Posts Tagged ‘Wiedervereinigung’

Grenze, Zäune, Mauern, Wachttürme…

3. 10. 2013

Nach einer Besinnung im aktuellen Gemeindebrief zu Fotos von der früheren Grenze.

Die Grenzen sind gefallen. Nur noch Reste erinnern an diese irrwitzigen Grenzsperren. „Die Betroffenheit, wenn ich die Grenzanlagen sehe und betrete, wird mich nie verlassen. Ich gehe auch heute wie ein Träumender über Anlage und kann es immer noch nicht glauben. Schon ist er da, der typische ‚DDR-Geruch‘ eine Mischung zwischen Trabi-Abgasen und verbrannter Braunkohle, die sich wie Mehltau über die Landschaft legte.“ So beschreibt Hao seine Eindrücke an einer frühere Grenzanlage. Es war bedrückend. Und es ist nun vorbei, seit fast 24 Jahren. Gut so!

Die „Mauer in den Köpfen“ hielt länger. Steht sie noch heute?
Andere Grenzen werden wichtiger: An den Rändern Europas sollen Flüchtlinge ferngehalten werden. Wir nehmen es kaum wahr, es ist weit weg.

Unsichtbare Wachttürme spähen uns am Telefon und im Internet aus. Die Stasi ist Vergangenheit, die Geheimdienste der anderen Staaten arbeiten weiter. Das haben viele übersehen. Überwachung können wir nicht spüren und wahrnehmen.

Grenzen gibt es weiterhin, Mauern, Hürden, um Grenzen zu überschreiten. Bewachung und Aushorchen hat nicht abgenommen. An einem Punkt haben wir es besser als vor 25 Jahren. Darüber können wir uns freuen. Machen wir etwas daraus?

9. November und das Erinnern

9. 11. 2009

Im Grunde finde ich es wichtig. Nur, heute habe ich nicht den richtigen Elan.

Ich habe vor vier Jahren eine Frauenhilfe zu diesem Datum gemacht. Es ist so etwas wie der deutsche Schicksalstag geworden. Und es sind  ernste Themen.

Aber hier und heute, auf meinem Blog, darf ich in aller Bescheidenheit an das reformierte Erbe erinnern: Besondere Festtage sind etwas von Menschen Gemachtes.

Das Grausen in der Kiste vor einem Jahr war nicht an den 9. November gebunden.
Und mein persönlicher Mauerdurchbruch war 1997, als ich zum ersten Mal gen Osten fuhr, mit der Bahn nach Görlitz. Es war nur zu  erahnen, wo früher die Grenzanlagen standen. Und gefalllen ist die Mauer für mich beim Ökumenischen Kirchentag in Berlin 2003, als ich kreuz und quer durch die Stadt bin und Erinnerungen hochkamen aus den 70ern: Am Brandenburger Tor und am Reichstag war irgendwie alles anders gewesen.

Versteht mich nicht falsch. Ich finde es nach 71 Jahren immer noch erschreckend, wie stumm die meisten geblieben sind, als die Juden entrechtet wurden. Gerade in den Kirchen. Bei allen positiven Beispielen, die es  auch gab.

Und ich fand es letztes Jahr geschmacklos, dass Karnevalsvereine ihre Eröffnungs-Sitzungen auf den Abend dieses Tages verlegten. Es war ein Samstagabend. Den muss man ja zum Feiern nutzen… Nein, egal ist  mir das nicht.

Nachsehen möge man mir, dass ich mich am 9. November 1989 und am 3. Oktober 1990 nicht so richtig gefreut habe. Ich war eher besorgt. Ein Gutteil verantwortlich dafür war auch das Ende gewohnter politischer Strukturen. Das hat sich irgendwann gelegt, ich habe es relativieren können. Aber das ist ein weites Feld…

Festtage sind von Menschen gemacht. Erinnerung ist wichtig. Und manchmal sind es nur noch solche Tage, die zum Erinnern helfen.

Ich habe nur nicht jedes Jahr den gleichen Elan dazu.

Letztmögliche Wiedervereinigung

7. 10. 2009

Irgendwo zwischen meiner Kindheit und Jugend grassierte dieser Witz, 2009 würde die DDR ja mit der BRD wiedervereinigt, weil sie dann als Rentnerin, mit 60,  Ausreise beantragen könnte.

Ich fand die Pointe damals eigenartig. So sehr war ich an die DDR gewöhnt, dass ich mir so etwas schlechterdings nicht vorstellen konnte.

Als dann die D-Mark im Osten eingeführt wurde und die Einigung bevorstand, dachte ich mir schon, den 41. Geburtstag wird die DDR nicht mehr erleben. Alle Verträge schon unterschrieben und dann noch eine Jahresfeier – auch wenn sie noch so pluralistisch und demokratisch dahergekommen wäre, das passte nicht ins Konzept. Da ist sie also schon kurz vor Vollendung des  41. Jahrs verstorben. Von wenigen nur betrauert.

Es dauerte auch über 1990 hinaus, bis ich mich an das Ende des kleineren deutschen Staates und die Auflösung der Blöcke gewöhnt hatte. Es war eher eine Umgewöhnung als Trauer.

Und wenn sie weitergelebt hätte, könnte sie ab heute die Ausreise beantragen. Siehste wohl…


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