Die Spiritualität der Markthalle

Irgendwie auch Kirchentag 5

Kirchentag, Markt der Möglichkeiten (MdM): Ich liebe es, von Stand zu Stand zu gehen und mir Angebote anzuschauen, auch da und dort ins Gespräch zu kommen. Hier erhalte ich mehr Anregungen als bei langweiligen Vorträgen. Der Heilige Geist spricht im Dialekt der Vielfalt.

Eine Messehalle auf dem MdM ist ästhetisch wenig reizvoll. Die Stände sind geordnet, mittig ist meist eine Bühne untergebracht. Die Stände sind geordnet und fügen sich bunt ins Bild. Irgendwo ist die Hallenleitung eingebaut. Eher dezentral. Und darin modern, einer demokratischen Gesellschaft angemessen.

De Ähnlichkeit mit einer Markthalle ist gewollt. Ein Markt spricht die Sinne an, es gibt etwas zu sehen, zu hören, anzufassen, manchmal auch etwas zu probieren und meist etwas zu riechen (was beim Kirchentag eine Ausnahme ist).

Und dieses Jahr ist mir bewusst geworden: Das Modell ist sehr alt. Die ersten Kirchen haben den Bauplan einer Markthalle, einer Basilika. Genau genommen: eine Markt- und Gerichtshalle. Ein Ort der Kommunikation, des Austauschs – Handel und Wandel – unter den Augen der Ordnungsmacht. Zentral ausgerichtet, steht in der Apsis das Bild des Kaisers oder eines Gottes, darunter der Sitz des Richters oder des Statthalters. Die Christen schmeißen Gottesbild und weltliche Macht raus und ersetzen sie durch den Altar. Vielleicht gibt es noch einen Bischofsstuhl und Sitzplätze für den Klerus.

Das religiöse Gebäude der Antike, der Tempel, wird nicht nachgebildet. Das Christentum grenzt sich da ab und hat wohl noch das Vorbild der Synagoge im Gedächtnis.

Die Vielfalt zieht verstärkt mit der dreischiffigen Basilika ein. Denn nun  gibt es ein hohes Mittelschiff mit zwei niedrigen Seitenschiffen – wie gemacht für kleinere Altäre in den Ecken und Nischen. Diese Kirche ist anders strukturiert als eine Messehalle beim Kirchentag, aber doch ähnlich. Die Vielfalt ist begrenzt .

Die Reformation hat den Kirchenraum wesentlich verändert. Das Zentrum soll seinem Namen Ehre machen. Also kommen alle Seitenaltäre weg. Und der begehbare Kirchenraum wird von Sitzbänken durchzogen, damit der Mensch besser der Predigt zuhören kann. Der katholische Kirchenbau will da nicht nachstehen und holt sich auch die Sitzbänke ..

Die Vielfalt kommt über die Gemeindehäuser zurück: Ein Haus mit vielen Zimmern. Verschiedene Gruppen mit unterschiedlichen Interessen. Da ist der Weg zur Markt- und Messehalle nicht weit. Die Basilika ist jedoch die ältere Schwester des „Marktes der Möglichkeiten“.

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