Posts Tagged ‘Weihnachtsbaum’

Kleine Momente, kleines Fest

6. 1. 2015

Zweiter Sonntag nach Weihnachten, der letzte mögliche weihnachtliche Gottesdienst. In Kircheib.

Hinter verschneiter, vereister Straße wartet die kleine Kirche mit wohliger Wärme. In den Bankreihen vor dem erleuchtetem Christbaum trifft sich einen kleine Runde, im Licht von zig Kerzen, die über die Kirche verteilt sind.
Die Geschichte vom zwölfjährigen Jesus ist schon nicht mehr weihnachtlich. Eben noch Windeln, jetzt ein widerborstiger Kerl. Schert sich nicht um seine besorgten Eltern und diskutiert lieber mit Gebildeten.

Nach dem Gottesdienst Aufräumen. Kurz bleibt das „Stammteam“ beisammen, der Pfarrer, die Küsterin, die Organistin und die Presbyterin. Jeder macht, nach eigenem Zeitmaß, ein paar Handgriffe, das große Aufräumen ist eh erst in den nächsten Tagen. Der Pfarrer sammelt Teelichte auf den Kämpfern ein. Er muss sich nur ein wenig recken und nicht wie die Küsterin auf eine Leiter klettern. So wird für ihn der Abschied von der Weihnachtszeit zu einem „aufstrebenden Ereignis“ .2015-01-04 15.08.01

Nachmittags kommt schon das Neue: Zurück von einem kleinen Weg, kurz vorm Haus, trifft die Familie auf die Sternsinger. Beide haben sich um Haaresbreite verpasst, und die Begleiterin fragt, ob sie denn jetzt noch einmal…
Das Ja ist gesprochen, Schuhe und Mäntel kaum abgelegt, schon biegen vier (ja, wirklich!) fein verkleidete Königinnen (ja, wirklich!) um die Ecke und klingeln. Singen ihr Lied, sagen einen Reim, empfangen eine kleine Gabe und hinterlassen ihren Kreidegruß.

 

Kleine Momente. Mach es wie Maria, hieß es in der Predigt: denn „seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen.“ Und siehe, hier waren mehr als Worte…

Und nun ist ein neuer Abschnitt im Kirchenjahr da: Heute ist Epiphanias. Durch das Erlebnis am Sonntag jetzt auch „Heilige Vier Königinnen“. 🙂 Einen schönen Fest-Tag!

 

Tannengrüner Lichtblick

20. 12. 2014

Jedes Jahr ist’s eine Wonne: Die Weihnachtsfeier der kommunalen Kindertagesstätte in der romanischen Kirche. Fröhliche Kinder, teils aufgeregt, weil sie etwas aufführen; ein motiviertes Team; interessierte Eltern und Familien. Auch dieses Mal begrüßt mich fröhliches Lachen und aufgeregtes Kribbeln in der Luft. Hier bin ich wieder gerne dabei.

Zentral ist ein Anspiel. Umrahmt von der Hoffnung auf Licht und Leben. Ich erzähle vom Volk im Finstern und dem Warten auf das Licht. Vom Leben erweckenden Jesus.

Dieses Jahr ist eines anders: Die ErzieherInnen spielen – für die Kinder. Fröhlich und mit Lust am Darstellen. Das kleine Anspiel erzählt vom armen kleinen Tannenbaum, der so gerne zu Weihnachten in einem Wohnzimmer stehen und geschmückt sein möchte. Und so lange darauf warten muss, bis ihn ein Vater mit seinem Kind nach Hause holt und den Baumtraum erfüllt.

Für mich „O-Tannenbaum-Geschädigten“ ein Lichtblick. Froh macht mich das.

Und, meine Güte, die waren so gut in ihren Rollen, das war doch kein Zufall? Hinterher, bei Plätzchen und Kaffee, frage ich nach: Nein, im Team gibt es theaterpädagogische Ausbildung. Erfolgreich an die anderen weitergegeben. Toll. Und Danke! Von Herzen.

2. Februar

2. 2. 2009

Jetzt fliegen aber wirklich die letzten Weihnachtsbäume raus! Während gut protestantische Bäume schon nach dem 6. Januar (Epiphanias) den Weg alles Irdischen gehen, werden gut katholische Bäume erst jetzt (Lichtmess) weggeschickt. Die profane Wirklichkeit liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte.

Ich nehme das zum Anlass über das zu berichten, was unterm Baum lag, am 24. Dezember. Nicht alles, nur, was die beste Pfälzerin und ich uns gegönnt haben. Vorhang auf:

Drei Bücher, jedes gebunden, mit Lesebändchen. Lese-Genuss, Stück für Stück:

Carlos Ruiz Zafón, Das Spiel des Engels

Ein spannender Roman. Schöner Stil, was natürlich auch an der Übersetzung liegt (Peter Schwaar heißt der Sprachmeister). Der Held David Martín schildert sein rätselhaftes und teils trauriges Leben. Nie langweilig. Nur der Epilog, den denke ich mir weg… 711 Seiten, die sich lohnen.

Jürgen Neffe, Darwin: Das Abenteuer des Lebens

Ein dreifacher Erzählstrang: die Reise Darwins mit der Beagle, dem Forschungsschiff, und wie Darwin auf dieser Reise zu seiner Theorie kam; des Autors Reise entlang der Route der Beagle ; das Leben Darwins.  So miteinander verwoben, dass auch einiges zur Wirkungsgeschichte und zu  aktuellen Fragen einfließt. Gut und gerne gelesen.

Jan Weiler, Drachensaat

Wer nach „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ und „Antonio im Wunderland“ einen ähnlichen Brüller erwartet, wird vielleicht enttäuscht. Eine skurrile Geschichte wird vor unseren Augen entrollt, der erste Teil aus der Sicht eines heruntergekommenen Architekten, der zweite als Protokoll eines Finanzhais, und zum Schluss aus fiktiven Medienberichten zusammengestellt: Wie entstand Drachensaat, was wollten sie usw.
Wer jetzt nichts versteht: Ich will nicht mehr verraten. Kurz: Es geht um eine Entführung – Plaung, Durchführung und ende des Dramas. Jan Weiler hat den Humor nicht verloren. Vor allem im letzten Teil präsentiert er Formenvielfalt und imitiert den Stil verschiedener Zeitungen und Fernsehformate. Schön.


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