Posts Tagged ‘Blick’

Vorgefertigte Liturgie hält auf Distanz

7. 11. 2013

Sie wusste, es geht aufs Sterben und sie ließ mich rufen um das Abendmahl zu bekommen. Da bin ich nun.

Sie liegt im Bett. Schmales Gesicht,  spitzes Kinn – ja, sie weiß es. Sie ist bei vollem Bewusstsein.

Am Bett sitzt neben der Tochter eine alte Freundin. Sie ist da, auch wenn das Reisen ihr Mühe macht. Wir feiern eine kleine Feier zu Viert. Sehr dicht.

Am Schluss spüre ich: Die Sterbende braucht einen eigenen Zuspruch, bevor ich mit dem Segen schließe. Ich spreche das an. Sie ist einverstanden und blickt zu mir auf. Ich fasse ihre Rechte, lege ihr die Linke aufs Haupt.  Sie schaut mich mit großen Augen an. Schaut und schaut, sie ist nur Blick. Ich schaue zurück, mein Blick weicht nicht aus. Sie hält meine Hand fest. Ich spreche ein Segenswort. Sie schaut und schaut. Fester Griff in meiner und ihrer Hand. Eine Träne kullert ihr die Wange herab, wir schauen uns weiterhin an. Weitere Tränen kommen still. Ich höre links von mir ein Schniefen, bald auch ein zweites. Und merke, meine Augen werden feucht, bei mir kullert es auch.

Nach einer Weile setze ich mich wieder auf meinen Stuhl. Die alte Freundin zieht die Brille ab und wischt sich mit einem Taschentuch die Augen. Ich tu es ihr gleich.

Schließlich fassen wir uns an den Händen, ich spreche den Segen. Wieder halte ich die Hand der alten Frau. Wieder schauen wir uns an, lange.

Was erspart man sich doch, wenn man sich an die vorgefertigte Liturgie hält.

Liebe und Verhütung

26. 8. 2013

Genauer: Unfallverhütung – sie wäre so einfach, doch Liebe macht blind für die Gefahren und die Verkehrserziehung ist für die Katz. Ein bedauerliches Ende, was ja alles wieder vermüllt, was in drei und dreiviertel Minuten aufgebaut ist.

John Newman, Love me again plus Schrecksekunde

Und wie man es im Radio sehen kann.

Ich wünsche euch einen guten Start in die Arbeitswoche, mit klarem, unverstellten Blick auf alles, was auf euch zukommt!

Traurig, schwungvoll, was denn nun?

1. 7. 2013

Mit schmachtendem Blick singt uns Tom Odell sein trauriges Ständchen („Another Love“). Dabei ist der Rhythmus so flott und die Emotion so groß. Ein bisschen autistisch und selbstmitleidig schaut sich das an: Während seine künftige Ex an ihm dran ist oder um ihn herumfegt, trällert er sein trauriges Lied an ihr vorbei und blickt nur – zu uns. Danke, lieber Tom, wäre nicht nötig gewesen. Singen liegt dir wohl mehr als Beziehung retten? In den Chor passe ich auch nicht. Also lasse ich das Ganze ablaufen:

Wer nur den Ton nimmt: Das lässt sich gut hören. Doch ich schau in das Gesicht von Tom Odell und ahne: Schmächtig kommt von schmachten. Und zugleich weiß ich, ohne Ironisieren halte ich die Reize für dramatische und große Gefühle nicht aus. Nicht zu Beginn einer Arbeitswoche, dieser Arbeitswoche.

Lasst euch berühren, blickt in die Augen des Gegenübers und kommt gut voran!

Sehen, Hören

5. 1. 2013

Losung für heute:

Ein hörendes Ohr und ein sehendes Auge, die macht beide der HERR.
Sprüche 20, 12

Zuhören können und den richtigen Blick haben sind Gaben, Begabungen. Ein bisschen lässt es sich üben. Der Seelsorgekurs im Vikariat war da wegweisend: Nicht einfach drauflosreden, nachdem der erste Eindruck gesammelt ist. Warten, Zuhören, Fragen stellen.

Viel bringt die Lebenserfahrung, vor allem den richtigen Blick, das sehende Auge. Aber es richtig einsetzen, so, dass es etwas bewirkt – das ist eine Gabe, eine Begabung. Gott macht’s, meine ich.


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