Posts Tagged ‘Christian Morgenstern’

Wo der Hund begraben liegt…

30. 1. 2016

Christian Morgenstern
Das Grab des Hunds

Gestern war ich in dem Tal,
wo der Hund begraben liegt.
Trat erst durch ein Felsportal
und dann, wo nach links es biegt.

Vorwärts drang ich ungestört
noch um ein Erkleckliches –
Ist auch niemand da, der hört?
Denn nun tat ich Schreckliches:

Hob den Stein, auf welchem steht,
welchem steht: Hier liegt der Hund –
hob den Stein auf, hob ihn – und –
sah – oh, die ihr da seid, geht!

Sah – sah die Idee des Hunds,
sah den Hund, den Hund an sich.
Reichen wir die Hände uns;
dies ist wirklich fürchterlich.

Wie sie aussah, die Idee?
Bitte, bändigt euren Mund.
Denn ich kann nicht sagen meh,
als dass sie aussah wie ein – Hund.

Innenraummeditation

21. 11. 2015

Christian Morgenstern:
Tapetenblume

Tapetenblume bin ich fein,
kehr wieder ohne Ende,
doch, statt im Mai’n und Mondenschein,
auf jeder der vier Wände.

Du siehst mich nimmerdar genung,
so weit du blickst im Stübchen,
Und folgst du mir im Rösselsprung –
wirst du verrückt mein Liebchen.

Morgensterns Tierleben: Gefährliches löst sich auf

14. 11. 2015

Meist erleichtert es, wenn sich eine Gefahr in Rauch auflöst. Hier scheint jedoch noch etwas Anderes versteckt zu sein.

Christian Morgenstern:
Das Löwenreh

Das Löwenreh durcheilt den Wald
und sucht den Förster Theobald.

Der Förster Theobald desgleichen
sucht es durch Pirschen zu erreichen,

und zwar mit Kugeln, deren Gift
zu Rauch verwandelt, wen es trifft.

Als sie sich endlich haben, schießt
er es, worauf es ihn genießt.

Allein die Kugel wirkt alsbald:
Zu Rauch wird Reh nebst Theobald …

Seitdem sind beide ohne Frage
ein dankbares Objekt der Sage.

Wetterbericht

17. 10. 2015

Christian Morgenstern:

Palmström lobt

Palmström lobt das schlechte Wetter sehr,
denn dann ist auf Erden viel mehr Ruhe;
ganz von selbst beschränkt sich das Getue,
und der Mensch geht würdiger einher.

Schon allein des Schirmes kleiner Himmel
wirkt symbolisch auf des Menschen Kern,
denn der wirkliche ist dem Gewimmel,
ach nicht ihm nur, leider noch recht fern.

Durch die Gassen oder im Gefilde
wandert Palmström, wenn die Wolke fällt,
und erfreut sich an dem Menschenbilde,
das sich kosmo-logischer verhält.

Flüstern im Wald

19. 9. 2015

Christian Morgenstern:

Die zwei Wurzeln

Zwei Tannenwurzeln groß und alt
unterhalten sich im Wald.

Was droben in den Wipfeln rauscht,
das wird hier unten ausgetauscht.

Ein altes Eichhorn sitzt dabei
und strickt wohl Strümpfe für die zwei.

Die eine sagt: knig. Die andre sagt: knag.
Das ist genug für einen Tag.

Manches klingt fremmed

8. 8. 2015

Das Hemmed

Kennst du das einsame Hemmed?
Flattertata, flattertata.

Der’s trug, ist bass verdämmet!
Flattertata, flattertata.

Es knattert und rattert im Winde.
Windurudei, windurudei.

Es weint wie ein kleines Kinde.
Windurudei, windurudei.

Das ist das einsame
Hemmed.

Christian Morgenstern, Das Hemmed

Von Knickebühl gen Entenbrecht…

1. 8. 2015

Christian Morgenstern

Der Gingganz

Ein Stiefel wandern und sein Knecht
von Knickebühl gen Entenbrecht.

Urplötzlich auf dem Felde drauß
begehrt der Stiefel: “Zieh mich aus!”

Der Knecht drauf: “Es ist nicht an dem;
doch sagt mir, lieber Herre, – !: wem?”

Dem Stiefel gibt es einen Ruck:
“Fürwahr, beim heiligen Nepomuk,

ich GING GANZ in Gedanken hin …
Du weißt, dass ich ein andrer bin,

seitdem ich meinen Herrn verlor …”
Der Knecht wirft beide Arm empor,

als wollt er sagen: “Lass doch, lass!”
Und weiter zieht das Paar fürbass.

