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Heiterkeit erregender Traum

4. 3. 2016

Da erkläre ich dem junge Redakteur, dass es nach der neuen Rechtschreibung „Heiterkeit erregende Texte“ heißen sollte und das etwas anderes ist als die „Heiterkeit erregender Texte“.

Impression IV

22. 10. 2009

Du stehst auf dem Marktplatz. Sankt Nikolai im Rücken. Du blickst auf die lange Seite eines Rechtecks; an seiner rechten Seite fahren immer wieder Straßenbahnen vorbei. Die Sonne scheint, an diesem Spätsommertag ist es warm. Der Marktplatz ist gefüllt mit Tischen und Sonnenschirmen, um kulinarische Genüsse draußen zu ermöglichen. Aber auch ein paar Verkaufsstände sind zu sehen. Den Augen fast verborgen: der Brunnen mit der eingemeißelten Stadtgeschichte.
Die Ränder des Rechtecks sind gesäumt von Laternen, alten Gaslaternen nachgestaltet.

Die Gebäude sind alt oder sehen so aus: teils sind sie neu. Wie auf der gegenüberliegenden kurzen Rechteckseite: Dort, an der Ecke zur Berliner Straße, ist eine Pizzeria, links daneben die Apotheke am Markt.
Ein Ensemble wie auf dem alten Bild: Links die Adler-Apotheke, und auf der Ecke das Textilkaufhaus, das einst den Vorfahren gehörte. Doch das Kaufhaus ist im April 1945 untergegangen. Wie vieles in der Stadt. Doch es ist nicht wieder aufgebaut worden.
Es gibt auch niemanden mehr, der hier den Namen des Kaufhausgründers trägt. Diese Linie ist abgebrochen, wie vordem die Ruinen des Eckhauses.

Der Marktplatz wurde mit viel Mühe wiederaufgebaut, vieles restauriert. Der Bau aus der Gründerzeit war nicht für würdig befunden worden, hier wiederzuerstehen. Es hat wohl auch Jahrzehnte gedauert, bis die Baulücke geschlossen wurde. Ich schätze den Neubau auf 25 bis 30 Jahre.

Du kannst auf dem Platz verweilen, oder nach links durch die Fußgängerzone gehen, die sich bis zum alten Stadttor erstreckt. Zu Besuch ist es gut hier. Deine Heimat ist hier nicht.

Impression III

3. 10. 2009

Nach Osten und Süden erstrecken sich Weinberge. Wo die Flurbereinigung zuschlug, steht der Wein in Reih und Glied, eine Mischung aus Fruchtbarkeit und Einöde.

Es gibt noch Flächen, auf denen Anderes zu finden ist. Geh dort entlang. Nimm auch Tüten und Taschen mit. Denn vielleicht kommst du an Obstbäumen vorbei, die nicht eingezäunt, sondern frei stehen: Äpfel, Birnen, Pflaumen und Pfirsiche hängen prall und schwer an den Zweigen – oder sind schon Fallobst und faulen vor sich hin.

Hier kannst du Ernte halten, Taschen und Magen füllen und dich daran freuen, wie gut es uns noch geht, dass nicht noch mehr Menschen Ähnliches tun.

Kommst du an Brombeerhecken vorbei: geh hin und riskiere, dass die Dornen dich pieksen. Es lohnt sich, die Beeren stehen gut, wie das andere Obst und der Wein. Fast könntest du glauben, du wärst im Schlaraffenland. Aber gebratene Tauben fliegen nicht herum.

Die erste Fassung entstand 1983. Passt immer noch. Vor allem heute, 3. Oktober, und auch Sonntag, Erntedank.

Impression I

24. 9. 2009

Wer im strahlenden Sonnenschein auf den großen viereckigen Bahnhofsvorplatz tritt, sich hinter dem Kriegerdenkmal aufstellt, sieht ein Empfangsgebäude, wie es einem Kurort angemessen ist. Doch durchquerst du den rot-gelben Bau und betrittst Gleis eins, was siehst du? Ein Blick nach rechts zeigt dir, wie die Schienen schon bald aufhören und zwischen ihnen Gras und Blumen gedeihen. Ein Kopfbahnhof ohne Kopf.

Du gibst dich nicht mit ein paar verrosteten Güterwagen zufrieden? Geh über die Schienen auf Gleis drei und setz dich auf die Bank. Spätestens nach einer Stunde kommt ein Triebwagen, ihm entsteigt eine spärliche Menschenmenge.

Allerdings, von Sonnabend Nachmittag bis Montag früh würdest du vergeblich warten.

Das stammt aus dem Jahr 1983. Mittlerweile hat der Rheinland-Pfalz-Takt die Strecke wachgeküsst wie der Prinz das Dornröschen: Es gibt Taktverkehr auch am Wochenende. Und 16 Jahre Kanzler Kohl haben der Gegend Prosperität gebracht. Auch das merkt man, sogar am Bahnhof…

Herzmoment und Fettfleck

30. 10. 2008

Am Samstag habe ich einen Salbungsgottesdienst besucht. Eines der Lieder war „Jesu geh voran„. Ein Lied, das mir zu Herzen geht. Vom Kopf her: Gott Erbarmen, dieser Text. Jesus nachfolgen, um in den Himmel zu kommen? (Und der wird auch noch „Vaterland“ genannt.) Geduld bei eignem Schmerz und fremden Leiden? Nie und nimmer!… Und so weiter.

Aber das Herz wird gerührt. Ich weiß gar nicht, wo ich das Lied aufgeschnappt habe. Es muss sehr lange her sein. Und wohl deshalb ergreift es mich, fast jedes Mal.

Im Übrigen (more…)


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