Posts Tagged ‘Gedicht’

Wo der Hund begraben liegt…

30. 1. 2016

Christian Morgenstern
Das Grab des Hunds

Gestern war ich in dem Tal,
wo der Hund begraben liegt.
Trat erst durch ein Felsportal
und dann, wo nach links es biegt.

Vorwärts drang ich ungestört
noch um ein Erkleckliches –
Ist auch niemand da, der hört?
Denn nun tat ich Schreckliches:

Hob den Stein, auf welchem steht,
welchem steht: Hier liegt der Hund –
hob den Stein auf, hob ihn – und –
sah – oh, die ihr da seid, geht!

Sah – sah die Idee des Hunds,
sah den Hund, den Hund an sich.
Reichen wir die Hände uns;
dies ist wirklich fürchterlich.

Wie sie aussah, die Idee?
Bitte, bändigt euren Mund.
Denn ich kann nicht sagen meh,
als dass sie aussah wie ein – Hund.

Winterwarten

23. 1. 2016

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben:

Der Winter und die Spatzen

Sie zwitscherten und sangen,
man hörte kaum sein Wort:
Der Winter ist gegangen
und alles Leid ist fort! –

Ei, wartet nur, ihr Spatzen!
Sollt mich schon wieder seh’n.
Das Zwitschern und das Schwatzen,
das soll euch bald vergeh’n!

Da kam der Winter wieder,
er brachte Kält’ und Schnee;
Da gab es keine Lieder,
kein fröhliches Juchhe.

Die Spatzen aber saßen
vergnügt in Stall und Haus:
O Winter, lass das Spaßen!
Wir lachen dich doch aus.

So ist es auch ergangen:
Kaum war der Winter fort,
die Spatzen fröhlich sangen,
man hörte kaum sein Wort.

 

Winterliche Gedanken

16. 1. 2016

Dr. Owlglaß
Schneeschmelze

Die Erde schluckt alles: schluckt den Schnee,
des Winters Leid, des Lebens Weh.

Sie schluckt’s und spuckt es wieder aus,
macht Gras und Kraut und Blumen draus.

Und immer, immer ist jemand da,
der nie noch so viel Schönes sah

— bis alles wieder welkt und dorrt.
So geht das fort und ewig fort.

Stumm sitzt Gott Vater auf dem Thron.
…O Gott, was hast du bloß davon?

Auch Dr. Owlglaß darf jetzt frei zitiert werden. Mehr über ihn bei wikipedia.

Das mit den Wünschen im Zusammenhang

19. 12. 2015

Wilhelm Busch:
Niemals

Wonach du sehnlich ausgeschaut,
es wurde dir beschieden.
Du triumphierst und jubelst laut:
Jetzt hab ich endlich Frieden!

Ach, Freundchen, rede nicht so wild,
bezähme deine Zunge!
Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt,
kriegt augenblicklich Junge.

Böse Jahreszeit

12. 12. 2015

Heinrich Heine
Winter

Die Kälte kann wahrlich brennen
wie Feuer. Die Menschenkinder
im Schneegestöber rennen
und laufen immer geschwinder.

Oh, bittre Winterhärte!
Die Nasen sind erfroren,
und die Klavierkonzerte
zerreißen uns die Ohren.

Weit besser ist es im Summer,
da kann ich im Walde spazieren,
allein mit meinem Kummer,
und Liebeslieder skandieren.

Heine wurde am 13. Dezember 1797 geboren.

So gesehen ist diese Woche nichts Neues passiert

5. 12. 2015

Wilhelm Busch:
Oben und Unten

Dass der Kopf die Welt beherrsche,
wär zu wünschen und zu loben.
Längst vor Gründen wär die närr’sche
Gaukelei in Nichts zerstoben.

Aber wurzelhaft natürlich
herrscht der Magen nebst Genossen,
und so treibt, was unwillkürlich,
täglich tausend neue Sprossen.

Was sind wir oder nicht?

28. 11. 2015

Wir sind’s gewiss in vielen Dingen,
im Tode sind wir’s nimmermehr,
Die sind’s, die wir zu Grabe bringen,
und eben diese sind’s nicht mehr.
Denn, weil wir leben, sind wir’s eben
von Geist und Angesicht;
Und weil wir leben, sind wir’s eben
zur Zeit noch nicht.

Friedrich Schleiermacher zugeschrieben.

Morgensterns Tierleben: Gefährliches löst sich auf

14. 11. 2015

Meist erleichtert es, wenn sich eine Gefahr in Rauch auflöst. Hier scheint jedoch noch etwas Anderes versteckt zu sein.

Christian Morgenstern:
Das Löwenreh

Das Löwenreh durcheilt den Wald
und sucht den Förster Theobald.

Der Förster Theobald desgleichen
sucht es durch Pirschen zu erreichen,

und zwar mit Kugeln, deren Gift
zu Rauch verwandelt, wen es trifft.

Als sie sich endlich haben, schießt
er es, worauf es ihn genießt.

Allein die Kugel wirkt alsbald:
Zu Rauch wird Reh nebst Theobald …

Seitdem sind beide ohne Frage
ein dankbares Objekt der Sage.