Ein sehr leises Gedicht

20. 6. 2015

Christian Morgenstern

Fisches Nachtgesang


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Mal wieder aus “Morgensterns Tierleben”

23. 5. 2015

Christian Morgenstern
Das Geierlamm

Der Lämmergeier ist bekannt,
das Geierlamm erst hier genannt.

Der Geier, der ist offenkundig,
das Lamm hingegen untergrundig.

Es sagt nicht hu, es sagt nicht mäh
und frisst dich auf aus nächster Näh.

Und dreht das Auge dann zum Herrn.
Und alle habens herzlich gern.

Rätselhaftes im Wald

16. 5. 2015

Christian Morgenstern:

Geiß und Schleiche

Die Schleiche singt ihr Nachtgebet,
die Waldgeiß staunend vor ihr steht.

Die Waldgeiß schüttelt ihren Bart,
wie ein Magister hochgelahrt.

Sie weiß nicht, was die Schleiche singt,
sie hört nur, dass es lieblich klingt.

Die Schleiche fällt in Schlaf alsbald.
Die Geiß geht sinnend durch den Wald.

Ein wichtiger Heiliger

25. 4. 2015

Der heilige Pardauz

Im Inselwald ›Zum stillen Kauz‹,
da lebt der heilige Pardauz.

Du schweigst? Ist dir der Mund verklebt?
Du zweifelst, ob er wirklich lebt?

So sag ichs dir denn ungefragt:
Er lebt, auch wenn dirs missbehagt.

Er lebt im Wald ›Zum stillen Kauz‹,
und schon sein Vater hieß Pardauz.

Dort betet er für dich, mein Kind,
weil du und andre Sünder sind.

Du weißt nicht, was du ihm verdankst, –
doch dass du nicht schon längst ertrankst,

verbranntest oder und so weiter –
das dankst du diesem Blitzableiter

der teuflischen Gewitter. Ach,
die Welt ist rund, der Mensch ist schwach.

Christian Morgenstern

Wasser wortlos

14. 3. 2015

Christian Morgenstern:

Das Wasser

Ohne Wort, ohne Wort
rinnt das Wasser immerfort!
andernfalls, andernfalls
spräch es doch nichts andres als:

Bier und Brot, Lieb und Treu, –
und das wäre auch nicht neu.
Dieses zeigt, dieses zeigt,
dass das Wasser besser schweigt.

Wieselei

21. 2. 2015

Christian Morgenstern:

Das ästhetische Wiesel

Ein Wiesel
saß auf einem Kiesel
inmitten Bachgeriesel.

Wisst ihr
weshalb?

Das Mondkalb
verriet es mir
im Stillen:

Das raffinier-
te Tier
tat’s um des Reimes willen.

Heute muss das… :)

Dunkles im Nonsens

13. 11. 2014

Christian Morgenstern:
Schiff “Erde”

“Ich will den Kapitän sehn”, schrie
die Frau, “den Kapitän, verstehn Sie?”
“Das ist unmöglich”, hieß es. “Gehn Sie!
So gehen Sie doch! Sie sehn ihn nie!”

Das Weib, mit rasender Gebärde:
“So bringen Sie ihm das – und das -,”
(Sie spie die ganze Reling nass.)
Das Schiff, auf dem sie fuhr, hieß “Erde”.

Wenn man überlegt: Vor über 100 Jahren erschienen, und in einer Sammlung von Nonsens-Gedichten – dann erstaunt das sehr und erschreckt mich auch.

Egal wie, Hauptsache anders

17. 6. 2014

Christian Morgenstern:

Der Ästhet

Wenn ich sitze, will ich nicht
sitzen, wie mein Sitz-Fleisch möchte,
sondern wie mein Sitz-Geist sich,
säße er, den Stuhl sich flöchte.

Der jedoch bedarf nicht viel,
schätzt am Stuhl allein den Stil,
überlässt den Zweck des Möbels
ohne Grimm der Gier des Pöbels.

Pfingsten: Gottesdienst mit Galgenliedern

8. 6. 2014

Pfingsten – Sprachwunder: Ein Brausen in verschiedenen Sprachen. Von außen nicht zu verstehen, von innen, vom Geist Gottes überträufelt, schon.

In einem Schulgottesdienst habe ich die Außenansicht darstellen können.

