix Says:

          Für 2015 soll es noch freie Termine geben.

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