Posts Tagged ‘Tränen’

Vorgefertigte Liturgie hält auf Distanz

7. 11. 2013

Sie wusste, es geht aufs Sterben und sie ließ mich rufen um das Abendmahl zu bekommen. Da bin ich nun.

Sie liegt im Bett. Schmales Gesicht,  spitzes Kinn – ja, sie weiß es. Sie ist bei vollem Bewusstsein.

Am Bett sitzt neben der Tochter eine alte Freundin. Sie ist da, auch wenn das Reisen ihr Mühe macht. Wir feiern eine kleine Feier zu Viert. Sehr dicht.

Am Schluss spüre ich: Die Sterbende braucht einen eigenen Zuspruch, bevor ich mit dem Segen schließe. Ich spreche das an. Sie ist einverstanden und blickt zu mir auf. Ich fasse ihre Rechte, lege ihr die Linke aufs Haupt.  Sie schaut mich mit großen Augen an. Schaut und schaut, sie ist nur Blick. Ich schaue zurück, mein Blick weicht nicht aus. Sie hält meine Hand fest. Ich spreche ein Segenswort. Sie schaut und schaut. Fester Griff in meiner und ihrer Hand. Eine Träne kullert ihr die Wange herab, wir schauen uns weiterhin an. Weitere Tränen kommen still. Ich höre links von mir ein Schniefen, bald auch ein zweites. Und merke, meine Augen werden feucht, bei mir kullert es auch.

Nach einer Weile setze ich mich wieder auf meinen Stuhl. Die alte Freundin zieht die Brille ab und wischt sich mit einem Taschentuch die Augen. Ich tu es ihr gleich.

Schließlich fassen wir uns an den Händen, ich spreche den Segen. Wieder halte ich die Hand der alten Frau. Wieder schauen wir uns an, lange.

Was erspart man sich doch, wenn man sich an die vorgefertigte Liturgie hält.

Tränenreiche Überraschung und 3 Gedanken dazu

11. 8. 2010

Nur ein Lied wollten sie spielen, Gitarre und Violine, und dann auch Gesang, die zwei Männer machten ihre Sache gut. Der Bräutigam schluchzte, und auch viele Gäste griffen zum Tüchlein. Wie ich hinterher erfuhr, brachten die beiden „Willst du“ von Schandmaul. Der Sänger in der Kirche war besser als im Original.

Gedanke 1: Es gibt Musik, die mich zu Tränen rührt. „Willst du“ ist es nicht. Ich finde es ein hübsches Lied, berührend, ja. Anscheinend trifft es bei manchen den Nerv: junge Erwachsene, mit Hang zur Romantik?

Gedanke 2: Schandmaul bietet einen interessanten (und auf Dauer bei den schnellen Liedern eintönigen) Mix alter und neuer Instrumente. Auch die Sprache derTexte mischt alt und neu: „Lausche meiner Stimme“ und „Willst du diesen Ring von mir“ neben „… wann es passierte“ und „Schatten und Probleme“. Ob es  diese Mischung ist, die ankommt? Jedenfalls finde ich dieses leise Stück eins der besten dieser Gruppe.

Gedanke 3: Youtube zeigte mir eine Fülle an nachgespielten Versionen. Einige sind sehr mutig. Gut gemeint ist nicht unbedingt gut, was leider auch oft für die graphische Umsetzung der Originalversion gilt. Es ist nicht nur eine Kunst, Musik zu spielen, sondern auch, seine Gefühle in Bildern auszudrücken. Kunst kommt von Können, nach wie vor. Aufrichtiges Bemühen will ich nicht in Abrede stellen, liegt aber auf einer anderen Ebene.

Herzergreifend, zu Tränen gerührt

3. 11. 2008

Nach dem letzten Kommetar von ig:

…. Allerdings musste ich neulich mal rechts ranfahren und kräftig schluchzen als ich Passagen aus der H-MOLL Messe von JSB im Auto hörte. Sie rührt mich jedesmal. …

Ich bekenne mich als „rührselig“. Auch mir kann es passieren, dass ich bei Musik oder einem Film feuchte Augen kriege.

Ich kann auch mittlerweile verstehen, dass man alten Menschen verstärkt solche Anwandlungen zuordnet. Ich meine auch von mir, dass ich mit 20 oder 30 nicht solche Gefühle hatte.

Es ist gut, wenn heutzutage Tränen nicht mehr als anstößig gelten. Gefühle haben ihren Wert. Der Kopf bleibt oft genug misstrauisch, was auch nicht schlecht ist. Selbstkritisch und emotional, eine nötige, sinnnvolle, gute Mischung?


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