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Wegwerfgesellschaft?

5. 5. 2012
Ich war ein Kleiderschrank

Ich war ein Kleiderschrank (Photo credit: Schockwellenreiter)

Sperrmüll kommt an den Straßenrand. Und dieser Rand ist, dank Kreisel, eine runde Ecke – und liegt in der Startbahn zur Ortsausfahrt.

Schon vor dem Kreiselbau blieb für die Müllwerker kaum etwas übrig.  Schon vorher wurde abgegrast. Jetzt passiert alles noch schneller.

Der Sperrmüll gestern war angemeldet. Nach 17 Uhr stand und lag alles draußen, und schon stand ein Auto aus dem Nachbarkreis davor. Wir beratschlagten, was denn noch gut wäre, und ein sehr gut erhaltener Kleiderschrank, eine alte Mailbox, Spiele und anderer Kleinkram wanderten in den Caravan.

Kurze Zeit später hielt ein Kleintransporter (mit litauischem Kennzeichen); der Fahrer war an Altmetall interessiert. Die Kabel- und Altgerätesammlung ging mit.

Beim vorletzten Sperrmüll war nichts angemeldet, wir haben“wild“ aufgestellt. Überwiegend Altmetall. Schon hielt ein Kleinbus. Inländisch, Fahrer mit rheinischem Akzent. Er nahm so gut wie alles mit. Vor Einbruch der Dunkelheit war da kein Müll mehr.

Mittlerweile stellen wir Dinge an den Straßenrand, die noch gut sind, die wir aber nicht mehr gebrauchen können. Bevor der echte Sperrmüll kommt, müsste es wieder im Keller verschwinden. Das war bisher ein guter Vorsatz, der nicht umgesetzt werden musste: Alles ging weg. Und was dann die Müllabfuhr noch fand, war wirklich Müll.

Ich finde das wohltuend: Alles, was noch gebraucht werden kann, findet Abnehmer.
Auf der anderen Seite: Sind wir noch eine „Wegwerfgesellschaft“ und nicht eher eine „Verwertungsgesellschaft“*? Ist es ein Symptom für geringer werdenden Wohlstand?
Eure Erfahrungen, Eindrücke, Meinungen?

*: Nicht die.


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