Man nehme:
1 Kirche
30 .- 40 Schulkinder der Klassen 3 und 4
1 Ausgabe “Christian Morgenstern, Galgenlieder”

Ich öffnete das Buch beim Gedicht “Das große Lalula“,
teilte die Schülerschar in etwa vier gleichgroße Gruppen ein
und verteilte folgende Zeilen aus dem Gedicht auf jeweils eine Gruppe:

  • “quasti basti bo”
  • “Hontraruru miromente”
  • “zasku zes rü rü”
  • “Entepente, leiolente”

Nun ließ ich alle zusammen ihren Satz mehrfach hintereinander laut vortragen.

Ein Tosen und  Brausen, unverständlich.

Das Wunder war: Viele verstanden die Sprache und der Geist floss über. Die Christenheit erinnert sich jedes Jahr zu Pfingsten daran.

Ich wünsche euch ein be-geist-erndes Pfingstfest!

 

Dieser Klassiker darf nicht fehlen

1. 4. 2014

Christian Morgenstern:
Der Lattenzaun

Es war einmal ein Lattenzaun,
mit Zwischenraum, hindurchzuschaun.

Ein Architekt, der dieses sah,
stand eines Abends plötzlich da –

und nahm den Zwischenraum heraus
und baute draus ein großes Haus.

Der Zaun indessen stand ganz dumm,
mit Latten ohne was herum,

Ein Anblick grässlich und gemein.
Drum zog ihn der Senat auch ein.

Der Architekt jedoch entfloh
nach Afri- od- Ameriko.

Wie hat mein Blog das so lange ohne dieses zentrale Gedicht ausgehalten?

Ist zufällig Frau Windelband zugegen?

13. 3. 2014

Christian Morgenstern:
Kennst du den großen Elefanten…

Kennst du den großen Elefanten,
du weißt, den Onkel von den Tanten,
den ganz ganz großen, weißt du, der,
der immer so macht, hin und her.

Der lässt dich nämlich vielmals grüßen,
er hat mit seinen eignen Füßen
hineingeschrieben in den Sand:
Grüß mir Sophiechen Windelband!

Du darfst nicht zu sehr drüber lachen!
Wenn Elefanten so was machen,
so ist dies selten, meiner Seel!
Weit seltner als bei dem Kamel.

Der will nur wortspielen

16. 1. 2014

Christian Morgenstern:
Der Werwolf

Ein Werwolf eines Nachts entwich
von Weib und Kind und sich begab
an eines Dorfschullehrers Grab
und bat ihn: “Bitte, beuge mich!”

Der Dorfschulmeister stieg hinauf
auf seines Blechschilds Messingknauf
und sprach zum Wolf, der seine Pfoten
geduldig kreuzte vor dem Toten:

“Der Werwolf”, sprach der gute Mann,
“des Weswolfs, Genitiv sodann,
dem Wemwolf, Dativ, wie mans nennt,
den Wenwolf, – damit hats ein End.”

Dem Werwolf schmeichelten die Fälle,
er rollte seine Augenbälle.
“Indessen”, bat er, “füge doch
zur Einzahl auch die Mehrzahl noch!”

Der Dorfschulmeister aber musste
gestehn, dass er von ihr nichts wusste.
Zwar Wölfe gäbs in großer Schar,
doch “Wer” gäbs nur im Singular.

Der Wolf erhob sich tränenblind –
er hatte ja doch Weib und Kind!!
Doch da er kein Gelehrter eben,
so schied er dankend und ergeben.

Hier besonders an >N< gedacht, mit Dank für die Erinnerung an dieses wertvolle Gedicht, indem sie eine Kopie zur Erweiterung der Kulturbildung für sich, die nachwachsende Generation und eventuell bedürftige Gäste an die Toiletteninnentür geheftet hat. (Und sowieso Dank auch für den Austausch. Ist eigentlich klar, nur nicht allen Leserinnen und Lesern. ;) )

Die wirklich praktischen Leute

30. 10. 2013

Ein Gedicht von Christian Morgenstern

Es kommen zu Palmström heute
die wirklich praktischen Leute,

die wirklich auf allen Zehen
im wirklichen Leben stehen.

Sie klopfen ihm auf den Rücken
und sind in sehr vielen Stücken –

so sagen sie – ganz die Seinen.
Doch wer, der mit beiden Beinen

im wirklichen Leben stände,
der wüsste doch und befände,

wie viel, so gut auch der Wille,
rein idealistische Grille.

Sie schütteln besorgt die Köpfe
und drehn ihm vom Rock die Knöpfe

und hoffen zu postulieren:
er wird auch einer der Ihren,

ein Glanzstück erlesenster Sorte,
ein Bürger, mit einem Worte.

Nach über 100 Jahren immer noch aktuell.


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