Posts Tagged ‘Kinder’

Seitengespräch im Café: Überbetonte Freude

24. 2. 2016

Dass Kinder vom ersten Tag an willkommen sind, gehört zum Geschäftsmodell dieses Cafés. Ich stelle mich also auf schreiende Säuglinge und quengelnde Rotznasen ein. Im Obergeschoss betrete ich einen gemütlichen Raum. Kaffeetischchen und Stühle auf der einen Seite, eine Spielecke mit Ohrensesseln auf der anderen. Auch in der Mitte Sessel, dort nehme ich Platz. Eine Gruppe von Müttern mit Säuglingen hat sich in der Spielecke breitgemacht. Auch bei den Geräuschen. Ich meine nicht die zwei, drei schreie der Wickelkinder. Es sind die Mütter. Sie traktieren ihrer Stillprobleme lauthals und alles überdröhnend. In der einen Ecke sitzt ein älteres Paar und genießt still – was sonst? – den Kaffee. Ich in meiner Ecke mache es ihnen gleich, und der Cappuccino ist wirklich gut. Bei der Frage, wie die Männer so mitmachen beim Wickelgeschäft, betrachte ich noch eine weitere Kleingruppe: eine einzelne Mutter mit ihrem Kind, das in einer Sitzschale liegt. Still – was sonst? – sitzt sie da, kümmert sich um das Kleine, nippt ab und zu an ihrem Getränk. Und schaut kaum auf.

Was für eine Schieflage:  Die Brüllmütter drücken alles platt, nehmen nicts wahr außer sich selbst. Und bin ich so altmodisch, dass ich finde, die besprochenen Fragen gehen eigentlich niemanden anderen etwas an? Ganz zu schweigen, dass die anderen im Raum vielleicht auch lieber gar nichts davon hören wollten? Die analoge Welt ist manchmal auch nicht besser als die virtuelle. Die jedoch kann ich abschalten. Hier kann ich nur austrinken, bezahlen und gehen. Und darüber nachdenken, was „kinderfreundlich“ oder „familienfreundlich“ heißen kann.

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Nervendes Püppchen

14. 4. 2011

Danke für die freundlichen Rückmeldungen zum Beitrag von vorgestern. Geölt und geschmiert lässt sich Reibung ja besser aushalten. Es folgt nämlich das Gegenbeispiel zu Dscheijsn Gebastian.

Nach dem Kaffeetrinken am Kiosk des Bahnhofs Geithain machte ich es mir im Zug gemütlich. Kurz vor Abfahrt trudelte der  Schienenersatzverkehr ein. Schräg links von mir und teils auch in der Reihe hinter mir siedelte sich eine ausgeweitete Kleinfamilie an. Mitwirkende waren: schräg links, mir  gegenüber:  Enkelin Hanna (5 Jahre, am Fenster) und Opa, denen gegenüber, links in der Reihe neben mir: Oma (am Fenster) und Schwiegertochter. Hinter mir quartierte sich der Enkel Ingo (7 Jahre) ein, samt seinem Vater, im Folgenden aber Sohn genannt , weil er ja Oma und Opas Sohn war. Der Sohn hatte aber auch öfters eine stehende Rolle.

Direkt am Anfang schon wurde der Sohn aktiv, gab sich und Opa ein Schnapsglas, bot es den beiden Frauen an und verteilte eine Runde klares Zeugs (Wacholder, Wodka?), dazu gab es ein Fläschchen Bier. Lecker, wenn man so daneben sitzt und sich vorstellt, wie der nach dem Familienausflug angeregten Magen eine dicke Portion Alk bekommt. Die Herren waren es gewohnt, es passierte kein Unfall mit dem Mageninhalt.

Enkel Ingo sollte sich hinlegen und ein wenig ausruhen  – mit der Lizenz zum schlafen. Das Beste, was er tun könnte.

Mir war kein Schlaf vergönnt, ich musste die Viererrunde ertragen (auch der Sohn hielt sich zurück). Von der Schwiegertochter kam fast nur Rascheln in der ausgepackten Frauenzeitschrift. Oma kam aus Südthüringen oder Franken, alle anderen befanden sich sprachlich im Heimatland. Die süße Enkelin Hanna plapperte munter drauf los, und nach ein paar Minen fragte ich mich, warum mich dieses Kind so nervt.

Um es kurz zu machen: 1. sprach Hanna recht laut. 2. redete sie fast ständig so, wie meine Kinder sprachen, wenn sie Babys imitierten. Also nasal-quiekend. Irgendwann war wohl die Schwiegertochter (also die Mutter des Kindes) auch davon genervt und ließ zwischen zwei Raschelmomenten deutlich vernehmen „Nu rääd mol vernünftsch!“

Das half für zwei Minuten und ich konnte wohl die normale Stimme von Hanna vernehmen. Sie war leiser, aber nicht viel tiefer als die Babyimitation. Recht bald fiel sie weder in den Kleinmädchen-Nervpüppchen-Ton zurück.

„Stups, der kleine Osterhase“, das sang sie auch noch. Aber o nein, da weckte der Sohn den Enkel, denn das war Ingos Ressort. Ruckzuck war Ingo in Sitzposition, damit er Oma und Opa zeigen konnte, dass er es auch singen konnte. Aber Nervkind Hanna wiederholte es erneut.

