Posts Tagged ‘Obdachlosigkeit’

Interview mit Jenny de la Torre

12. 1. 2011

In der Blogroll ist ein Link auf die Jenny De la Torre-Stiftung. Vor geraumer Zeit ist sie mir durch einen Bericht in Publik Forum aufgefallen. Was mich neben dem Anliegen beeindruckt hat: Es war keine Kontonummer abgedruckt, kein Appell zu unterstützen.

Dabei ist es doch ein wichtiges Anliegen, das die Stiftung nur in Berlin verfolgen kann: Obdachlosen eine kostenlose ärztliche Behandlung zukommen zu lassen.

Im Deutschlandradio gab es kurz vor Weihnachten ein Interview mit der Initiatorin, Jenny de la Torre. Hier ist es – hoffentlich recht lange noch – zu lesen, hier kann man es hören.

Erinnerung an Günter

16. 1. 2009

Sommerabend. Es klingelt. Ein Mann steht vor der Tür, in abgerobbten Klamotten. Hält seinen Personalausweis hin. „Guten Abend, ich bin der Günter. Kann ich was zu essen haben?“

Klar, kann er. Endlich mal einer, der nicht nach Geld fragt. Ich gehe mit ihm ins Gesprächszimmer, mache ihm ein paar Schnitten Brot, bring ihm das mit einer Flasche Wasser. Wir unterhalten uns. Er erzählt, von sich, von seinen Touren.  Sollte er Alkoholiker sein – die meisten Obdachlosen sind es – dann „dezent“, nicht, wenn er an Türen klingelt.

Ein treuherziger Mensch, dieser Günter. Vom Leben gebeutelt, aber ohne Groll oder Arglist. Auch meine Frau lernt ihn kurz kennen, und die Kinder sind neugierig.

Er sucht noch ein Dach überm Kopf zur Nacht. Wir beraten uns und folgen der Intuition. Er darf bleiben. Ich gebe zu, so etwas ist aufregend: Könnte ja ein Wolf im Schafspelz sein.

Aber Günter ist nicht so einer. Am anderen Morgen wache ich auf, und siehe da, die Kehle ist nicht durchgeschnitten. Er kriegt sein Frühstück gebracht. Von unserem Jüngsten. Der setzt sich zu ihm, will wissen, warum er keine Wohnung hat. Unterhält sich ein Weilchen mit ihm. Ich bin nicht dabei, merke aber danach, dass Günter einen Kloß im Hals hat. Kommt da so ein Kerlchen und fragt ihn aus…

Bevor Günter seine Siebensachen packt, stecke ich ihm noch was zu, Essen und Kleidung. Er nimmt auch noch einen Gemeindebrief mit. „Ja, vielleicht rufe ich von unterwegs aus an.“

Er zieht ab. Er hat bisher nicht angerufen. Sein Weg führte bisher nicht wieder hierher. Ob er noch lebt?


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