Posts Tagged ‘Christian Morgenstern’

Hier lernt man nichts

9. 7. 2016

Christian Morgenstern:

Unter Zeiten

Das Perfekt und das Imperfekt
tranken Sekt.
Sie stießen aufs Futurum an
(was man wohl gelten lassen kann).

Plusquamper und Exaktfutur
blinzten nur.

Menschenliebe vor Insektenfreude

2. 7. 2016

Christian Morgenstern:
Philanthropisch

Ein nervöser Mensch auf einer Wiese
wäre besser ohne sie daran;
darum seh er, wie er ohne diese
(meistens mindestens) leben kann.

Kaum dass er gelegt sich auf die Gräser,
naht der Ameis, Heuschreck, Mück und Wurm,
naht der Tausendfuß und Ohrenbläser,
und die Hummel ruft zum Sturm.

Ein nervöser Mensch auf einer Wiese
tut drum besser, wieder aufzustehn
und dafür in andre Paradiese
(beispielshalber: weg) zu gehn.

Purzelbaum hilft

27. 5. 2016

Heute ist wieder  Welttag des Purzelbaums.

UNICEF Deutschand verweist auf den Hashtag #ikeapurzelt: „IKEA spendet für jeden Purzelbaum eines Kunden oder Besuchers [morgen zwischen 15:00 Uhr und 18:00 Uhr in einem ihrer deutschen Möbelhäuser] einen Euro zugunsten der UNICEF Syrien-Nothilfe.“ Eine sehr gute Idee!

Starkes Tier mit Hunger

30. 4. 2016

Christian Morgenstern:

Der Steinochs

Der Steinochs schüttelt stumm sein Haupt,
dass jeder seine Kraft ihm glaubt.
Er spießt dich plötzlich auf sein Horn
und bohrt von hinten dich bis vorn.
Weh!

Der Steinochs lebt von Berg zu Berg,
vor ihm wird, was da wandelt, Zwerg.
Er nährt sich meist – und das ist neu –
von menschlicher Gehirne Heu.
Weh!

Der Steinochs ist kein Tier, das stirbt,
dieweil sein Fleisch niemals verdirbt.
Denn wir sind Staub, doch er ist Stein!
Du möchtest wohl auch Steinochs sein?
He?

Die Sache mit der Seele

5. 3. 2016

Christian Morgenstern:
Die Zirbelkiefer

Die Zirbelkiefer sieht sich an
auf ihre Zirbeldrüse hin;
sie las in einem Buche jüngst,
die Seele säße dort darin.

Sie säße dort wie ein Insekt
voll wundersamer Lieblichkeit,
von Gottes Allmacht ausgeheckt
und außerordentlich gescheit.

Die Zirbelkiefer sieht sich an
auf ihre Zirbeldrüse hin;
sie weiß nicht, wo sie sitzen tut,
allein ihr wird ganz fromm zu Sinn.

Wo der Hund begraben liegt…

30. 1. 2016

Christian Morgenstern
Das Grab des Hunds

Gestern war ich in dem Tal,
wo der Hund begraben liegt.
Trat erst durch ein Felsportal
und dann, wo nach links es biegt.

Vorwärts drang ich ungestört
noch um ein Erkleckliches –
Ist auch niemand da, der hört?
Denn nun tat ich Schreckliches:

Hob den Stein, auf welchem steht,
welchem steht: Hier liegt der Hund –
hob den Stein auf, hob ihn – und –
sah – oh, die ihr da seid, geht!

Sah – sah die Idee des Hunds,
sah den Hund, den Hund an sich.
Reichen wir die Hände uns;
dies ist wirklich fürchterlich.

Wie sie aussah, die Idee?
Bitte, bändigt euren Mund.
Denn ich kann nicht sagen meh,
als dass sie aussah wie ein – Hund.

Innenraummeditation

21. 11. 2015

Christian Morgenstern:
Tapetenblume

Tapetenblume bin ich fein,
kehr wieder ohne Ende,
doch, statt im Mai’n und Mondenschein,
auf jeder der vier Wände.

Du siehst mich nimmerdar genung,
so weit du blickst im Stübchen,
Und folgst du mir im Rösselsprung –
wirst du verrückt mein Liebchen.

Morgensterns Tierleben: Gefährliches löst sich auf

14. 11. 2015

Meist erleichtert es, wenn sich eine Gefahr in Rauch auflöst. Hier scheint jedoch noch etwas Anderes versteckt zu sein.

Christian Morgenstern:
Das Löwenreh

Das Löwenreh durcheilt den Wald
und sucht den Förster Theobald.

Der Förster Theobald desgleichen
sucht es durch Pirschen zu erreichen,

und zwar mit Kugeln, deren Gift
zu Rauch verwandelt, wen es trifft.

Als sie sich endlich haben, schießt
er es, worauf es ihn genießt.

Allein die Kugel wirkt alsbald:
Zu Rauch wird Reh nebst Theobald …

Seitdem sind beide ohne Frage
ein dankbares Objekt der Sage.

Wetterbericht

17. 10. 2015

Christian Morgenstern:

Palmström lobt

Palmström lobt das schlechte Wetter sehr,
denn dann ist auf Erden viel mehr Ruhe;
ganz von selbst beschränkt sich das Getue,
und der Mensch geht würdiger einher.

Schon allein des Schirmes kleiner Himmel
wirkt symbolisch auf des Menschen Kern,
denn der wirkliche ist dem Gewimmel,
ach nicht ihm nur, leider noch recht fern.

Durch die Gassen oder im Gefilde
wandert Palmström, wenn die Wolke fällt,
und erfreut sich an dem Menschenbilde,
das sich kosmo-logischer verhält.

Flüstern im Wald

19. 9. 2015

Christian Morgenstern:

Die zwei Wurzeln

Zwei Tannenwurzeln groß und alt
unterhalten sich im Wald.

Was droben in den Wipfeln rauscht,
das wird hier unten ausgetauscht.

Ein altes Eichhorn sitzt dabei
und strickt wohl Strümpfe für die zwei.

Die eine sagt: knig. Die andre sagt: knag.
Das ist genug für einen Tag.

Manches klingt fremmed

8. 8. 2015

Das Hemmed

Kennst du das einsame Hemmed?
Flattertata, flattertata.

Der’s trug, ist bass verdämmet!
Flattertata, flattertata.

Es knattert und rattert im Winde.
Windurudei, windurudei.

Es weint wie ein kleines Kinde.
Windurudei, windurudei.

Das ist das einsame
Hemmed.

Christian Morgenstern, Das Hemmed

Von Knickebühl gen Entenbrecht…

1. 8. 2015

Christian Morgenstern

Der Gingganz

Ein Stiefel wandern und sein Knecht
von Knickebühl gen Entenbrecht.

Urplötzlich auf dem Felde drauß
begehrt der Stiefel: „Zieh mich aus!“

Der Knecht drauf: „Es ist nicht an dem;
doch sagt mir, lieber Herre, – !: wem?“

Dem Stiefel gibt es einen Ruck:
„Fürwahr, beim heiligen Nepomuk,

ich GING GANZ in Gedanken hin …
Du weißt, dass ich ein andrer bin,

seitdem ich meinen Herrn verlor …“
Der Knecht wirft beide Arm empor,

als wollt er sagen: „Lass doch, lass!“
Und weiter zieht das Paar fürbass.

Ein sehr leises Gedicht

20. 6. 2015

Christian Morgenstern

Fisches Nachtgesang


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Mal wieder aus „Morgensterns Tierleben“

23. 5. 2015

Christian Morgenstern
Das Geierlamm

Der Lämmergeier ist bekannt,
das Geierlamm erst hier genannt.

Der Geier, der ist offenkundig,
das Lamm hingegen untergrundig.

Es sagt nicht hu, es sagt nicht mäh
und frisst dich auf aus nächster Näh.

Und dreht das Auge dann zum Herrn.
Und alle habens herzlich gern.

Rätselhaftes im Wald

16. 5. 2015

Christian Morgenstern:

Geiß und Schleiche

Die Schleiche singt ihr Nachtgebet,
die Waldgeiß staunend vor ihr steht.

Die Waldgeiß schüttelt ihren Bart,
wie ein Magister hochgelahrt.

Sie weiß nicht, was die Schleiche singt,
sie hört nur, dass es lieblich klingt.

Die Schleiche fällt in Schlaf alsbald.
Die Geiß geht sinnend durch den Wald.

Ein wichtiger Heiliger

25. 4. 2015

Der heilige Pardauz

Im Inselwald ›Zum stillen Kauz‹,
da lebt der heilige Pardauz.

Du schweigst? Ist dir der Mund verklebt?
Du zweifelst, ob er wirklich lebt?

So sag ichs dir denn ungefragt:
Er lebt, auch wenn dirs missbehagt.

Er lebt im Wald ›Zum stillen Kauz‹,
und schon sein Vater hieß Pardauz.

Dort betet er für dich, mein Kind,
weil du und andre Sünder sind.

Du weißt nicht, was du ihm verdankst, –
doch dass du nicht schon längst ertrankst,

verbranntest oder und so weiter –
das dankst du diesem Blitzableiter

der teuflischen Gewitter. Ach,
die Welt ist rund, der Mensch ist schwach.

Christian Morgenstern

Wasser wortlos

14. 3. 2015

Christian Morgenstern:

Das Wasser

Ohne Wort, ohne Wort
rinnt das Wasser immerfort!
andernfalls, andernfalls
spräch es doch nichts andres als:

Bier und Brot, Lieb und Treu, –
und das wäre auch nicht neu.
Dieses zeigt, dieses zeigt,
dass das Wasser besser schweigt.

Wieselei

21. 2. 2015

Christian Morgenstern:

Das ästhetische Wiesel

Ein Wiesel
saß auf einem Kiesel
inmitten Bachgeriesel.

Wisst ihr
weshalb?

Das Mondkalb
verriet es mir
im Stillen:

Das raffinier-
te Tier
tat’s um des Reimes willen.

Heute muss das…🙂

Dunkles im Nonsens

13. 11. 2014

Christian Morgenstern:
Schiff „Erde“

„Ich will den Kapitän sehn“, schrie
die Frau, „den Kapitän, verstehn Sie?“
„Das ist unmöglich“, hieß es. „Gehn Sie!
So gehen Sie doch! Sie sehn ihn nie!“

Das Weib, mit rasender Gebärde:
„So bringen Sie ihm das – und das -,“
(Sie spie die ganze Reling nass.)
Das Schiff, auf dem sie fuhr, hieß „Erde“.

Wenn man überlegt: Vor über 100 Jahren erschienen, und in einer Sammlung von Nonsens-Gedichten – dann erstaunt das sehr und erschreckt mich auch.

Egal wie, Hauptsache anders

17. 6. 2014

Christian Morgenstern:

Der Ästhet

Wenn ich sitze, will ich nicht
sitzen, wie mein Sitz-Fleisch möchte,
sondern wie mein Sitz-Geist sich,
säße er, den Stuhl sich flöchte.

Der jedoch bedarf nicht viel,
schätzt am Stuhl allein den Stil,
überlässt den Zweck des Möbels
ohne Grimm der Gier des Pöbels.


Irgendwas ist immer

In der Theorie sind Theorie und Praxis gleich. In der Praxis nicht.

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