Posts Tagged ‘Goldkonfirmation’

Erinnerungen – fast eine Momentaufnahme

26. 6. 2014

Auf einer Jubiläums-Konfirmation:  Ein Jubilar gibt Erinnerungen zum Besten. Anders als die anderen ist er ein “Schriftgelehrter”: Damals Lehrerkind, dann selbst Lehrer geworden.

Er hat ein paar handschriftliche Notizen, die kurzweilig zu hören sind. Der Vater wurde in der Nazizeit in den Ort strafversetzt und musste auch ein Mal wegen politischer Unbotmäßigkeit ein paar Tage ins Gefängnis. Nach dem Krieg hatten es auf dem Dorf die Bauern leichter, ein Dorflehrer hat weder Kühe noch Äcker.

“Eines Tages”, erzählt der Jubilar, “hatten wir so wenig, da musste ich mit meinem Vater betteln gehen, in die Nachbardörfer. Von einer Bäuerin bekamen wir ein Butterbrot mit Gelee, das wollte ich mit meinem Vater teilen. Aber er sagte, er hätte keinen Hunger. Da habe ich es natürlich gerne gegessen.

Am Abend kamen wir nach Hause – mit drei Kartoffeln.

Am andern Morgen kam ich in die Küche – und  da stand ein Eimer voll mit Kartoffeln auf dem Tisch.”

Seine Stimme wird bei den letzten Worten brüchig, die Augen werden ihm feucht. “Entschuldigung”, sagt er, und fährt fort: “Als mein Vater mich sah, sagte er: ‘Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben gestohlen.’” Pause, seine Mundwickel zucken.

Ein Jubilar gegenüber schluchzt auf und hat nasse  Augen.

Und schon weiter im Text…

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Gott zum Gruß, KW 20/21

23. 5. 2014
  • Eine Trauung mit Taufe am Samstag.
  • Am Sonntag die Jubiläumskonfirmation. Wie jedes Jahr, interessant zu hören, wie das in früheren Zeiten hier so war. Vom Gottesdienst bis zum Kaffeetrinken sind das ein paar Stunden, die ich gerne gebe…
  • Über die Woche verteilt übliche Termine und ein paar weniger gewöhnliche – wobei das Trauergespräch, wohin gehört das? Genaueres dazu und anderes insgesamt bleibt eh im Analogen und kommt nicht ins Netz….
  • Zack, zack, Sommertemperaturen bis Donnerstag. Für die Gemütslage freundlich. 🙂
    Seit Donnerstag verregnet. auch gut, dann fliegen keine Pollen.
  • ‚Alterstechnisch‘ ist die Blog-Kategorie „Weisheit der Jugend“ im Hausse Theomix seit dem Berichtszeitraum abgeschlossen. 😉

Armes Hänschen und brutale Westerwälder

11. 5. 2012

Bei der Jubiläums-Konfirmation geht es nach dem Gottesdienst in ein Restaurant.

In diesem Jahr hatten wir eine Gastronomie mit kleiner Karte gewählt. Wir wunderten uns über die kannibalischen Genüsse.

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Und nun kam die Brutalität der Westerwälder: Einige bestellten nicht nur Teile der Brust des armen Hänschens. Sie zogen sogar Bedienung und Wirt damit auf. Also nein… 😉

Das Rumpstaek soll auch erwähnt sein. Aber als einfacher Buchstabendreher fällt es ab gegenüber dem kleinen Hans.

Verschrieben oder verschrieen

25. 5. 2011

Seine Schrift hatte viele Schnörkel, aber sie war gut zu lesen. Trotzdem schrieb Pfarrer P. manchmal unkonzentriert ins Kirchenbuch. Schon ein paar Mal gab es bei Goldkonfirmationen Überraschungen über seine Einträge.

Dieses Jahr: Unsere Bürofachfrau beugt sich übers Kirchenbuch und schlägt die Konfrimationssprüche der Goldkonfirmanden in der Bibel nach. Bei einem fragt sie mich, ob sie richtig gelesen hat. Doch, da steht „Jeremia 16, 9“. Sie hält mir die aufgeschlagene Bibel hin: „Kann das sein?“ Ich lese: „so spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels: Siehe, ich will an diesem Ort vor euren Augen und zu euren Lebzeiten ein Ende machen dem Jubel der Freude und Wonne, der Stimme des Bräutigams und der Braut.“ Sehr ungewöhnlich.

T. kommt gerade zum Kopieren ins Büro. Auch sie entziffert 16,9 und ist erstaunt. Gemeinsam überlegen wir, warum Manfred L. diesen Spruch bekam: Ein Raufbold? Ein frühreifer Frauenheld? Was hatte des Pfarrers Zorn erregt?

Wir plädierten auf Irrtum. Angenommen, Pfarrer P. hätte sich mal wieder vertan, was könnte es dann sein? Jeremia 16,19 vielleicht? „HERR, du bist meine Stärke und Kraft und meine Zuflucht in der Not!“ Treffer! Sehr gut.

Für den Gottesdienst hatte ich beide Versionen in der Tasche. Manfred L. hat freudig die mit der 19 gewählt.

Anmerkungen
Gold: Nach 50 Jahren. Die Feier ist auch für höhere Jubiläen. Der Rekord liegt bei der Konfirmation bei Jubilieren nach 80 Jahren. (Der Jubilar arbeitet noch am 85-jährigen.)
Kirchenbücher: Seit den Achtzigern machen das hier nicht mehr die Pfarrersleut.


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