Posts Tagged ‘Spiritualität’

Übers Beten bloggen?

1. 10. 2010

„To be very honest, I hate blogging about prayer. It makes me seem so…pious. For a variety of reasons, I really don’t like it when people talk about their prayer life. Never have. It always feels so paternalistic. A mix of bragging, scolding, and judging. If you have a great prayer life, great. Keep it to yourself.“

Richard Beck, Experimental Theology: The Book of Coommon Prayer

„Um ehrlich zu sein, ich hasse es über das Gebet zu bloggen. Es macht mich, scheint mir, so … frömmlerisch. Aus einer Vielzahl von Gründen mag ich es nicht, wenn Leute über ihr Gebetsleben sprechen. Nie habe ich es gemocht. Es fühlt sich immer so fürsorglich an. Eine Mischung aus Angeberei, Schimpfen und Richten. Wenn du ein großes Gebetsleben hast: großartig. Behalte es für dich.“

Auf der Grenze zum Sinn

15. 9. 2010

Svens Blog „Alles und nichts“ verdanke ich den Link zum Nudellied von Erwin Grosche.

Grosche hat einen eigenen Kanal auf youtube, und seine Filme sind sehenswert. Eine Karikatur von Innerlichkeit und Weltverbesserung. Spiritueller Nonsense. Heute die Meditation übers Knäckebrot:

Hinhörer

1. 9. 2010

Oder: Fast ein Psalm

Wer hier regelmäßig liest, weiß: Ich höre mich gerne um in der Musikszene. Ein bisschen Zeitgeist atmen, um dann darüber zu spekulieren, wie sich Gottes Geist mit ihm verwirbelt.

Meine Ohren blieben jetzt bei der neuesten Single von „Wir sind Helden“ hängen: „Alles“. Hier nur zu hören:

Den Videoclip gibt es als Link hier.

Auch der Text lässt sich nachlesen.

Die Psalmen zeichnen sich dadurch aus, dass sie in ihren Bildern ausgetretene Pfade beschreiten: Man erfährt ja nichts Konkretes über den Zustand des Beters oder der Beterin. So auch die „Helden“: Sie ergehen sich in Andeutungen, rufen Bilder wach. (Wobei ich noch nicht festgelegt bin, wie „rigorose Engel“ aussehen, die meine „Schrauben“ „fixieren“ wollen…)

Nah dran an christlichen Inhalten: Erlösung nicht nur für Religiöse – die Rechtfertigung der Gottlosen lässt grüßen, zumal „alles vergeben“ ist „und gut“. Auch wenn es im Lied schillert, weil ja „alles vergebens“ sein kann. Aber die Ur-Texte (wie die Paulusbriefe und die Psalmen) legen auch keine glatten Lösungen nahe.

Und für Fans von „unplugged“ die Aufnahem von noirtv.de:

Wie überhaupt noirtv.de einen Besuch wert ist.

Schwarzbrot

12. 6. 2010

Was ich Espresso nenne, das ist – grob gesagt – für Fulbert Steffensky das Schwarzbrot. Und so hat er vor vier Jahren ein Brot mit dem Titel „Schwarzbrot-Spiritualität“ geschrieben.

Im Grunde hat er Misstrauen gegen das Wort Spiritualität, udn so möchte er Handfestes mitgeben. Gedanken zu einer Spiritualität, die sich mit einfachen Mitteln dem leben stellt – wie Schwarzbrot als vollkorniges Brot sättigt, ohne Schnickschnack, aber mit Langzeitwirkung.

Das Dekanat Hof im tiefen Franken hat ein paar Passagen zitiert. Ich empfehle sie als Wochenendlektüre!

Joseph – gerne wieder

31. 5. 2010

(M)eine Novelle

Die Bibel erzählt im 1. Mosebuch in den Kapiteln  37 bis 50 die Josephsgeschichte. Eine meiner Lieblingsgeschichten. wie eine kleine Novelle. Der Erzählfaden ist gut durchkomponiert, sie wirkt fast modern – denn von Gott ist kaum die Rede. In den Träumen spricht er. Und er führt geheimnisvoll das Geschick des Helden Joseph. Aber das blickt erst am Schluss durch.

Manchmal fatal gut erzählt: Wie Joseph als rechte Hand des Pharao seine Brüder als Bittsteller empfängt, sie ihn nicht erkennen und er sich zur Seite wendet, weil er weinen muss. Das rührt mich schon.

Und als alle fröhlich vereint in Ägypten leben und die Brüder nach dem Tod des Vaters die Angst haben nun könne sich Joseph bitter rächen für das Ungemach, das sie ihm bereitet haben: Da kommt durch seinen Mund die theologische Deutung. „Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen.“ (1. Mose 50, 20) Nicht viel mehr. „Er tröstete sie und redete freundlich mit ihnen.“ (Vers 21)

Ich erzähle diese Geschichte leidenschaftlich gern in der 1./2. Klasse. Denn der Schluss ist wie ein Teil meiner eigenen Geschichte.

wie joseph geführt
von gott gar keine rede
und trotzdem ganz nah

Kreativitäts-Pentade Mai 2010

11. 5. 2010

Morgen beginnt eine weitere Pentade, die der Rekreation und Besinnung dient. Ich werde in diesen fünf Tagen andere Schwerpunkte setzen als Blog und Internet. Ab heute Abend bis Sonntag werden Kommentare vorübergehend in der Warteschleife verschwinden.

In der Zwischenzeit habe ich zwei Empfehlungen: Das eine ist die Wortwarte, ein Seite, die sich um Wortneuschöpfungen kümmert, sie sammelt und auswertet. Interessant.

Persönlich berührt weise ich hin auf einen Menschen, der teilweise auch Kollege ist: Ich meine Rainer Schmidt, den ich am Samstag zum zweiten Mal erlebt habe. Das erste Mal beim Kirchentag in Köln beim „Gottesdienst in Leichter Sprache“ zur Eröffnung. Dann am Samstag beim ersten Männertag des Kirchenkreises, zum Thema „Was Männer stark macht“. ich verweise auf seine Homepage. Wer dort blättert, findet Hinweise und Lesestoff genug. Und auf seinem You-Tube-Kanal kriegt man Eindrücke, wie er mit seiner Beeinträchtigung lebt und wie daraus eine Lebensbotschaft wird… Mit leiseren Tönen noch ein Interview.

P.S.:  Morgen und Freitag  gibt es die beiden letzten Eigentlich-2-Filme.

Der dritte Schluck weckt auf

10. 4. 2010

Der spirituelle Espresso (die Tageslosung der Herrnhuter Brüdergemeine) hat zwei Schlucke (also Losung und Lehrtext. Mit einem kleinen Nachklapp (ergänzender Text).

Die Losung vorgestern (8. April) hatte als Zugabe ein Gebet von Janet Morley, eine im englischsprachigen Raum bekannte christliche Autorin.

„O unvertrauter Gott“ beginnt es. Was für eine Anrede! Das geht tief. Da weiß ich doch, dass seit der Aeropagrede des Paulus (hinter der ja Lukas steckt, Apostelgeschichte 17) sich der „unbekannte Gott“ in Christus bekannt gemacht hat.

Ist er dadurch schon vertraut? Ich bin mit acht Monaten getauft, habe eine gewisse religiöse Erziehung genossen, erinnere mich an Kinder- und Familiengottesdienste, wurde konfirmiert, na ja, und die Berufswahl…

Gott war mir sehr nahe. Seine Spur hat sich mal vor über einem Jahrzehnt verflüchtigt, er blieb mir bekannt, aber war mir nicht mehr vertraut. Das hat sich vor ein paar Jahren wieder geändert. Dem verdankt auch der Blog seinen Anfang.

Aber manchmal bliebt Gott „unvertraut“. So wie in einer Freundschaft oder Partnerschaft der Mensch neben mir bei mir sein kann – und plötzlich tut sich eine neue Seite auf…

O unvertrauter Gott: dieser Gott ist es, der mein Herz wärmt. Wie bei einer guten Freundschaft: Auch die hält ein paar Jahre Sendepausen aus; aber wenn es ein Wiedersehen gibt, dann ist es fast so, als wäre es nur ein kurzer Zwischenraum gewesen. O unvertrauter Gott, Spuren des Lebens, der Auferstehung, überall…

Evangelische Spiritualität

24. 3. 2010

Auf den ersten Blick ist sie spröde,
die evangelische Spiritualität.
Aber ich liebe sie,
weil heutzutage so vieles berauschen will
und den Kopf einnebeln möchte.

Nüchtern kommt das Paul-Gerhardt-Lied daher,
spröde ist die Losung,
Auge und Ohr sind oft die einzig angesprochenen Sinne.
Aber ich kann, darf mich hineinbewegen
und muss es nicht.

Und oftmals springt es vom Kopf zum Herz.

Ach Mensch, ein Fragment, aus Zeitnot aus der Kiste gekramt. „Irgendwie“ doch ganz gut. Echt und original  Theomix.

Und mit Abstand gelesen: So nüchtern kommen Paul Gerhardts Lieder nun  doch nicht daher. Aber es bleibt jetzt so da stehen.

Urbane Spiritualität

20. 3. 2010

Obwohl ich Landbewohner bin, bin ich städtisch geprägt. Daher kann ich mich für Initiativen begeistern, die „christliche Urbanität“ zu leben versuchen.

Urbantät ist im Unterschied zu „städtisch“ mit bestimmten Werten verbunden: „Bildung, Weltläufigkeit, feines Wesen und Höflichkeit“ ennt wikipedia zum Beispiel.

Neulich habe ich entdeckt: die Ökumenische Rogate-Initiative aus Berlin. Hochkirchliche Prägung bei der Liturgie (das läge mir vielleicht weniger) verbindet sich mit ökumenischer Weite.

Immer noch interessant (ich hatte es schon mal verlinkt): Das Motoki-Kollektiv in Köln mit Wohnzimmer-Gottesdiensten und anderen kreativen, kulturell ansprechenden Ideen.

Aus dem Briefkasten

20. 1. 2010

Anregendes bei der Post der letzten Woche:

Die Zeitschrift „Andere Zeiten: Magazin zum Kirchenjahr„. Darin ein Bericht über die Junge Kirche Berlin. Und über eine interessante Initiative in Köln-Ehrenfeld.

Die aktuellen EZW-Hefte der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen: Heft 205 über Astro-TV und 206 über Evangelikale Bewegungen. Da dieses Stichwort schon (beim Jahr der Stille) eine kleine Diskussion ausgelöst hatte, möchte ich gerne länger dazu schreiben. Wenn die Zeit es zulässt.

Das aktuelle Heft von Publik-Forum. Darin ein sehr interessantes Interview mit Margot Käßmann.

Das Jahr der Stille

9. 1. 2010

Eine gute Initiative.

Jahr der Stille

Dort herumsurfen lohnt sich.

Außerdem zeigte die Seite: Evangelikale werden falsch dargestellt, wenn sie nur als blindwütige Missionare gesehen werden. Bin ich selbst einer? Eher nicht. Einige der Partner dieser Initiative sind mir recht sympathisch. Außerdem, solche Einteilungen sagen heute viel weniger als vor 15 oder 20 Jahren.

Gutes vom Gabentisch grüßt Glücksmomente

6. 1. 2010

Gutes vom Gabentisch

Was wir uns untereinander auf den Gabentisch gelegt haben, wurde auch am Montag Abend gemeinsam geteilt: Die DVD mit dem Film „Insomnia – Schlaflos„.  Sehr spannend.

Glücksmomente

Dann wollte ich den Fernseher ausschalten, knipste das DVD-Gerät weg, da lief Beckmann.
Da  sah ich, der spirituelle und der humoristische Glücksbringer waren zu Gast: Anselm Grün und Eckhart von Hirschhausen. Ich blieb hängen – und habe es genossen. Jeder für sich ist schon ein Gewinn. Beide zusammen: auch schön. Die Kameraeinstellung zeigt oft einen aufmerksam lauschenden Hirschhausen. Zwischen den beiden gibt es gar nicht so viel direktes Gespräch. Läuft halt alles über diesen …, wie hießt er doch gleich?

Wer auch sein Glück probieren möchte und 36 Minuten Zeit hat: Es geht hier entlang.

Espresso an Heiligabend

24. 12. 2009

Bis zum Abend ist es ja noch etwas. Aber als Start in diesen Tag mein spiritueller Espresso.

Rede, HERR, denn dein Knecht hört.

1. Samuel 3,9

Der Engel sprach zu den Hirten: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird.

Lukas 2,10

Der erste Schluck: aus der Berufung des Samuel. Der junge Samuel hört nachts eine Stimme und meint, der Hohepriester Eli habe ihn gerufen. Der schickt ihn wieder ins Bett. Als sich das wiederholt, wird Eli aufmerksam: Hier ruft Gott! Er empfiehlt diesen Satz zu sagen; für ihn eine angemessene Antwort auf Gottes Ruf: Ich bin da, rede! „Dein Knecht“ ist sozusagen die hebräische Demutsform für „ich“.

Der zweiten Schluck: Da  ergeht Gottes Ruf durch den Engel. An die Hirten. „Fürchtet euch nicht!“ bereitet den Weg für’s Hören. Wenn das Göttliche erscheint, bekommen die Menschen  oft Angst. Dieser Satz nimmt sie (in den biblischen Geschichten).
„Siehe“ richtet die Ohren auf das, was kommt. Ein hörbarer Doppelpunkt.
Große Freude allem Volk.  Allem Volk – auch denen, die mir das Leben schwer machen; die ich nicht mag. Gut, es guibt nicht nur „die“; aber denen gilt es eben auch…

Der nächste Vers kündigt die Geburt des Heilands an. Daran erinnert dieser Tag.

Ich wünsche allen meinen Leserinnen und Lesern einen aufbauenden Heiligabend und ein gutes und schönes Weihnachtsfest!

Und um 15.00 Uhr gibt es noch mal was für Leute, die Zeit haben…

Lass mich deine Stütze sein!

27. 11. 2009

Einmal in der Woche unterrichte ich Religion an einer Grundschule. In der ersten Stunde mit einer Gruppe aus der 3. und 4. Klasse, in der zweiten Stunde  aus der 1. und 2. Die zweite Stunde ist wegen der folgenden Frühstückspause offiziell nur 25 Minuten lang.

Dieses Jahr ist es ein großer, wilder Haufen, den ich begrüßen darf. Irgendwie dauernde Unruhe. Ich habe es dann mal so versucht, dass ich die Dauerredner aufstehen ließ. Vielleicht von vorsintflutliche Pädagogik abgeleitet, aber es half. Als einer der Rabauken so vor mir stand, habe ich mich auf seinen Kopf gelehnt und gesagt: „Du bist jetzt meine Stütze.“

In der nächsten Stunde begrüßte er mich mit den Worten: „Darf ich wieder deine Stütze sein?“ Und fortan jedes Mal. „Lass mich bitte deine Stütze sein!“ Hin und wieder habe ich das dann auch noch mal gemacht. Obwohl er jetzt nicht mehr ganz so rabaukig auf mich wirkt.

Aber es hat sich herumgesprochen. Bei meiner letzten Stunde wollten dann alle Kinder, dass ich sie zur Stütze nehme. Habe ich also alle aufstehen lassen und mich zumeist auf zwei Köpfe, eine Hand links, die andere rechts, gestützt. Bei zwanzig Kindern. Sie fanden es irgendwie toll.

Ich gebe zu, das hat mich gerührt.
Und im Kopf bohrt sich die Frage fest: Warum lässt das Bedürfnis, anderen eine Stütze zu sein, so bald nach? Weil die kleinen Köpfe und Herzen begreifen, es geht nicht nur um eine kurzweilige Spaß-Übung?

Und wenn ich ehrlich bin: Für jeden möchte ich ja auch nicht Stütze sein. Für manche schon. Und war ich’s immer, wenn es nötig war?

„Lass mich deine Stütze sein!“ Das wäre auch ein ungewöhnliches Gebet: Dass Gott sein Gewicht auf mich legt. Doch: im Hebräischen ist genau das Gottes Herrlichkeit: Er macht sich schwer!

Lass mich deine Stütze sein! Gib mir deine Herrlichkeit, lass sie mich tragen. Sie hat Gewicht und wird mich nicht abheben lassen. Und gib mir nicht zu viel davon, denn den aufrechten Gang will ich nicht verlernen.

Wie das Herz dazukam

25. 11. 2009
Im vorletzten Jahr war mein Deputat an Fortbildungen noch nicht ausgeschöpft. Was nehmen? Ach, mal was Exotisches.“Heilungsgebet und Gebetsheilung“. Schaden kann es ja nicht. Man hört viel davon, wird sicher ganz nett.Die Referentin war lange Jahre in China gewesen und hat heilende Gemeinden kennen gelernt. Sie hat sich mit pfingstlerischen Kirchen beschäftigt, dort vielfach angefreundet. Und dann waren Vertreter von Migrantenkirchen dabei, eher pfingstlerisch angehaucht. Aber so was von klar im Kopf. Und das ist mir ja ein wichtiges Kriterium, dass der Kopf nicht berauscht wird. Das hat einen Kanal geöffnet, der verschüttet war.

Pfingstlerisch: Von den Pfingstkirchen beeinflusst. Deren Gottesdienste  zeichnen sich aus durch Ekstase, Dämonenaustreibungen und Heilungen.

Meinem Kopf, einem halben Agnostiker, musste ich gut zureden. Das Herz ist seither „freigelegt“: einfach mal vertrauen, glauben, predigen, die Hand auflegen, auch wenn der Kopf fragt und mäkelt. Das geht. Ein bisschen schizoid, mag sein, aber mir geht es gut damit.

Seither kann ich in entsprechender Stimmung über Gott und die Welt herumwitzeln –  und quasi im nächsten Moment weggehen, um  zum „lieben Vater im Himmel“ zu beten, als gäbe es keine Theodizee-Frage, keinen Nihilismus oder andere Infragestellungen. Also, das Leben ist seither sehr bunt und farbig geworden.

Ich bin weiterhin Kopfmensch. Wenn man nicht Fragen stellen darf, dann ist es nichts für mich.

Aber das Herz kommt zum Zuge: das,was in der Bibel steht, so für mich übernehmen, dann und wann. Das geht jetzt auch. (Siehe mein spiritueller Espresso.)

Kopf und Herz vertragen sich. Besser als ich erhofft hatte.

Alltagsmystik über das Buch von der Alltagsmystik

1. 10. 2009

Da habe ich im Leitungsgremium eine Andacht bestritten aus dem wunderbaren Buch von Lorenz Marti, Wie schnürt ein Mystiker seine Schuhe?

Das fand nicht nur ich schön. Das war gut, vor ernsten Themen zugleich heiter und religiös sein zu können.

Beim nächsten Termin kann ich nicht dabei sein. Eine Mitleitende bietet sich an, die Andacht zu machen – wenn ich ihr das Buch leihen könnte.

Das schöne, heitere Buch, das gute, edle Stück!? Ein Stromstoß Panik und eine vernünftige Kopfreaktion. Bitte, sie darf. Natürlich!

Ich lege es auf ihre Unterlagen. Inneres Seufzen, ein bewusster Abschied.

Und zugleich frage ich mich: Bin ich noch ganz bei Trost?

Wie trösten mich materielle Dinge – an denen ich hänge? Was macht es, dass ich daran hänge?

„Haben, als hätte man nicht“, empfehlt der Wanderapostel Paulus. Für den musste vermutlich reichen, was einer (und sei es auch ein Lasttier) auf seinem Rücken tragen kann.

Ich habe mehr, viel mehr. Ein Vierpersonenhaushalt in einem stabilen Haushalt, was sammelt sich da alles an. Nicht alles ist gleich wichtig. Die Vorlieben wechseln, die Lieblingsdinge lassen sich austauschen, nach und nach.

Was verliere ich, wenn ich einen bestimmten Gegenstand ziehen lassen muss, der mir wert ist? Das, was mir dann wichtig an ihm war, behalte ich als inneren Besitz.

Haben als hätte man nicht: Vielleicht gerät der innere Besitz demnächst in die zweite Reihe. Weil es noch Größeres gibt.

Und gerade dieses Buch von diesem Autor regt mich ja an, Begebenheiten aus dem Alltag zu nehmen, um sie im Blick auf das Unendliche zu meditieren. Also hat sich die Lektüre gelohnt, auch wenn das Buch selbst vorübergehend in fremden Hände ist.

Ich kann es also ziehen lassen. Haben als hätte man nicht.
Und wenn es wiederkommt, dann freue ich mich dann doch.

Müde

14. 9. 2009

Ich will einen Beitrag schreiben, aber der Kopf ist leer, ich bin müde.

Wenn ich müde bin und die Chance habe, die Augen zu schließen, möglichst im Liegen, dann ist das paradiesisch. Ich muss noch nicht einmal schlafen. Einfach daliegen und „Gott einen guten Mann sein lassen“ – das ist paradiesisch. „Für mich ist gesorgt“, denke ich, und mir geht es gut.

Zu lange darf es dann auch nicht sein. Manchmal rufen Aufgaben wieder zurück zur Tagesordnung. Das gehört zum Leben dazu, dass auf die Ruhe wieder die Unruhe folgt.

Die endgültige Ruhe steht noch aus. So sagt der Hebräerbrief. Die verheißene Ruhe im Gelobten Land ist dem Volk Gottes versprochen. Aber jetzt ist es noch unterwegs.

Unterwegs sein, das ist das Dasein. Und Phasen der Ruhe sind ein Vorgeschmack des Himmels.

Eine Perspektive – und sei es auch nur, um meiner Müdigkeit etwas Positives abzugewinnen.

Entdeckung

24. 8. 2009

In einem Kommentar hatte Hausfrau Hanna  auf die Seite von Lorenz Marti verwiesen. Ich habe gelesen, es war ein Genuss. Ein paar Tage habe ich mich besonnen und dann seine beiden Bücher bestellt.

Lorenz Marti ist Journalist und beschäftigt sich privat und beruflich mt „religiösen“ Fragen. Seine beiden Bücher sind

Wie schnürt ein Mystiker seine Schuhe?
Die großen Fragen und der tägliche Kleinkram

und

Wer hat dir den Weg gezeigt? Ein Hund!
Mystik an der Leine des Alltäglichen
.

Er gibt Anregungen zur Alltagsspiritualität: ob bei der Fahrt mit dem Bus oder auf dem Weg durch den Bahnhof, immer wieder findet sich ein Anlass zu spirituellen Gedanken.

Für ihn ist Spiritualität „eine Liebeserklärung an das ganz Gewöhnliche“, wie es auf der Rückseite von „Wie schnürt ein Mystiker…“ heißt, und in der Einstimmung sagt er dort (S. 12): „Spiritualität ist für mich nur dann von Bedeutung, wenn sie etwas mit dem ganz konkreten Leben zu tun hat.“

Bei seinen Betrachtungen zitiert er aus einem Fundus  von Meister Eckhart über die indischen Weisen und die ägyptischen Wüstenväter hin zu Zen-Koans. Ein weiter Horizont.

Wer schnuppern möchte, hier gibt es einige Texte.  Für mich geht der Genuss weiter. Seite um Seite. Und wenn ich auch eine Spurbreit stärker in christlichen Texten zu Hause bin: Mir ist, als wäre Lorenz Marti der Hausautor des Theomix-Verlags. 😉

Mahlzeit – normal oder nicht?

9. 4. 2009

Heute ist Gründonnerstag. Erinnerung an das erste Abendmahl und an die letzte gemeinsame Mahlzeit Jesu mit seinen Jüngerinnen und Jüngern.

Das gemeinsame Essen hat ja für Jesus eine besondere Bedeutung. Nicht umsonst wird er von seinen Gegnern „Fresser und Weinsäufer“ geschimpft. (Matthäus 11,19). Auch viele Gleichnisse drehen sich um Mahlzeiten.

Aus sich heraus hat das Kommunikative einer Mahlzeit schon eine besondere Qualität: Zusammensitzen, reden und dabei essen und trinken – das kann den Tag aufwerten.

In der Zeit im Saarland habe ich viel über die scheinbar säkulare Bedeutung des gemeinsamen Essens gelernt. „Haaptsach gut gess“ sagt man dort. Aber lassen wir die Saarländer selbst zu Wort kommen:

Und Gründonnerstag? Der Tag liegt quer im Magen, quer zur bisherigen Intention. Jesus sitzt ein letztes Mal im Freundeskreis, vor Gefangennahme, Verurteilung und Tod. Aber auch in Trauer und Angst tut gemeinsames Essen gut. Der Austausch tröstet. Und wenn Jesus wie spielerisch Elemente der Mahlzeit zu Symbolen macht und mit seiner Zukunft verbindet – das ist sehr kreativ.

Nicht so lustig wie am saarländischen Schwenker zu stehen, aber es beflügelt.

Trotz der ernsten Stimmung: Ich mag den Gründonnerstag-Gottesdienst:  Im Gemeindehaus sitzen wir in einer Runde an Tischen und teilen Brot und Wein. Eine symbolische Mahlzeit. Und stärker als sonst: Zeichen für eine zufällige Gemeinschaft.

Und ein bisschen ist es so, als ob Jesus selbst am Tisch sitzt. Aber das hält nicht lange, es gibt ja sonst nichts zu essen.

Fortschrittlicher alter Espresso

26. 3. 2009

Gestern beim spirituellen Espresso:

Die Liedvers-Zugabe:

Wir wolln (und was wir wolln, das geht,
denn darum sind wir deine)
und haben deine Kraft erfleht
und stehn in der Gemeine;
wir wollen deine Diener sein
und deine Dienerinnen
und wollen gern dein Herz erfreun
von außen und von innen.

Nikolaus Ludwig von Zinzendorf

Direkt überprüft, im Brüdergemeine-Gesangbuch von 1836 lautet es so.

Dreierlei finde ich erstaunlich:

1. „Wir wolln – und was wir wolln, das geht.“

Das ist geradezu modern formuliert. Zinzendorfs Gedanken sind eingebunden in die christliche Frömmigkeit, und zugleich war dieser christliche Graf originell in seinen Gedanken. Es ist mindestens am Rahmen der gewohnten Prägung, in der Mitte des 18. Jahhrunderts so sehr den willen und seine Durchsetzungskraft zu betonen.

2. „wir wollen deine Diener sein und deine Dienerinnen“

Der Graf Zinzendorf praktiziert inklusive Sprache? Sicher nicht nur, damit es sich reimt. Auch, weil Frauen in der Brüdergemeine einen hohen stellenwert hatten.

3. „und wollen gern dein Herz erfreun von außen und von innen“

Gottes Herz von außen und innen erfreuen. Das ist ja köstlich! Wir wissen nicht genau, wie wir das machen sollen, aber wir probieren es mal…

Ich merke immer wieder, Zinzendorf hat was, wie gesagt, er ist originell, ungewohnt – und hier auch sehr erfrischend!! Und das mit über 250 Jahren Abstand.


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