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Unten in der Erinnerungskiste

13. 1. 2015

Unten in der Erinnerungskiste, fast vergraben, liegt ein Stück meines Kinderglaubens. Ich hole es hervor und staune. Ja, das war damals so schön. Der Kopf kriegt gerade mal ein paar Minuten Frischluftpause, während das Herz auflebt…

Weil ich Jesu Schäflein bin,
freu ich mich nur immerhin
über meinen guten Hirten,
der mich wohl weiß zu bewirten,
der mich liebet, der mich kennt
und bei meinem Namen nennt.

Unter seinem sanften Stab
geh ich aus und ein und hab
unaussprechlich süße Weide,
dass ich keinen Mangel leide.
Und sooft ich durstig bin,
führt er mich zum Brunnquell hin

Sollt ich denn nicht fröhlich sein,
ich beglücktes Schäfelein?
Denn nach diesen schönen Tagen
werd ich endlich heimgetragen
in des Hirten Arm und Schoß.
Amen, ja mein Glück ist groß.

Henriette Marie Luise von Hayn (1724 – 1782)

Leitwort, aus dem Herzen – immer noch

12. 12. 2011

Über Jesus heißt es im Matthäus-Evangelium (Kapitel 9, Vers 36): „Und als er das Volk sah, jammerte es ihn; denn sie waren verschmachtet und zerstreut wie die Schafe, die keinen Hirten haben.“

Jesus sieht das Volk und „es jammert ihn“. „Er wurde innerlich bewegt“, übersetzt die Elberfelder Bibel. Keine Übersetzung gibt, meine ich, den Urtext richtig wider: ἐσπλαγχνίσθη („esplangchnísthe“) – das Verb „splangchnizomai“ kommt vom Substantiv für „Eingeweide, Herz, Innerstes“.  „Es zerriss ihm seine Eingeweide“ ? – das ist wohl etwas zu stark. „Es ging ihm durchs Eingeweide“, „…durch Mark und Bein“, besser noch „Es ging ihm zu Herzen“ oder „es berührte sein Innerstes“.

Jesus sieht die vielen Kranken, und das ganze Volk. Wer weiß, was sie in ihm sehen. Den Wunderheiler, Magier, den Schönredner. Aber sein Anliegen, seine Botschaft, sein Auftrag? Wohl ganz viele mit ganz wenig Ahnung.

Wie Schafe ohne Hirten. Durcheinander, zerstreut.

So ein Blick auf die Zeitgenossen wäre ab und zu nötig. Ein liebevoller Blick auf all die Neunmalklugen, die die Weisheit mit Löffeln gefressen haben; ein offenes Herz für alle, die die Kirche nur als Kulisse für ihre Familienfeier brauchen. Innerlich berührt von Dummschwätzern und Stammtischquasslern.

Ja, das wäre gut Menschen so zu sehen. Nicht als Heiden, missionswürdige Objekte. Oder als Nervfaktor, der den normalen Betrieb stört. Sondern als liebenswerte, liebesbedürftige Gegenüber. Auch wenn das auf den ersten Blick nicht so ist. Gerade dann.

Zuerst am 11. Dezember 2008 veröffentlicht. Stimmt immer noch.

Und der andere Beitrag ist morgen wieder da.

Schafe, Sünde und Auffangnetz: 3. Auffangvorrichtung

23. 10. 2008

Vor allem, wie sie „instant“ abläuft, weiß ich nicht. Wer kein Schaf ist, braucht wohl auch keine solche Vorrichtung. So weit, so mündig (siehe „1. Schafe“).

Verstehe ich aber mein Leben und die mögliche Sünde nicht moralin-versäuert , sondern als alptraumhafte Verstrickung (siehe „2. Sünde“), dann wäre so ein Auffangegerät ganz gut.

Im praktischen Leben, wenn man aus einem Alptraum hochgeschreckt ist, hilft frische Luft und dann wieder das Bett. Für „Kopf und Herz“: ein Gespräch, ein Gebet, und teils Ruhe (innerlich), teils Bewegung (äußerlich).

(more…)

Schafe, Sünde und Auffangnetz: 1. Das Schaf

17. 10. 2008

In Thomas‘ Kommentar stoße ich auf „Sündenbezichtigung mit instant Auffangvorrichtung für gefallene Schafe“.

„Was sollen wir nun sagen?“ (Römer 7,7) Ist der Mensch denn ein Schaf?

Natürlich nicht, ein  Schaf ist ein Schaf und der Mensch ist ein Mensch. (Und meistens kann man beides unterscheiden 😉 ) Aber wo der „Hirte“ allgemeiner Titel geworden ist (was das Johannes-Evangelium ablehnt!), sind die anderen die Schafe. Das widerspricht dem mündigen Christsein. Der aufrechte Gang ist (more…)


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