Posts Tagged ‘Umkehr’

Reformationstag 2015

31. 10. 2015

„Aus Liebe zur Wahrheit und in dem Bestreben, diese zu ergründen, soll in Wittenberg […] über die folgenden Sätze disputiert werden.“ So beginnt das Thesenpapier Luthers, das nach dem 31. Oktober 1517 seine Runden machte.

Ursprünglich war das Thesenpapier auf Latein, daher müsste ich korrekt zitieren „Amore et studio elucidande veritas hec subscripta disputabuntur Wittenberge“. aber meine Güte, wer versteht das? Deshalb gab es ja auch flugs nach der Erstveröffentlichung den Text auf deutsch.

Die erste These lautet:
„Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht „Tut Buße“ usw. (Matth. 4,17), hat er gewollt, dass das ganze Leben der Gläubigen Buße sein soll.“

So ernst hat es angefangen.

Man kann es auch alberner angehen:

einen frohen reformationstag!

Die Hirtenumkehr

30. 12. 2014

„Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott um alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.“ (Lukas 2,20)

Und die Hirten kehrten wieder um…

Umkehr klingt sonst so anstrengend: „Kehrt um!“ oder „Tut Buße!“ Im Neuen Testament zuerst ausgesprochen von Johannes dem Täufer. Diesem Asketen, der Menschen einmal ganz untertaucht, damit sie merken, dass ihnen Gott die Luft abschneiden kann, damit sie ins neue Leben finden. Jesu greift die Botschaft auf und wandelt sie um. Er ruft zum Reich Gottes und feiert es vor, in einer Tischgemeinschaft mit zwielichtigen Leuten. Das ist allemal lustiger als unter Wasser keine Luft mehr zu kriegen. Aber in schlechter Gesellschaft lebt es sich gefährlich, wie man am Ende dieses Jesus merken kann.

Umkehr, Buße ist zu etwas Anstrengendem gemacht worden. Es gibt Werke der Buße: Kreuz auf sich nehmen, Fasten, Pflichten erfüllen. Klingt alles nicht nett.

Die Umkehr ist dadurch nicht attraktiv gemacht worden. Wir könnten sie wiederentdecken. Die Stimme Gottes in der Navi-Dame oder dem Navi-Herren. „Kehren Sie, wenn möglich, um.“ Alles andere als bedrohlich. Ein freundlicher Appell. Unsere Möglichkeiten miteingeschlossen, vielleicht können wir es gerade nicht. Das Navi weiß den Weg für uns: Kehren wir nicht bald um, weist es uns auf einen Umweg. Eigenes Risiko. Aber wir vertrauen ihm.*  Schade, dass wir uns das bei Gott abgewöhnt haben.

Die wundersamste Sache ist da für mich die Umkehr der Hirten: nicht weg aus dem Normalen zu etwas anderem, sondern dorthin, ins Normale,  zurück. Die Hirten kehrten wieder um zu ihren Herden. Weg von der Anbetung beim Kind. Aber mit erfülltem Herzen, weswegen sie Gott loben und preisen.

Es ist eine häufige Erfahrung: Wir kehren zurück in den Alltag, aus einem wunderbaren Urlaub, von einer besonderen Fortbildung oder einem Kirchentag.  Was wird aus den Anregungen, aus den schönen Momenten? Das Herz kann traurig werden, weil es ahnt, der graue Alltag frisst das Bunte auf. Bisher habe ich so gedacht. Ich will ab jetzt die Hirtenumkehr lernen: Ja, ich habe etwas Besonderes erhalten und mitbekommen. Ich will Gott loben und preisen. Und kehre um. Gott entgegen. Fast wie vorher. Nur anders.

Predigtgedanken vom Sonntag (28.12.)

* Dieser Gedanke stammt von Peter Wick aus seinem Vortrag „Nur einer kann der Grillmeister sein: Das Evangelium auf einer Postkarte“ auf dem Missionale in Köln 2013.

 


%d Bloggern gefällt das: