Posts Tagged ‘Wissenschaft’

Neues zum Plagiator

28. 2. 2011

Der „Doktor der Herzen“ beschäftigt mich weiterhin.

Ich persönlich finde es einfach ärgerlich und blamabel, dass noch kein Rücktritt erfolgt ist. Vielleicht ärgere ich mich deshalb, weil ich durchs Studium gelernt habe, was wissenschaftliches Arbeiten bedeutet. Meine Examensarbeiten mussten eine persönliche Erklärung vorgeheftet haben, in der ich versicherte, diese Arbeiten ohne fremde Hilfe angefertigt zu haben. Und Umgang mit Zitaten habe ich auch gelernt. Anführungsstriche sparen nützt eben nichts.

Blamabel ist, dass manche meine, es werde schon Gras über die Sache wachsen. Ja, soll nur. Dann können wir uns die Kosten für weitere PISA-Studien und Vergleichsarbeiten sparen. Deutschlands Ruf im Bereich Wissenschaft ist dann nämlich ruiniert.

Alles Scannen nützt wohl doch nichts: Leider habe ich es verpasst, solvente Erbtanten zu einer Großspende an die Uni zu bewegen.

Leider habe ich mir durchs Examen keinen akademischen Grad erworben. Sonst könnte ich vorübergehend (ich betone: vorübergehend) auf dessen Führung verzichten. Der Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister macht es vor.

http://carta.info/38447/ein-akademischer-faelscher-kann-kein-minister-bleiben-ein-aufruf/

Warum ich Zitaten hinterherjage

8. 1. 2010

Manchmal wundere ich mich über mich selbst. So auch hier: Bei manchen Autoren kann ich den Zitaten hinterherjagen, als ob es nichts Wichtigeres gäbe.

Warum ist mir das so wichtig? Hier ist meine vorläufige Antwort:

Im Studium habe ich gelernt, jedes Zitat mit Quellenangabe zu versehen. Nun ist ein Blog keine wissenschaftliche Arbeit. Zitate mit einem berühmten Namen zu übernehmen hat auch mit dem Umgang mit Autoritäten zu tun. Denn hinter guten Namen lässt es sich gut verstecken. Und wenn es A oder B gesagt hat, und der Name gilt etwas, sind meine Schultern entlastet, die diese Aussage stemmen sollen.

Ich bemerke dann auch eine um sich greifende Leichtgläubigkeit. Die meisten Zitate finden sich auf entsprechenden Zitate-Seiten oder auf anderen Blogs. Da steht dann der gute Satz mit dem Namen eines Autors. Und das glaubt man dann. Aber wann oder wo der Satz gesagt oder gedruckt worden ist, fehlt meist. Was so sicher dasteht, muss ja wohl stimmen… Hinterfragt wird da nicht.

Aber Hinterfragen habe ich gelernt. Die Bibel herauf und herunter. Das ist gut und wichtig, denn – steil theologisch gesagt – um Gottes Wort in der Bibel zu hören, muss ich es auch voll und ganz als Menschenwort wahrnehmen. Die historisch-kritische Methode hilft da enorm. So lange man sie für den Bereich des Kopfes gelten lässt.

Hyperkritische Medien greifen ab und zu die Ergebnisse der Exegese auf und meinen, sie widerlegen den Glauben höchstselbst: dass man nur sehr wenig konkret über das Leben Jesu weiß, dass sein Geburtstag sicher nicht Weihnachten ist, und der Geburtsort mit großer Wahrscheinlichkeit nicht Betlehem ist. Dass einige Paulusbriefe eben nicht von Paulus sein können. Und dergleichen mehr. Das wird gerne geschluckt.

Und in der gleichen Öffentlichkeit verbreiten sich dann Sprüchlein und Verslein mit unsicherer Herkunft. Aber die Autorenangabe wird einfach so geglaubt. Wie nennt sich das dann, wenn man das so bei der Bibel macht? Einfach so glauben, wie es da steht? Naiv wäre die richtige Antwort. Aber in der öffentlichen Wahrnehmung ist so etwas schon „Fundamentalismus“.

Dieser Widerspruch ist es, der mir an die Nerven geht. Wobei ich die Bloggerinnen und Blogger in Schutz nehme, deren Zitate ich untersuche: Sie haben sich nie wie oben beschrieben über die Bibel geäußert.

Aber für sie und alle anderen drei Tipps:

  • Macht die Zitate zu euren Aussagen. Der Autor ist nicht wichtig, wenn der Gedanke gut ist.
    Natürlich ist es  richtig und wichtig, die Quelle anzugeben. Das ist aber dann „dieses Buch“ oder „jene Homepage“.
  • Der Name des Autors / der Autorin sagt gar nichts. Auch wenn ihr es von einer Zitateseite oder dem Lieblingsblog habt. Wer wirklich wissen will, ob der kluge Mensch das so gesagt oder geschrieben hat: WikiQuote oder Google Buchsuche sind vortreffliche Hilfsmittel.
  • Zuletzt: Eine Spur Misstrauen ist immer gut. Nur weil es gedruckt irgendwo steht, oder nur weil es Bilder, Videos und Berichte über etwas gibt, muss es nicht stimmen!

%d Bloggern gefällt das: