Posts Tagged ‘Glauben’

Macht und Weisheit

9. 1. 2012

Weh denen, die  sich verlassen auf Rosse und hoffen auf Wagen, weil ihrer viel sind, und fragen nichts nach dem HERRN!
Jesaja 31,1

Schon immer war die militärische Gewalt das Hilfsmittel, um politische Ziele durchzusetzen. Statt „Rosse und Wagen“ müsste es heute heißen „Panzer und Raketen“. Mittel und Wege haben sich verfeinert. Und leicht ist die Versuchung, nur auf die Machtmittel zu setzen und Gott bestenfalls für eine Nebensache zu halten. Manche Fünfjahrespläne sind von Kerzen und Gebeten beendet worden. Was dann kam, war aber nicht immer göttlich. Fragen nach Gott?

Euer Glaube bestehe nicht auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft.
1. Korinther 2,5

Fragen nach Gott ist der erste Schritt zum Glauben. Menschenweisheit, so wichtig sie ist,  reicht nicht aus. Zum Glauben braucht es mehr. Mehr auch als Herz und Kopf zusammen.
Gott gibt ihm den Anstoß. Daran liegt alles, nicht am eigenen Entscheiden. Und die Menschenweisheit in Form von Wissenschaft, also Theologie etwa, führt allein nicht zum Glauben. Aber Gottes Kraft verbindet Kopf und Herz, Forschen oder Zweifeln und Freude oder  Liebe – und macht daraus Glauben. Gut so!

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Schluck Espresso am Rande

30. 12. 2011

Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch ein anderes Geschöpf uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn!
Römer 8, 38-39

Dieser zweite Espressoschluck des heutigen Tages ist passend zum Jahresende gewählt, es ist aus einer der Lesungen zum Gottesdienst an Silvester (“Altjahrsabend”, wie der liturgische Kalender – und niemand sonst – sagt).

Für mich ist dieser Text wie ein Zufluchtsort für meinen Glauben. Je weniger sicher ich reden kann, um so wichtiger ist es mir, hier den Ausgangspunkt zu haben: Nicht ich halte, ich werde gehalten. Die Liebe Gottes ist da, fängt mich auf wie ein Netz. Und es gibt Lebenslagen, da braucht es etwas, was mich auffängt. Die Liebe Gottes könnte es sein.

Das nur so am Rande…

Eine Frau ohne oder mit Gott meldet sich zu Wort

23. 2. 2011

Gastbeitrag von OneBBO

Ich trage kein Schild vor mir her „Ich bin nicht in der Kirche! Ich glaube nicht an Gott! Ich bin Atheistin!“. Das hat mehrere Gründe. Erst einmal ist mir das egal, das habe ich entdeckt, als ich so Mitte 20 war. Für mich und meine Person ist mir, die Christen mögen mir das verzeihen, Gott einfach egal. Das war dann auch der Grund, warum ich aus der Kirche ausgetreten bin. Ich empfand mich dort als Störfaktor, denn es geht natürlich niemand (regelmäßig) in die Kirche, dem Gott egal ist.

Ich glaube nicht an Gott? Ach, so würde ich das auch nicht sagen. Auch hier kommt die Wurschtigkeit. Gibt es ihn? Na, dann wird er sicher mit mir zurecht kommen. Da ich, aus einer christlichen Kultur, einer christlichen Familie stammend, auch christliche Werte, wie sie z. B. aus den Zehn Geboten oder der Bergpredigt kommen, zu schätzen weiß, wird er mich schon nicht ins Fegefeuer schmeißen. Und wenn er es tut, kann ich auch nichts dran ändern. Wo keine Gefühle sind, kann ich sie nicht hinzwingen. Glaubt Gott an mich? Glaube ich an Gott? Wer weiß die Antwort schon. Vermutlich bin ich Gott noch stärker egal als er mir 😉

Bin ich Atheistin? Ganz sicher nicht. Weder bestreite ich die Existenz Gottes, noch bejahe ich seine Existenz. Ich weiß es nicht. Atheisten sind gegen Gott. Das bin ich nicht. Und es gibt noch andere Gründe, warum ich mich genauso wenig Atheistin nennen möchte wie Veganerin.

Was die beiden miteinander zu tun haben? Es ist ihre aggressive Art mit der Umwelt, den anderen Menschen umzugehen. Von meiner Lebensführung her bin ich fast Veganerin und fast Atheistin. Aber beides aus anderen Gründen als diese. Fleisch esse ich nicht, weil ich es als ungesunde Ernährung erkannt habe und weil ich die ganze Massentierhaltung nicht unterstützen kann. Das ist eine praktische Einstellung, keine Ideologie. Veganismus ist, so wie er mir begegnet ist, stark ideologisch. Genauso wie der Atheismus.

