Posts Tagged ‘Gospel’

Irgendwann kriegt er dich

8. 4. 2011

Gospels sind auch ein Ruf zum Glauben: „Kehr um! Wende dich zu Gott!“ Das Gericht, das Gott abhalten will, bekommt dann eine besondere Bedeutung. Ich kann dem Gericht nicht entrinnen, sagt dieses Lied.

Es sagt auch: „Wer sich zu Jesus wendet, der hat eine Chance. So ist es mir ergangen.“

God’s gonna cut you down. Mit Hoffnung gesungen (wieder mal) vom Golden Gate Quartett:

Kurz vor seinem Tod hat Johnny Cash seine Version aufgezeichnet. Hier klingt die Botschaft bitter und resigniert. Für die Augen gibt es weit über 30 Stars, die Johnny Cash ihre Reverenz erweisen.

(Für Werbung kann ich nichts, habe ich nicht bestellt.)

Es melden sich Fragen: Hat Gott das nötig, pingelig zu sein? Auf der anderen Seite: Was trennt mich von Gott?

Und wenn es nicht um Pingeleien geht: sollen wirklich die Hitlers, Stalins und Pol Poths in alle Ewigkeit davonkommen?

Gospelkonzert in Kircheib

7. 4. 2011

Am 3. April gab es ein Gospelkonzert in Kircheib. Der „Bürgerkurier Altenkirchen“ berichtete. Lest und schaut selbst!

Ende der Romanze erwünscht

1. 4. 2011

Für meinen „Gospelfreitag“ lasse ich mich vom „Columbia Jazz“-Album des Golden Gate Quartet inspirieren.

Diese Gruppe hat auch Protestlieder, die wie Gosepls klingen, in ihrem Repertoire. Sie passen in ihr Konzept: bewegende, Kopf und Herz anrührende  Songs…

Aus aktuellem Anlass heute „Atom und Evil„:

Hy Zaret und Lou Singer haben dieses Lied 1946 unter dem Eindruck der ersten Atombombenabwürfe geschrieben, die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1947.

Atom and Evil – klingt wie „Adam and Eva“ – und bei beiden geht es um die Versuchung, an leckere, verbotene Früchte heranzukommen. Während die Ursprungsgeschichte in einem abgegrenzten Garten spielt, bietet sich in der aktuellen Variante die ganze Welt an, die unter den Folgen zu leiden hat.

Und da die Sprache des Liedes viele Spielräume gibt, nehmen wir es wie ein prophetisches Wort:

„If you don’t break up that romance soon
We’ll all fall down and go boom, boom, boom!
We’re sitting on the edge of doom…“

Der Urgroßvater der Protestlieder

11. 3. 2011

Schon kein Spiritual mehr, aber ein gelungener Gospel mit politischen Reflexen und ironischem Augenzwinkern, wieder mal gesungen vom Golden Gate Quartett und begleitet von dem Gitarristen Ry Cooder.

Geschrieben wurde es 1944 von Ervin Drake, einem (weißen) Komponisten und Textdichter. Sonst kein Gospelschreiber. Aber es passt in die Reihe der bisherigen Songs.

Durchs Feuer gehen

18. 2. 2011

Schadrach, Meschach und Abed-Nego – die drei Männer im Feuerofen: Sie gingen durchs Feuer, weil sie von ihrem Gott nicht abließen. Sie wurden bewahrt. Kaum zu glauben. Aber gut und gern als Spiritual besungen.

Den Sklaven war es ein Hoffnungslied.
Wir wissen heute: Nur wenige der Kinder Israels kamen heil aus dem Feuer heraus.

Lamm, depri oder peppig (Sühnopfer, die dritte)

15. 5. 2009

Gerne bemühe ich mich um differenzierte Urteile. Wenn mein Herz aufatmet, weil kirchenleitende Menschen Denkverbote abbauen, ist das die eine Seite. Die andere ist der stets skeptische Kopf, der fragt, ob ich denn 49 (oder etwa 45 bewusste) Jahre so falsch gelebt habe – als ich diesen Gedanken des Sühnopfers geschluckt hatte.

Unbeschadet der Tatsache, dass es andere Modelle gibt: ich habe einen Zugang, und zwar über das „Lamm Gottes“. „Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt“: So heißt es bei Johannes, als der Täufer Jesus kommen sieht. Johannes meint das ganze Lebens Jesu, aber bezogen wurde das traditionell auf die Passion.

Das „Lamm Gottes“, Agnus Dei, ist Teil der Abendmahlsliturgie geworden. Mit dieser Tradition bin ich groß geworden, ich praktiziere sie aktiv in meinem Beruf, fast immer, wenn ich in einem Gottesdienst Abendmahl feiere. Es ist Teil meiner Kultur.

Aber nicht das beste Stück. Das Lamm ist ja hier ein deprihafter Hänger. Ich fand ein aufschlussreiches Video:

In den Gottesdiensten meiner Gemeinde nehme ich nicht wahr, dass das „Lamm Gottes“ so grauselig klingt. Aber die Übertreibung ist lehrreich.
Die Orgel spielt schleppend die alte Melodie. Man kann die Gemeinde nur hören. Wir sehen zwei evangelische Pfarrer. Fast einsam stehen sie da, sie haben kaum Beziehung zueinander. Zur Rechten zeigt das  Gesicht zeigt Mitsingen. Links sehen wir ein wenig Bewegung, weil der Talar mitschwingt. Ich möchte nicht neben dem Filmer sitzen, so vereinsamend ist das anzusehen. Dieses Lamm macht traurig. Wenn es für das Sühnopfer steht, dann folgere ich: Das zieht herunter, es führt den Glauben in eine Krise statt ihn herauszuführen.

Nun Bilder aus einer anderen Kultur:

Im Altarraum verströmt ein Haufen Menschen Schwung, es wird geklatscht, auch in der Gemeinde. Man versetzt sich in Schwingung. Dann der Einsatz der Sängerin („Evangelistin“). Sie wirkt nicht fröhlich,  anders als  Melodie und Stimmung der anderen. Sie singt mit kräftiger Stimme, der Chor unterstützt, auch die Gemeinde singt mit.

Hier hat das Lamm „Power“, Dynamis. Es beschwingt, macht geradezu fröhlich. Und es stiftet Gemeinschaft. Da ist deutlich:  das Lamm befreit, es führt ins Weite, nicht in die Enge. Sogar zugespitzt: das Blut bewirkt das, es hat Heils-Charakter. Eine Botschaft, die bewegt.

Mit dieser Tradition könnte ich ein Sühnopfer bejahen. Natürlich bin ich  dieses Wibbeln und Wackeln im Gottesdienst nicht gewohnt. Groß geworden bin ich theologisch mit einem gewissen Ordnungsdenken.

Wenn auch der Kopf skeptisch bleibt: Wenigstens das Herz stimmt ein, wenn das precious blood of the Lamb besungen wird.  Und es wird den Kopf schon mitziehen.


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