Posts Tagged ‘Literatur’

„Zwei-Personen-Regel“

25. 3. 2020

Da klingelte etwas im Hinterstübchen, die Erinnerung an ein altes Gedicht.“Wo ihrer drei beisammen stehn, da soll man auseinander gehn.“ In Deutsch war das. Ah ja, da haben wir es:

Heinrich Heine:
Erinnerung aus Krähwinkels Schreckenstagen

Wir Bürgermeister und Senat,
wir haben folgendes Mandat
stadtväterlichst an alle Klassen
der treuen Bürgerschaft erlassen.

Ausländer, Fremde, sind es meist,
die unter uns gesät den Geist
der Rebellion. Dergleichen Sünder,
Gottlob! sind selten Landeskinder.

Auch Gottesleugner sind es meist;
wer sich von seinem Gotte reißt,
wird endlich auch abtrünnig werden
von seinen irdischen Behörden.

Der Obrigkeit gehorchen, ist
die erste Pflicht für Jud und Christ.
Es schließe jeder seine Bude,
sobald es dunkelt, Christ und Jude.

Wo ihrer drei beisammen stehn,
da soll man auseinander gehn.
Des Nachts soll niemand auf den Gassen
sich ohne Leuchte sehen lassen.

Es liefre seine Waffen aus
ein jeder in dem Gildenhaus;
auch Munition von jeder Sorte
wird deponiert am selben Orte.

Wer auf der Straße räsoniert,
wird unverzüglich füsiliert;
das Räsonieren durch Gebärden
soll gleichfalls hart bestrafet werden.

Vertrauet Eurem Magistrat,
der fromm und liebend schützt den Staat
durch huldreich hochwohlweises Walten;
Euch ziemt es, stets das Maul zu halten.

Nach der Revolution 1848/ 49 hatten viele Bürger noch Waffen. Alles andere klingt so weit entfernt nicht. Darüber nachdenken schadet nicht…

Immer sind es die Krimis

11. 5. 2016

„Ihre Hobbys?“, fragte einer aus der Runde. „Wenn ich dazu komme, lese ich gern.“ „Sicher Krimis“, setzte der Frager nach. „Ja. Wie kommen Sie darauf?“ „Theologen lesen meist gerne Krimis.“

Warum das so ist? Nun, „mordsinteressant“ finde ich Theologie schon, obwohl sie selten „Thrill“  hat. (Kirchengeschichte vielleicht. Und msbche biblischen Geschichten.)

Gemeinsam ist beiden die Frage nach Gerechtigkeit. Wie ist das mit dem Bösen? Wer trägt die Schuld, und wenn ja, wieviel? Gibt es hinter der ganzen Geschichte eine „höhere“ Gerechtigkeit?

In den Krimis von Dorothy Sayers sind solche Fragen manchmal ausdrücklich erwähnt. Bei Interesse dort lesen. Und wer Sympathie mit dem Täter sucht, findet bei Patricia Highsmiths Ripley-Romanen reichlich Stoff.

Warum schreibst du eigentlich kein Buch?

22. 4. 2016

„Warum schreibst du eigentlich kein Buch?“, fragt mich der Kollege. „Mir liegen die kurzen Einheiten mehr“, antworte ich spontan. „Und es wird mir zu viel, eine ganze Geschichte zusammenzuhalten.“ „Also der Plot?“ „Ja, der auch. Aber auch die Figuren und das Drumherum. Man braucht schon ein gutes Zettelkastensystem und dann würde es ausufern und unübersichtlich.“

Immerhin, der Kollege hat sich schon eine Geschichte überlegt und ich wünsche ihm das Beste, seinen Traum vom Kinderbuch zu erfüllen…

Kafka in aller Kürze

3. 4. 2010

TOP 3 der ganz kurzen Einstiege in Werk (und Wesen?) Franz Kafkas:

3. Kleine Fabel

2. Der Aufbruch

1. Gibs auf!

Geburtstagskind, 260 Jahre alt

28. 8. 2009

Goethe hat heute Geburtstag! So richtig nach Feiern ist ihm schon 177 Jahre nicht mehr. Ein kleines Gedicht zur Erinnerung an ihn.

Vom Vater hab ich die Statur,
des Lebens ernstes Führen,
Vom Mütterchen die Frohnatur
und Lust zu fabulieren.
Urahnherr war der Schönsten hold,
das spukt so hin und wieder;
Urahnfrau liebte Schmuck und Gold,
das zuckt wohl durch die Glieder.
Sind nun die Elemente nicht
aus dem Komplex zu trennen,
was ist denn an dem ganzen Wicht
Original zu nennen?

Aus: Sprüche in Reimen


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