Posts Tagged ‘Mündig’

Sommer-Andacht

21. 6. 2013

Die Andacht aus dem aktuellen Gemeindebrief greift Gedanken auf, die ich in mehreren Beiträgen hier schon einmal geschrieben hatte.

Sich zurücklehnen und aufrecht stehen – beides geht, nur nicht zusammen

Die Bedürfnisse wechseln: Mal möchte ich mich zurücklehnen und das Gefühl haben, ich bin angenommen, um mich wird sich gekümmert.

Und dann genauso das Andere: ich bin etwas wert, mir dessen bewusst und will mich nicht über mich bestimmen lassen.

In mir wohnt beides. Ich vermute, bei den meisten anderen Menschen auch. Und das ist schon so von Kindesbeinen an: „Ich bin schon groß!“, heißt es. Und dann kurz darauf in Mamas Armen.

Im Glauben ist es nicht anders.
Wenn ich an den Guten Hirten glaube, möchte ich Teil der Herde sein. Vielleicht bin ich das Schaf, das verloren war und das er sich auf die Schultern hebt.
Und gleichzeitig bin ich mündiger Christ, will mir nichts vorschreiben lassen, selbständig fragen und denken.

Manche werfen den Kirchen vor, sie wollen die Menschen unmündig halten – weil sie so abhängig bleiben und man leichter über sie verfügen könne. Aber die Ursprünge sagen anderes:

„Ich bin der gute Hirte“, sagt Jesus nach dem Johannesevangelium (Kapitel 10). Daher kommt es. Und in demselben biblischen Buch sagt Jesus seinen Jüngerinnen und Jüngern: „Ich nenne euch nicht mehr Knechte, sondern Freunde“ (Kapitel 15). Wer Christ ist, so übersetze ich das, lebt „auf Augenhöhe“ mit Christus. Er oder sie kann eine selbständige Beziehung zu ihm, zu Gott aufbauen. Unterwerfung ist nicht geboten, sondern gefragt ist das Herz auf dem rechten Fleck – und dass wir es zum Zuge kommen lassen.

Beides gehört zusammen, wie zwei Seiten einer Münze. Es lebt sich gut damit. Und der Glaube wächst und wird nicht klein gehalten.

Sommer ist die Zeit, in der wir das Wachsen und Reifen in der Natur beobachten. Aber vielleicht auch bei uns selbst. In diesem Sinne wünsche ich eine gute Sommerzeit!

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Drei Weisen Gott zu sehen

26. 6. 2012

Neben mündigem und regressivem Verhältnis zu Gott gibt es noch ein drittes: Gott wird vorgestellt als Richter und Herrscher, dem man sich unterordnen müsse. In grandioser Weitsicht versucht Angelus Silesius sie zu vereinen.

Die Knechte fürchten Gott, die Freunde lieben ihn,
die Kinder geben ihm ihr Herz und allen Sinn.

Mündigkeit

13. 6. 2012

– Gedankensplitter, in Fortsetzung

Es gibt einen guten Grund, warum das mit der Disziplin nicht mehr so funktioniert wie ehedem.
Viele Menschen verstehen sich nicht mehr als Mitläufer in einer Herde. Sie sind keine kleinen Kinder mehr, denen man etwas sagt, und dann  tun sie das so.

Sie sind mündig geworden.
Und mündig, erwachsen sein im Glauben und Denken ist wichtig. Mündige Menschen lassen sich nicht einfach so hin- und herschicken, sie wollen wissen, warum. Denn sie tragen Verantwortung für ihr Tun und sind sich dessen bewusst.

Interessant: In der Bibel gibt es diese Richtung, zum mündigen Leben – genauso wie die Regression, den Rückzug in die Kinderwelt. Beides nah beieinander findet sich zum Beispiel im Johannesevangelium: Christus sagt: „Ich bin der gute Hirte“ und die, die zu ihm gehören, sind seine Schafe (10, 14) – und an anderer Stelle: „Ich nenne euch nicht mehr Knechte, sondern Freunde“ (15, 15). Freunde sind, um den modischen Ausdruck zu benutzen, auf Augenhöhe.

Was ist mit den von mir karikierten Liebhabern der „Befindlichkeit und Betroffenheit“? Regressiv oder mündig?  Irgendwo auf der Mitte? Ich meine: Wer innerlich stark ist, sagt „Ja“ oder „Nein“. Schiebt nicht das eigene Sorgenpäckchen nach vorne. Gehen denn meine Betroffenheit und Befindlichkeit andere etwas an? Oder soll es höflicher wirken sie zu erwähnen?

Ich ahne es, das Thema wird mich weiter beschäftigen. Aber jetzt bin ich auf eure Kommentare gespannt.

Selbstachtung

19. 3. 2009

Der aufrechte Gang ist gelebte Selbstachtung.

Zuerst auf Elisabeth Ornauers Blog kommnetiert,  2. 3. 2009

„Menschen ohne Rückgrat hab’n wir schon so viel“, sang Bettina Wegner Ende der Siebziger.

In den Neunzigern fand ich es gut, dass bei uns in der Kirche nicht gekniet wird. Allmählich wächst bei mir das Verständnis für Demut, und ich bin darüber nicht mehr stolz. Aber ich bejahe es und ziehe eine aufrechte Haltung der gebückten vor.

Aufrecht gehen und leben ist Ausdruck der Selbstachtung. „Ich will mir weiterhin (vor dem Spiegel) ins Gesicht gucken können“, sagen Menschen, die eine Gewissensentscheidung getroffen haben und sich nicht (mehr) verbiegen wollen. Aufrecht müssen wir vor dem Spiegel stehen, wenn wir uns ansehen wollen. (Ich denke bei diesem Bild nicht an den Handspiegel!)

Der aufrechte Gang ist für mich auch Ausdruck der Mündigkeit. Im Glauben vor allem. Auch wenn das  Bedürfnis nach Regression zuweilen ausgelebt wird. Und werden darf.

Schafe, Sünde und Auffangnetz: 1. Das Schaf

17. 10. 2008

In Thomas‘ Kommentar stoße ich auf „Sündenbezichtigung mit instant Auffangvorrichtung für gefallene Schafe“.

„Was sollen wir nun sagen?“ (Römer 7,7) Ist der Mensch denn ein Schaf?

Natürlich nicht, ein  Schaf ist ein Schaf und der Mensch ist ein Mensch. (Und meistens kann man beides unterscheiden 😉 ) Aber wo der „Hirte“ allgemeiner Titel geworden ist (was das Johannes-Evangelium ablehnt!), sind die anderen die Schafe. Das widerspricht dem mündigen Christsein. Der aufrechte Gang ist (more…)


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