Zeitraffer

26. 9. 2015

wenn alles, was wir treiben,
dann lassen wir es bleiben.

morgenklage/ seelenselfie

25. 9. 2015

da sitze ich und bin maulig
nichts recht, alles quer

alles egal, Gott
auch die gründe, nach Dir zu fragen
flüchtlinge, kriegstote, sklavenarbeit
ach, Gott

das glas wasser,
du quelle des lebens
die tasse gefüllt,
du himmlische kraft
leben kehrt zurück
hunger nicht nur nach brot
durst nicht nur nach kaffee

der nebel lichtet sich
da sitze ich, Gott, ich bin da
und du auch

Flüstern im Wald

19. 9. 2015

Christian Morgenstern:

Die zwei Wurzeln

Zwei Tannenwurzeln groß und alt
unterhalten sich im Wald.

Was droben in den Wipfeln rauscht,
das wird hier unten ausgetauscht.

Ein altes Eichhorn sitzt dabei
und strickt wohl Strümpfe für die zwei.

Die eine sagt: knig. Die andre sagt: knag.
Das ist genug für einen Tag.

Erfahrungen auf der Weltreise

22. 8. 2015

Die Ameisen

In Hamburg lebten zwei Ameisen,
die wollten nach Australien reisen.
Bei Altona auf der Chaussee,
da taten ihnen die Beine weh,

Und da verzichteten sie weise
dann auf den letzten Teil der Reise.

Joachim Ringelnatz, 103 Gedichte

der frosch, wenn er quark möchte…

15. 8. 2015

der frosch, wenn er quark möchte,
braucht nur den mund zu öffnen
und laute von sich zu geben

der mensch, wenn er quark möchte,
muss mehr tun, laut an laut setzen,
artikulieren.

aber bedenke, mensch,
bevor du dein schicksal bejammerst,
wie schwer es die pferde haben

immer nur hafer.
und wenn sie quark möchten,
kriegen sie nur mehr hafer.

(c) theomix

Begegnung

25. 7. 2015

Joachim Ringelnatz:

Im Park

Ein ganz kleines Reh stand am ganz kleinen Baum
still und verklärt wie im Traum.
Das war des Nachts elf Uhr zwei.
Und dann kam ich um vier
morgens wieder vorbei.
Und da träumte noch immer das Tier.
Nun schlich ich mich leise – ich atmete kaum –
gegen den Wind an den Baum
und gab dem Reh einen ganz kleinen Stips.
Und da war es aus Gips.

Joachim Ringelnatz

Rätselhaftes im Wald

16. 5. 2015

Christian Morgenstern:

Geiß und Schleiche

Die Schleiche singt ihr Nachtgebet,
die Waldgeiß staunend vor ihr steht.

Die Waldgeiß schüttelt ihren Bart,
wie ein Magister hochgelahrt.

Sie weiß nicht, was die Schleiche singt,
sie hört nur, dass es lieblich klingt.

Die Schleiche fällt in Schlaf alsbald.
Die Geiß geht sinnend durch den Wald.

Wasser wortlos

14. 3. 2015

Christian Morgenstern:

Das Wasser

Ohne Wort, ohne Wort
rinnt das Wasser immerfort!
andernfalls, andernfalls
spräch es doch nichts andres als:

Bier und Brot, Lieb und Treu, –
und das wäre auch nicht neu.
Dieses zeigt, dieses zeigt,
dass das Wasser besser schweigt.

Jahreszeitlich weise

7. 3. 2015

Frühling

Nun ist er endlich kommen doch
in grünem Knospenschuh.
»Er kam, er kam ja immer noch«,
die Bäume nicken sich’s zu.

Sie konnten ihn all erwarten kaum,
nun treiben sie Schuss auf Schuss;
im Garten der alte Apfelbaum,
er sträubt sich, aber er muss.

Wohl zögert auch das alte Herz
und atmet noch nicht frei,
es bangt und sorgt: »Es ist erst März,
und März ist noch nicht Mai.«

O schüttle ab den schweren Traum
und die lange Winterruh,
es wagt es der alte Apfelbaum,
Herze, wag’s auch du!

Theodor Fontane

ewigkeit

6. 3. 2015

doch was ich sehe
ist heimat nicht

Ein Prosit auf die Evolution

28. 2. 2015

Sie stritten sich beim Wein herum,
was das nun wieder wäre;
das mit dem Darwin wär gar zu dumm
und wider die menschliche Ehre.

Sie tranken manchen Humpen aus,
sie stolperten aus den Türen,
sie grunzten vernehmlich und kamen zu Haus
gekrochen auf allen vieren.

Wilhelm Busch, aus: Kiritk  des Herzens

Aus der gehässigen Abteilung, in heiterer Verpackung

31. 1. 2015

Die erste alte Tante sprach:
»Wir müssen nun auch dran denken,
was wir zu ihrem Namenstag
dem guten Sophiechen schenken.«

Drauf sprach die zweite Tante kühn:
»Ich schlage vor, wir entscheiden
uns für ein Kleid in Erbsengrün,
das mag Sophiechen nicht leiden.«

Der dritten Tante war das recht:
»Ja«, sprach sie, »mit gelben Ranken!
Ich weiß, sie ärgert sich nicht schlecht
Und muss sich auch noch bedanken.«

Wilhelm Busch, Aus: Kritik des Herzens


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