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Andersgleich, Alltagsmatrix und Dank – so viel zum 17.01.

17. 1. 2017

Was andere können, kann ich auch: Vom Wesentlichen eines Tages schreiben. Zumindest wieder versuchsweise. Systematisch geordnete Beiträge passen zur Zeit nicht. In einem anderen Land, mit andersgleicher Sprache, mit andersgleichen Gewohnheiten, ist die Alltagsmatrix vorläufig nicht zu Ende gestrickt.

Außerdem ist der Winter kälter als gewohnt.

Was auch noch fehlt, sind die Antworten auf die vielen Kommentare der letzten Wochen. Vielen, herzlichen Dank!

Danke, Wibke Ladwig, für die Anregung!

 

Winterwarten

23. 1. 2016

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben:

Der Winter und die Spatzen

Sie zwitscherten und sangen,
man hörte kaum sein Wort:
Der Winter ist gegangen
und alles Leid ist fort! –

Ei, wartet nur, ihr Spatzen!
Sollt mich schon wieder seh’n.
Das Zwitschern und das Schwatzen,
das soll euch bald vergeh’n!

Da kam der Winter wieder,
er brachte Kält‘ und Schnee;
Da gab es keine Lieder,
kein fröhliches Juchhe.

Die Spatzen aber saßen
vergnügt in Stall und Haus:
O Winter, lass das Spaßen!
Wir lachen dich doch aus.

So ist es auch ergangen:
Kaum war der Winter fort,
die Spatzen fröhlich sangen,
man hörte kaum sein Wort.

 

Fünf Jahreszeiten

8. 1. 2014

Kein Winter mehr und doch noch kein Frühling.

Gibt es jetzt eine zusätzliche Jahreszeit?

Heißt sie „Dazwischen“?

Das muss jetzt sein

7. 2. 2012

Matthias Claudius:

Ein Lied hinterm Ofen zu singen

Der Winter ist ein rechter Mann,
kernfest und auf die Dauer;
sein Fleisch fühlt sich wie Eisen an
und scheut nicht süß noch sauer.

War je ein Mann gesund, ist er’s;
er krankt und kränkelt nimmer,
weiß nichts von Nachtschweiß noch Vapeurs
und schläft im kalten Zimmer.

Er zieht sein Hemd im Freien an
und lässt’s vorher nicht wärmen
und spottet über Fluss im Zahn
und Kolik in Gedärmen.

Aus Blumen und aus Vogelsang
weiß er sich nichts zu machen,
hasst warmen Drang und warmen Klang
und alle warmen Sachen.

Doch wenn die Füchse bellen sehr,
wenn’s Holz im Ofen knittert,
und um den Ofen Knecht und Herr
die Hände reibt und zittert;

wenn Stein und Bein vor Frost zerbricht
und Teich‘ und Seen krachen;
das klingt ihm gut, das hasst er nicht,
dann will er sich tot lachen. –

Sein Schloss von Eis liegt ganz hinaus
beim Nordpol an dem Strande;
doch hat er auch ein Sommerhaus
im lieben Schweizerlande.

So ist er denn bald dort, bald hier,
gut Regiment zu führen.
Und wenn er durchzieht, stehen wir
und sehn ihn an und frieren.

Winterbegegnung

10. 12. 2010

Haiku

der schneehaufen wächst
und begegnet mir bald schon
auf augenhöhe

 

Zur Wetterlage

3. 12. 2010

Christian Morgenstern:

Die drei Spatzen

In einem leeren Haselstrauch
da sitzen drei Spatzen, Bauch an Bauch.

Der Erich rechts und links der Franz
und mittendrin der freche Hans.

Sie haben die Augen zu, ganz zu,
und obendrüber da schneit es, hu!

Sie rücken zusammen dicht an dicht.
So warm wie der Hans hat’s niemand nicht.

Sie hör’n alle drei ihrer Herzlein Gepoch.
Und wenn sie nicht weg sind, so sitzen sie noch.

„Weiß wie Schnee“

4. 1. 2010

Seit Samstag Nacht ist es weiß ringsum. Die Straßen wurden am Sonntag nur mühsam geräumt.

Zu fünft wurde heute in K*rche*b Gottesdienst gefeiert. (Wenn man berechnet, dass eine Pfarrerin, eine Küsterin, eine Organistin und eine Presbyterin relativ stark verpflichtet waren zu kommen…) Trotzdem sei dieser Gottesdienst einer der intensivsten und persönlichen gewesen.

„Weiß wie Schnee“ ist in der Bibel ein starkes Bild für das Tilgen von Sünden (Psalm 59) und für das strahlende Licht der Offenbarung Gottes. (Daniel 7,9; Offenbarung 1, 14). Ja, den Schnee sehen ist schön, frischer ist die Luft, die Welt wird ruhiger, udn ein Winterspaziergnag ist gesund.

Aber wer da durch muss und keine Wahl hat, ist nicht ganz so glücklich.

Walter von der Vogelweide:

Uns hât der winter geschât über al:
heide unde walt die sint beide nû val,
dâ manic stimme vil suoze inne hal.
saehe ich die megede an der strâze den bal
werfen! sô kaeme uns der vogele schal.

Möhte ich verslâfen des winters zît!
wache ich die wile, sô hân ich sîn nît,
daz sîn gewalt ist sô breit und sô wît.
weizgot er lâz hoch dem meien den strît:
sô lise ich bluomen dâ rîfe nû lît.

Uns hat der Winter überall geschadet;
Heide und Wald sind beide leichenblass,
wo noch viele Stimmen süß erklangen.
Sähe ich die Mädchen auf der Straße
den Ball werfen, so käme der Gesang der Vögel wieder.

Wenn ich doch die Winterszeit verschlafen könnte.
Wenn ich die ganze Zeit wach bleibe, verspüre ich Groll,
dass seine Macht so groß und so weit ist.
Weiß Gott, einmal muss er dem Mai weichen:
dann pflücke ich Blumen, wo jetzt Reif liegt.

Lichthungrig – Gedanken zum Grau

15. 12. 2008

Die letzten Tage waren geradezu skandinavisch. Neben den allwinterlich kurzen Helligkeitsphasen war es überwiegend grau. Das geht schleichend aufs Gemüt.

Ich merke, wie wohltuend das Kerzenlicht ist. Zum Lesen reicht es nicht, aber zum Nachsinnen. Wenn es draußen noch dunkel ist, ist das Kerzenlicht eine milde Steigerung zur Dämmerung – die den Sonnenaufgang vorbereitet.

Viele Lichtsprüche aus der Bibel würden jetzt passen. Ich nenne  nur:  „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht; und über die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.“ (Jesaja 9, 5).

Und gestern, am Sonntag, kam die Sonne heraus! So mag ich den Winter, kalt, trocken und sonnig. Wonnig.


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