Posts Tagged ‘Matthias Claudius’

Nachdenklich

25. 3. 2015

Der Mensch lebt und bestehet nur eine kleine Zeit,
und alle Welt vergehet mit ihrer Herrlichkeit.
Es ist nur einer ewig und an allen Enden,
und wir in seinen Händen.

Matthias Claudius

Nicht nur wegen der Opfer des Flugzeugunglücks. Auch wegen der Verhältnisse in Tansania. Und wegen einiger Menschen.

Kribbeligkeiten vor dem Fest

4. 12. 2012

2011 verfasst, es passt aber erst jetzt.

Wer es noch nicht weiß: Der Dezember ist Hochsaison für Menschen in Kirchengemeinden. Im Grunde – und vielleicht wissen das viele wirklich nicht – schon der November, weil da die trüben Feste kommen, der Haushaltsplan beraten werden muss, eine Kreissynode stattfindet und die Menschen vorzugsweise bei grauem Regenwetter aus der Welt gehen. Obwohl letzteres nicht zutraf dieses Jahr, die Nerven sind etwas angeraut.

Was mich auch noch kribbelig macht:

1. Die Weihnachtszeit: Überall Hinweise, wie es jetzt in der Weihnachtszeit so wäre. Hm. Ich hab  mal gelernt, die Weihnachtszeit beginnt am 25. Dezember, frühestens am 24. mit Einbruch der Dunkelheit. Die Phase vorher heißt Advent,  Adventszeit oder vielleicht noch „Vorweihnachtszeit“.
Die Weihnachtszeit endet dann evangelischerseits mit dem 6. Januar, dem liturgisch so genannten „Epihanisasfest“, volkstümlich „Heilige Drei Könige“, aber es waren  weder drei noch Könige, aber das nur am Rand.

2. „Immer ein Lichtlein mehr“ – eine echte Zitatefalle. „Sieh da, welch schönes Gedicht von Matthias Claudius“, bloggen viele. Aber wenn ich so in Claudius‘  Gesammmte Werke schaue, hinauf und herunter, findet sich dieses Gedicht gar nicht.  Es besingt ja auch den Adventskranz, der meines Wissens von J. H. Wichern im „Rauhen Haus“ in Hamburg eingeführt hat, in den dreißigr Jahren des 19. Jahrhunderts. Da war der Matthias Claudius schon eine ganze Weile tot.
Das Gedicht stammt von Hermann Claudius. Der Urenkel von Matthias, und weil den keiner kennt, hat man es dem Uropa angeheftet. Und weil mir das neulich jemand nicht glauben wollte, habe ich beim Webmaster der Seite http://www.hermann-claudius.de/ angeklopft und gefragt, wann denn das vermeintliche Matthias-Gedicht zum ersten Mal veröffentlicht worden ist. Er antwortete mir: Es erschien zum ersten Mal „in einem Schulbuch: Bertram, Heinrich u.a. (Hg): Schroedels Lesewerk 12/1952“.
Streng genommen ist dann eine Veröffentlichung sogar bis 2050, na ihr wisst schon…

Das muss jetzt sein

7. 2. 2012

Matthias Claudius:

Ein Lied hinterm Ofen zu singen

Der Winter ist ein rechter Mann,
kernfest und auf die Dauer;
sein Fleisch fühlt sich wie Eisen an
und scheut nicht süß noch sauer.

War je ein Mann gesund, ist er’s;
er krankt und kränkelt nimmer,
weiß nichts von Nachtschweiß noch Vapeurs
und schläft im kalten Zimmer.

Er zieht sein Hemd im Freien an
und lässt’s vorher nicht wärmen
und spottet über Fluss im Zahn
und Kolik in Gedärmen.

Aus Blumen und aus Vogelsang
weiß er sich nichts zu machen,
hasst warmen Drang und warmen Klang
und alle warmen Sachen.

Doch wenn die Füchse bellen sehr,
wenn’s Holz im Ofen knittert,
und um den Ofen Knecht und Herr
die Hände reibt und zittert;

wenn Stein und Bein vor Frost zerbricht
und Teich‘ und Seen krachen;
das klingt ihm gut, das hasst er nicht,
dann will er sich tot lachen. –

Sein Schloss von Eis liegt ganz hinaus
beim Nordpol an dem Strande;
doch hat er auch ein Sommerhaus
im lieben Schweizerlande.

So ist er denn bald dort, bald hier,
gut Regiment zu führen.
Und wenn er durchzieht, stehen wir
und sehn ihn an und frieren.


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