Posts Tagged ‘Traumberuf’

Traumberufe, Folge 9: Pausenzeichensprecher

21. 10. 2015

Damals, in den Achtzigern, versprach ich mir sichere Arbeit bei Telefonansagen, als Sprecher der Pausenzeichen. Ich hatte den Bogen raus, nicht nur ein einfaches „Piep“ zu sagen, sondern auch den leichten Hang zum „ü“ beim „ie“. Absoluter Traumjob war damals die Zeitansage. Dieses schnarrende „Beim nächsten Anrruf isstes…“ wäre mir sehr leicht gefallen.

Irgendwie kam es dann anders. Und wenn ich heute mit Menschen aus der Branche spreche: Sie haben alle umschulen müssen und sind Endlosschleifenansager geworden. Was für eine mühevolle Arbeit! Aber immer noch besser, so trösten sich viele, als beim Endlosschleifenorchester mitzuspielen. Die Koordination mit dem gesprochenen Wort ist viel zu anstrengend, die wenigsten halten länger als ein Jahr durch.

Traumberuf, Folge 8: Oberstubenrat

19. 5. 2010

Thomas Kagermann hatte eine Mail so unterzeichnet. Ja, dieser Beruf hat etwas: In der Oberstube (oder kleiner: dem Oberstübchen) soll es geordnet zugehen. Wer wünscht sich das nicht? Und der Oberstubenrat hilft dazu, der Oberstubendirektor hat ja nur die Aufsicht.

Ich hätte nie gedacht, dass Thomas als begnadeter Künstler diesen Beruf ausübt. Aber das zeigt: nur wirklich freie Menschen sind für den Oberstubenrat geeignet.

Traumberuf, Folge 7: Spezialpfarramt

22. 1. 2010

Es gibt ein bestimmtes Spezialpfarramt, das ich erträume:

Die Brauereiseelsorge in Bitburg.

Selbstredend geht es um Betriebsseelsorge. Aber eine große Notwendigkeit für diese Stelle liegt bei den Besuchergruppen: Man darf sie  in der Brauerei auch seelsorglich nicht allein lassen. Bei der Verkostung zeigt sich immer wieder, dass viele eine besondere Begleitung brauchen.

Eine theologische Fundierung der gesamten Brauereiarbeit ist ein Defizit auch der akademischen Theologie. Hier sehe ich Aufgaben der Transmission.

Meine besonderen Qualifikationen: Mit familiären Wurzeln in Jever, aufgewachsen in Wuppertal, einer Stadt mit großer Brautradition, sehe ich mich hier einem großen deutschen Erbe verpflichtet. Den körperlichen Anforderungen fühle ich mich dank meiner Konstitution gewachsen. So kann mich Trinken aus Solidarität (mit wem auch immer) nicht schrecken.

Jahrzehntelange Erfahrung im Biertrinken (fast 10 Jahre Saarland!) machen mich zum gefragten Gesprächspartner für Profis und Laien.

Auch Exkursionen zu den anderen Standorten der Brauereigruppe, wie Lich und Wernesgrün, würde ich gerne durchführen. Sicher findet sich an diesen Orten ein geeignter Jakobsweg, dessen Erforschung sich allabendlich begießen ließe. „Das Maß ist das Ziel“, wie die Bierpilger so sagen…

Traumberuf, Folge 6: Taugenichts

2. 12. 2009

Joseph von Eichendorff hat die Dienstanweisung mustergültig in Romanform gesetzt. Auf heute übertragen ergibt sich folgendes Bild:

  • Handfeste und solide Arbeit möglichst vermeiden. Nur annehmen, wenn es zum Lebenserhalt notwendig wird.
  • Zeitmanagement wird von der inneren Uhr bestimmt.
  • So lange wie möglich im Hotel Mama bleiben.
  • Träumen nachhängen bis zum Abwinken.
  • Stest lustige Gesellschaft suchen.
  • Fröhliches Gemüt entwickeln.
  • So billig und so oft wie möglich in die Sonne reisen.

Ich habe jetzt einen berufsbegleitenden Kurs belegt. Wobei die Frage ist, ob ich nicht konsequenterweise so oft wie möglich blau machen sollte. Bei der Prüfung am Schluss könnte es sein, dass ich durchfalle, weil ich sie bestehe.

Jedenfalls, wenn ich da durch bin, wird das mein Hauptberuf. Taugenichts – das kann man nicht im Nebenjob!

Fürs Erste  ein Ende mit den Traumberufen. Es sei denn, die Nummer 7 ist „Fortsetzungsromanschreiber“.

Traumberuf, Folge 5: Blogbüroleiter

30. 11. 2009

Bloggen macht mir ja viel Spaß. Wie wäre es, das groß aufzuziehen?

Vorausgesetzt, ein großzügiger Mäzen gäbe ein gutes Grundgehalt:  eine Handvoll Ghostwriter eingestellt, und dann geht es los. Texte redigieren und verfassen, mehrere Blogs koordinieren und vernetzen. Das wäre fein.

Es muss auch Geld hereinkommen Texte für Zeitungen und andere Medien müssten dann schon sein.

Da die Ghostwriter freie Mitarbeiter sind, wird es ein wenig Fluktuation geben. Ein bisschen Arbeitgeberallüren wären dann… Nein, das lassen wir, das wäre  unziemlich.