Zum Glück kam bald Chemnitz Hauptbahnhof, die Familie musste ganz dringend einen Anschluss kriegen, und ich habe sie gerne vordrängeln lassen.

Wann sind wir endlich da?

12. 4. 2011

In Fulda setzte sich die Oma mit dem Enkel in die Reihe vor mir. Vermutlich hatte sie den kleinen Jason ein paar Tage gehütet, denn sie schien etwas überfordert. Irgendwann machte sich Jason, geschätzt zwischen vier und fünf, selbständig und machte Turnübungen. Eine gute Chance, seine Aggression auszuleben. Er stellte sich zwischen zwei Reihen, stemmte sich hoch und strampelte wild mit den Beinen.

Mir kam es ein bisschen sehr aggressiv vor. Na ja. Irgendwann traf er mein Schienbein. Ich war erbost und äußerte das spontan und eindeutig. Großmutter raunte ihm etwas zu. Held Jason schaute mich entschlossen an, hielt die Lippen zusammen und murmelte „Mschulmemm-m“. Ich ahnte, was das heißen sollte, aber ein bisschen deutlicher könnte er ja doch noch. „Was hast du bitte gesagt?“ „Ömschulmimumm.“ Das akzeptierte ich. Ich musste ja nicht Jasons Logopäde werden.

Dann krabbelte er auf seinen Sitz, ließ sich was aus einem Buch vorlesen, traktierte den auf leise gestellten Gameboy, bekam von Oma etwas zu essen. Nahezu himmlische Ruhe, ich konnte sogar ein wenig dösen.

So verging die Zeit. Ich, wieder munter, sah Jason im Gang. Er spielte mit einem anderen Kind. Wie schön Bahnfahren sein kann!

Leider war der Spielkumpel bald ausgestiegen und Jason begann wieder seine Sportübung. Natürlich hielt er gebührenden Abstand zu mir. Aber nun dachte ich mir: Er ist gelangweilt und ich kriege eh nichts anderes getan, dann ans Werk zum Rollenwechsel! So winkte ich ihn her zu mir und raunte ihm zu: „Hast du Langeweile?“ Er nickte, und das war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Sie hielt bis zum Hauptbahnhof Leipzig.

Er setzte sich neben mich, wir tauschten unsere Namen aus, er ließ sich von Oma ein Spielzeugauto reichen und ließ es über Sitze und Lüftungsschlitze sausen. Wir schauten uns ein paar Fotos in der unvermeidlichen „mobil“ an. Schöne Tierbilder gab es da.

Und derlei Späße mehr. Das Vertrauen wuchs und er sagte mir sogar seinen ganzen Namen: „Jason Gebastian Kurz“. Wie gesagt, ich musste ja nicht sein Logopäde werden.

Leipzig kam, die ersehnte Mama war nicht mehr weit, er warf sich sein Rucksäckchen um und schnappte den eingetüteten Roller. Der junge Sachse sagte natürlich (ich bin vielleicht doch ein verhinderter Logopäde) immer „Rollor“ dazu. Wir verabschiedeten uns und ich hatte ab Leipzig den Weg durch die sächsische Provinz vor mir. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.

Jesus in Reli verboten

19. 1. 2009

In der Grundschule, die Gruppe der Erst- und Zweitklässler; wir  betrachten das Nolde-Bild „Jesus und die Kinder“.

Von links nach rechts. Natürlich fragt ein Erstklässler: „Wo ist links?“ Das klären wir.

Also, was ist ganz links zu sehen?

Kind 1:
Jesus!

Ich:
Schaut euch bitte das Bild an und sagt, was ihr seht. Danach können wir es deuten.

Kind 2:
Ein schwarzer Umhang!

Ich:
Oder Mantel. Und rechts daneben?

Kind 3:
Jesus!!

Ich:
Nein, beschreibt bitte, was ihr seht! Was ist rechts neben dem schwarzen Mantel. Guckt mal, welche Farbe hat das Gewand rechts neben dem schwarzen?

Kind 4:
Ja, so lila?

Ich:
Ja, oder violett. Und darüber?

Kind 5:
Das ist der Kopf von Jesus!

Ich:
So! Jetzt will ich in den nächsten zehn Minuten kein „Jesus“ mehr hören!

Als wir dann bei Jesus angelangt sind, redet ein ganz Schlauer nur von „dem Typ“ – und grinst mich an. Ich grinse zurück. Konsequenz ist schön und macht gute Laune.

Anmerkung 1: Beim Link auf das Bild setze ich voraus, dass der Seitenbetreiber die Urheberrechte geklärt hat. Sollte das nicht der Fall sein, bitte ich um Mitteilung.

 
Anmerkung 2: Vorsicht! Weiterlesen auf eigene Gefahr!
Je länger desto mehr hat es mit dem Beitrag nicht mehr ganz so viel zu tun. Die Kommentare enden bei Nummer 201.
Für weitere Kommentier-Bedürfnisse gibt es jetzt
„Bloggers Corner“.


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