Posts Tagged ‘Suchen’

Zwickmühle

7. 7. 2010

Für I., auf die nächsten 20 Jahre!

Wo war das Handy hingekommen? Am Morgen hatte ich es noch dabei. Abends fand ich es nicht mehr. Auch das Abfahren der Morgenstrecke mit dem Rad hatte nichts gebracht. Allmählich wurde ich nervös.

Das Telefon klingelte und unterbrach mein Suchen. Das lenkte netterweise ein Weilchen ab. Irgendwann aber wurde ich wieder nervös. Ich stand auf und ging im Zimmer umher. Als auch das nicht mehr half, sagte ich: „Du, ich möchte mein Handy weitersuchen. Können wir morgen weiterreden?“ Die Freundin ist im besten Sinne katholisch und sagte mir: „Wenn du etwas verzweifelt suchst, dann musst du dich an Sankt Antonius wenden. Er ist der Heilige  des Verlorenen.“ „Da bringst du mich aber in eine schwierige Situation, so als bewussten Protestanten, da kann ich…“ Ich kam nicht weiter. Ich sah plötzlich mein Handy auf dem CD-Spieler liegen.

Seither weiß ich noch weniger, was ich jetzt mit Heiligen machen soll…

Paradoxie, 6 – Leben und Theologie

8. 1. 2009

Im letzten Paradox schrieb ich über das Suchen. „Es findet sich“ – öfter, als wir es bewusst anstreben.

Aber das Suchen zu lassen kann auch fatal wirken. eine chassidische Geschichte berührt mich sehr stark:

Das Enkelkind des Rabbiners spielte Verstecken. Er suchte sich ein Versteck  und wartete und wartete, aber vergebens! Sein Spielgefährte suchte ihn gar nicht. Schließlich kam er heraus und fand heraus, dass das andere Kind ihn gar nicht gesucht hatte. Er lief weinend zu seinem Großvater, dem Rabbi, und jammerte: „Ich habe mich versteckt, aber niemand hat mich  gesucht!“ Da fing auch der Rabbi an zu weinen und sagte: „So klagt Gott auch! Er hat sich von uns abgewendet und sich vor uns verborgen, damit wir ihn suchen  – wir Menschen aber suchen ihn oft gar nicht erst!”

Was folgt daraus? Finden wir Gott dann doch? Oder findet er uns leichter?

Ich finde diese Geschichte modern, aktuell. Gott hat sich versteckt, er ist nicht leicht wahrzunehmen und zu finden. Aber wir Menschen suchen ihn gar nicht erst.

Vielleicht besteht die ganze Kunst darin, zur nächsten Runde zu kommen, sprich: sich von Gott finden zu lassen.


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