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Familie

29. 12. 2011

Familie, viel gescholtene Daseinsform, häufig ungeliebt. Lästige Pflichten tauchen oft in Erinnerungen auf. Freunde seien doch wichtiger, weil selbstgewählt.

Über 20 Jahre habe ich sie nicht mehr gesehen, die Verwandte, alle paar Jahre gab es mal einen Schwatz am Telefon oder Grüße per Post. Und nun ergibt sich die Gelegenheit, sich wiederzusehen. Wunderbar, sie freut sich, und ich mich auch.

Sie holt mich vom Bahnhof ab, ich denke: „Die ist ja noch kleiner als ich sie in Erinnerung hatte!“ Einer ihren ersten Sätze: „Sag mal, bist du größer geworden?“  Ich sag ihr meine spontanen Gedanken, wir lachen. Zu Hause bei ihr reden und reden wir – irgendwann gibt es Bewegung an der Haustür: die beiden Töchter sind da!

Auch älter geworden, und ich hatte in den Jahren zuvor nur Kontakt zu ihrer Mutter. Aber sie sind gekommen, meinetwegen. Einfach weil ich, der Großcousin, da bin. Kaum zu fassen. Ich weiß nicht so genau, wie mir geschieht, da klingelt das Handy und die Heimat begehrt Auskunft. Ich erzähle kurz. Und merke, wenn ich wollte, könnte ich jetzt auch losheulen. Ich will aber nicht.

Die Töchter nehmen  nach einem guten Stündchen Abschied. Auch zu zweit  gibt es ja so viel zu erzählen und auszutauschen. Bis wir um Mitternacht für weiteres zu müde sind.

Am anderen Tag fahre ich nach Hause. Abends muss ich doch dahin und dorthin mailen, wie es mir erging. Da allerdings sind hinterher die Augen feucht.

Familie: eine Verbindung, die vorgegeben ist, nicht selbst gewählt. Und zugleich ein Band, das einen halten kann. Wie schön, das auch so herum zu erfahren.

Herzlich und unkorrekt

8. 7. 2009

Im letzten Gottesdienst lief einiges schief.

  • „Komm in unsere stolze Welt“ war das Lied vor der Predigt. Ich hatte der Organistin vergessen zu sagen, dass es nach anderer Melodie gespielt wird. Ich unterbrach den kümmerlichen Gesang, die Organistin spielte wie gewünscht  „Jesus, meine Zuversicht“.
  • Ich hatte Küsterin und Organistin die Lieder nach der Predigt in der falschen Reihenfolge durchgegeben. Also stand ich beim Anspielen der Melodie auf und stellte das klar.
  • Auch die Organistin hatte etwas vergessen. Das ließ sich regeln.
  • Ebenso die Küsterin. Auch das war recht schnell geradegebogen.
  • Auch der Presbyterin unterlief beim Austeilen von Brot und Wein eine klitzekleine Panne.

Der fröhliche Grundton des Gottesdienstes war auch am Schluss noch da. Ein korrekter Vollzug der Liturgie ist schön. Für manche fundamental wichtig. Es tut gut, wenn man nach so vielen Fehlern so vieler Mitwirkender in einer guten Stimmung landet. In unserer Gemeinde zählt das Herz, oft genug.

Die positive Überraschung: Nach dem Gottesdienst, beim Kirchenkaffee, tauchte noch eine Familie aus Berlin auf; der alte Vater war vor Kriegsende hier am Ort evakuiert. Über das angeregte Gespräch kam der Wunsch, mal in den Glockenturm zu steigen. Da die Organistin mit Mann und Kind da war und immer schon mal dorthin wollte, kamen die Drei auch noch mit. Das war eine herzliche Zugabe, die mir auch noch Laune gemacht hat.


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