Auf meinem Blog habe ich mit drei Gastbeiträgen eine Atheismus-Theismus-Debatte laufen lassen. Ich saß außen vor – als Blogbetreiberin kommentiere ich Gastbeiträge nicht – und schaute mir das an. Ich empfand die Atheisten und ihre Argumente extrem intolerant, nicht nur in den (meisten) Blogbeiträgen, auch in privater Korrespondenz. Ihr Auftreten ist auch in der Überzahl sehr aggressiv. Die paar Kommentatoren von der „christlichen“ Seite traten sachlicher, ruhiger, ausgeglichener auf. Wer schreit, hat Unrecht. Wer aggressiv ist, hat Angst und ist unsicher. Besonders unangenehm finde ich immer so Sätze wie „Wer intelligent ist, wer nur die geringste Schulausbildung hat, KANN doch so einen Blödsinn nicht glauben.“ Meine Güte, das ist verbohrt, egozentrisch und maßlos arrogant. Wer sagte noch: „Ich weiß, dass ich nichts weiß“? Gilt das für Religion etwa nicht?

Ich persönlich, so habe ich oben gesagt, bin nicht antikirchlich, auch wenn ich ausgetreten bin. Natürlich weiß ich – die Atheisten führen es ja nur zu gerne immer wieder an – von den Gräueltaten, die auch im Namen der Kirche geführt wurden. Aber die Zeiten sind vorbei, zumindest in der Kirche, die für mich und meinen Kulturkreis maßgeblich ist.

Ich sehe durchaus auch die Vorteile der Kirche: Da ist zum Beispiel die soziale Arbeit, die sie leistet. Wer kümmert sich sonst im Gespräch um runde hohe Geburtstage, traurige Verwandte eines Verstorbenen, einsame Kranke in Krankenhäuser? Wer betreibt private Kindergärten in großer Zahl? Kirchliche Krankenhäuser werden auch heute noch mit mehr als nur dem Blick aufs Geld geführt. Wer kämpft für den arbeitsfreien Sonntag? Es gibt sicher noch mehr Dinge, die mir gerade nicht einfallen wollen.

Dann gibt es da für mich noch einen wichtigen Faktor: Das ist die Macht. Es ist wichtig, dass die Kirche Macht hat – solange sie diese nicht missbraucht. Denn Macht kann durchaus positiv sein, gut angewandt kann sie etwas für uns tun. Und in einer Zeit, in der uns dauernd mit Verrohung auf allen Ebenen gedroht wird, tut es gut zu wissen, dass eine Macht sich (hoffentlich) noch dagegen wendet.

Noch ein praktisches Beispiel: Egal, wie ich zur Abtreibung stehe: Ich finde es schon wichtig, dass sie nicht auf die Höhe einer Zahnbehandlung gesetzt wird, denn das ist sehr frauenfeindlich. Ich kenne einige Frauen, die abgetrieben haben, und sie haben alle, egal wie sie das vorher sahen, ihre Probleme damit gehabt. Da finde ich es hilfreich, dass „die Kirche“ mahnend ihren Finger hebt, Alternativen anbietet und Verantwortung aufzeigt – aber natürlich Frauen, die sich dafür entscheiden, auch nicht mit dem Fegefeuer droht.

Zusammenfassend nervt mich an „den Atheisten“, dass viele fanatischer sind als die Nicht-Atheisten und überhaupt keine andere Meinung dulden. „Die Christen“ beanspruchen ihren Glauben für sich und für sonst niemanden. So ist dies meine private Erfahrung. Ob das für die ganze Welt gilt, maße ich mir als Urteil nicht an 🙂

Was die Ölpest bei mir auslöst

18. 6. 2010

Am 22. April sank die Bohrinsel „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko. Einige Tage später war frühmorgens ein Bericht im Radio. Von 170.000 Tonnen ausfließendem Öl täglich war die Rede. Mir fuhr ein Hieb in die Magengrube. Der Golf von Mexiko – verseucht: wie lange braucht das Öl, um die Karibik zu erreichen? Und wie viel geht dann irgendwann in den Atlantik?
Und keine Chance BALD eine Lösung zu finden, hieß es.

Acht Wochen ist das her. Fast so lange brauchte ich um die Sprache wiederzufinden. Denn es ist doch ungeheuerlich: Wegen eines Machtspielchens zwischen der Ölgesellschaft und der Regierung geht die Bohrinsel hopps. Und in der Folge die Umwelt.

Alles ganz und gar von Menschen gemacht. „Wohlauf, lasst uns die Erde aufbohren Öl zu gewnnen, auf dass wir uns einen Namen machen.“ So klingt es für mich analog zur Turmbaugeschichte 1. Mose 11. Es ist das „göttliche Wir“ der Schöpfung, das der Mensch übernimmt. In überaus großer Selbstanmaßung.