Aber da fällt mir ein: Früher, da gab es vielecht schon Ähnliches. eine Entstehungstheorie der Paulusbriefe ist ja die Sekretärshypothese.

In der theologischen Wissenschaft ist man sich relativ einig, dass 1./ 2. Timotheus und Titus ziemlich sicher und Epheser/ Kolosser nicht von Paulus sind, die restlichen Sieben gelten als der Kanon der „echten“ Briefe.

Manche versuchen die Echtheit auf Teufel kaum raus zu verteidigen. weil 1. Gottes Wort kann nicht irren und 2. wo Paulus drauf steht, muss auch Paulus drin sein.

In der Antike war das Urherberrecht nicht so ausgeprägt wie heute. (Oder so ausgeprägt wie bei den Internetzitierern: „Klingt wie Goethe – könnte Goethe sein – ist Goethe“.)

Da kam man dann auf die Sekretärshypothese: Irgendwann hat Paulus seine Schreiber-redaktion ausgewechselt. Die ersten Briefe kennen keine Bischöfe. Der Schreiberling der Timotheusbriefe fand sie eben gut, und wahrscheinlich war Paulus auch viel müder als in früheren Jahren, also abgezeichnet und ab die Post.

Ob seine Sekretäre und Schreiber so selbständig agierten? Man darf es bezweifeln.

Traumberufe, Folge 4: Zitatedetektiv

26. 11. 2009

Als Zitateschmied habe  ich mittlerweile zu wenig Zeit. Als Zitatedetektiv bin ich derweil auf anderen Blogs unterwegs und untersuche Zitate auf ihre Herkunft.

Bezahlt würde ich das noch lieber machen: Auf Anfrage ein Zitat solange suchen, bis ich die erste Herkunft gefunden hätte. Und ob der angebliche auch der wirkliche Autor. Ich könnte mich auf bestimmte Autoren spezialisieren, Luther, die Bibel, Goethe, Morgenstern und ein paar andere.

Bei entsprechenden Einnahmen müsste dann ein kleines Büro in einer Uni-Stadt her, damit ich die Bibliotheken aufsuchen kann. Online geht ja doch noch nicht alles.

Für eine Anschubfinanzierung auf Spendenbasis (leider nicht steuerlich absetzbar) wäre ich dankbar. Vor dem Angebot einer Falschzitate-Schutzgebühr werde ich mich hüten. Mit dunkler Sonnebrille am PC? Geht nicht. Und die Geigenkästen lasse ich alle dem Thomas Kagermann. Aber eine Richtigzitate–Versicherung, darauf sollte ich zugehen. Wie auch auf eine Falschzitate-Filter-Software. Es tun sich Marktlücken auf…

Traumberufe, Folge 3: Sonnenkönig

23. 11. 2009

Das wäre doch was:  Alle richten sich nach dir aus. Du hast das Sagen. Widerspruch kann geahndet werden. Andererseits brauchst du gute Berater. Für einen allein ist ein ganzer Staat etwas viel.

Ein Job fürs Leben. Repräsentieren solltest du können. Etikette beherrschen auch – wobei du natürlich viele Regeln selbst bestimmen kannst…

Adelige Abstammung wäre gut. Am Mangel daran scheitern die meisten Bewerbungen…

Folge 4 am 26.

Traumberufe, Folge 2: Schwebebahnschaffner

21. 11. 2009

Mein Gymnasium in Wuppertal war eine Dreiviertelstunde entfernt, 3 Minuten zur Bushaltestelle, nach 10 Minten umsteigen, 5 Minuten warten, fast 20 Minuten mit dem nächsten Bus – und dann drei Schwebebahnstationen.

Damals bestand ein Schwebebahnzug meist noch aus zwei Waggons. Zu jedem Zug gehörte ein Schaffner. Er war einer der ersten auf dem Bahnsteig, schaute, dass alle ein- und aussteigen konnten, stieg wieder ein, rief dem Fahrer ein „Fäddich!“ zu, die Türen schlossen sich automatisch (falls es nicht die alte Baureihe aus den Kaiserzeiten war) – und weiter ging’s.

Die blaue Uniform – von den meisten (nach)lässig getragen –  hätte es nicht sein müssen. Aber es ging geruhsam zu, auch kommunikativ, und intellektuelle Herausforderungen hätten bis nach der Arbeit warten können.

Dieser Traum zerplatzte Mitte der Siebziger. Da kamen dann die modernen Gelenkwagen im Ein-Mann-Betrieb. Jeder Bahnhof bekam seine Überwachungskamera, der Führerstand hatte einen kleinen Bildschirm. Die Schaffner wurden nicht mehr gebraucht.

Traumberufe, Folge 1: Astronaut

20. 11. 2009

Mit 10 dachte ich, im Jahr 2000 gibt es einen regen Verkehr zum Mond und zurück. Und irgendwas in dem Bereich könnte ich dann als Beruf machen.

Wobei ich damals gewiss nicht an die Betreuung der Mülleimer im MoonLightExpress gedacht habe…

Wir wissen:   Allein schon mit dem Pendelverkehr Erde – Mond kam es anders.


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