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Zarte Hälmchen

7. 3. 2012

Frühling

Nun ist er endlich kommen doch
In grünem Knospenschuh;
„Er kam, er kam ja immer noch“
Die Bäume nicken sich’s zu.

Sie konnten ihn all erwarten kaum,
nun treiben sie Schuss auf Schuss;
im Garten der alte Apfelbaum,
er sträubt sich, aber er muss.

Wohl zögert auch das alte Herz
und atmet noch nicht frei,
es bangt und sorgt; „Es ist erst März,
und März ist noch nicht Mai.“

O schüttle ab den schweren Traum
und die lange Winterruh:
Es wagt es der alte Apfelbaum,
Herze, wag’s auch du.

Theodor Fontane

Das musste jetzt mal sein. Hälmchenweise kommt er…

Silvester 2009

31. 12. 2009

Ein Tag um Bilanz zu ziehen.

Bei Theodor Fontanes sieht es so aus:

Summa Summarum!

Eine kleine Stellung, ein kleiner Orden
(fast wär ich auch mal Hofrat geworden),
ein bisschen Namen, ein bisschen Ehre,
eine Tochter „geprüft“, ein Sohn im Heere,
mit siebzig ’ne Jubiläumsfeier,
Artikel im Brockhaus und im Meyer…
Altpreußischer Durchschnitt, Summa Summarum,
es drehte sich immer um Lirum Larum
um Lirum Larum Löffelstiel.
Alles in allem – es war nicht viel.

(Theodor Fontane, aus dem Nachlass, 1908, Seite 166)

Bei mir sind es zwanzig Jahre weniger, zwei Kinder, auf dem Gymnasium, nicht so berühmt, aber beschenkt – und mit vielen Vorhaben, die in diesem Jahr nicht beendet wurden…

Ich wünsche euch, meinen Leserinnen und Lesern, einen guten Jahresausklang!

Denk mal darüber nach

22. 8. 2009

Es kribbelt und wibbelt weiter

Die Flut steigt bis an den Arrarat
und es hilft keine Rettungsleiter,
da bringt die Taube Zweig und Blatt –
und es kribbelt und wibbelt weiter.

Es sicheln und mähen von Ost nach West
die apokalyptischen Reiter.
Aber ob Hunger, ob Krieg, ob Pest,
es kribbelt und wibbelt weiter.

Ein Gott wird gekreuzigt auf Golgatha,
es brennen Millionen Scheiter,
Märtyrer hier und Hexen da,
doch es kribbelt und wibbelt weiter.

So banne dein Ich in dich zurück
Und ergib dich und sei heiter;
Was liegt an dir und deinem Glück?
Es kribbelt und wibbelt weiter.

Theodor Fontane

Dieses Gedicht finde ich faszinierend. Mit dem Grundton der Altersskepsis nimmt er die biblische Geschichten als Begründung, gelassen zu leben.
Weil alles seinen Gang geht: Nimm dein Schicksal gelassen hin.


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