Und im Jahr 5770 nach Erschaffung der Welt* muss Gott nicht mehr herniederfahren wie einst. Es erledigt sich alles wie von selbst. Und leider ist es dann ganz folgerichtig anders als beim Zauberlehrling: Die entfesselten Mächte bannt kein alter Hexenmeister, der nur das richtige Zauberwort zu sprechen braucht. Es fließt weiter.

Und so zerstört der Mensch munter den Ast, auf dem er sitzt. Nicht auszudenken, kaum auszuhalten. Jeden Tag über 100.000 Tonnen. Hundert Millionen Kilogramm Öl, jeden Tag…

Es hat mir lange den Hals zugeschnürt. Die Sprache fand ich almählich wieder, als ich einen Link per Mail erhielt. Die Seite Gratefullness.org ist von David Steindl-Rast initiiert, und er verfasst weiterhin mit. Und es wird verlinkt zu „Spirituality and Practice“. Hier ist zur Zeit ein Bild der Ölpest, und die Frage, was diese Umweltkatastrophe für die Spiritualität bedeutet. Noch lange nicht ausgelotet.

Und oft genug übersehen: Während die Sinne der Verbraucher geschärft werden, jedes Fitzelchen Müll exakt zu trennen, ist es still geworden um die Industrie. Was tut die eigentlich zum Schutz der Schöpfung? Hier waren es ja auch keine Sportangler, die aus Versehen eine Pipeline angeritzt haben.

*: Die jüdische Zeitrechnung. Da es um einen Text aus der Urgeschichte geht, habe ich diese Zahl genommen. Sie hat für mich symbolischen Charakter. Nach meinem Verständnis liefert die Urgeschichte (1. Mose 1 – 12) keine historischen Berichte.

Selbstachtung

19. 3. 2009

Der aufrechte Gang ist gelebte Selbstachtung.

Zuerst auf Elisabeth Ornauers Blog kommnetiert,  2. 3. 2009

„Menschen ohne Rückgrat hab’n wir schon so viel“, sang Bettina Wegner Ende der Siebziger.

In den Neunzigern fand ich es gut, dass bei uns in der Kirche nicht gekniet wird. Allmählich wächst bei mir das Verständnis für Demut, und ich bin darüber nicht mehr stolz. Aber ich bejahe es und ziehe eine aufrechte Haltung der gebückten vor.

Aufrecht gehen und leben ist Ausdruck der Selbstachtung. „Ich will mir weiterhin (vor dem Spiegel) ins Gesicht gucken können“, sagen Menschen, die eine Gewissensentscheidung getroffen haben und sich nicht (mehr) verbiegen wollen. Aufrecht müssen wir vor dem Spiegel stehen, wenn wir uns ansehen wollen. (Ich denke bei diesem Bild nicht an den Handspiegel!)

Der aufrechte Gang ist für mich auch Ausdruck der Mündigkeit. Im Glauben vor allem. Auch wenn das  Bedürfnis nach Regression zuweilen ausgelebt wird. Und werden darf.

Was kommt danach?

6. 11. 2008

November – der Monat zum Thema Tod und Sterben. „Was kommt denn danach?“, fragte mich jüngst ein Bekannter. Mein Kopf weiß es nicht; er sieht die netten Äußerungen der Bibel, noch viel stärker aber den Tod und die Verwesung.

Aber mein  Herz hofft und glaubt: Wenigstens eine Hand, die uns auffängt, ein Netz, das sich spannt, wenn wir fallen. „Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes“ – nach Römer 8. Das zumindest. Nicht weniger und vielleicht nicht mehr.

Die teils bunten, knalligen Bilder in der Bibel sind weit weg. Wenn es gut geht, nehmen sie einen mit, wie ein guter Roman: Du tauchst ein in (more…)

Das Grausen in der Kiste

17. 10. 2008

Beim Urlaub in Prag haben wir uns einen halben Tag im jüdischen Viertel umgesehen.

Das Eindrücklichste: In der Spanischen Synagoge sind Dokumente zu Verfolgung und Vernichtung der Juden in Tschechien ausgestellt. Im Obergeschoss, auf der Empore, ist links hinten unscheinbar nur eine Kiste; ich schätze 50 cm in Höhe und Breite, 70 bis 80 in der Länge. Von oben bis unten gefüllt mit Tefillin, also jüdischen Gebetsriemen. Die deutsche Verwaltung von Theresienstadt hat sie der jüdischen Selbstverwaltung zur Verfügung gestellt. Gebetsriemen deportierter, getöteter Juden. Sie wurden ja nicht mehr gebraucht. Einfach zynisch.

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