Posts Tagged ‘Besuch’

Alte Wege

30. 1. 2015

Wochenends, Abend, im Winter, nach acht. Dass jetzt jemand noch klingelt. Der Vater öffnet. Ein junger Mann steht vor der Tür.

Jetzt noch eine milde Gabe? Von wegen. Er wolle fragen, ob der Sohn nicht auch auf dieselbe Fete wolle, er könne ihn mitnehmen. Der Sohn kommt die Treppe herunter, ist überrascht. „Hättest du nicht vorher eine Nachricht schicken können?“ Ja, SMS und WhatsApp kann er gut, der Sohn. Der Vater schmunzelt und kann sich nicht zurückhalten: „Ja, das ist voll die Achtziger. Da ist man auch einfach so vorbeigekommen.“
Der junge Mann legt noch eins drauf und sagt: „Ich mache das auch gern so.“

Manches geht, scheint’s, nicht verloren.

Zahlenspiel

3. 7. 2013

Heute hat dieser Blog 250.000 Aufrufe erreicht.
Ein bisschen freut mich das. 🙂 Danke fürs Interesse!

Seit September 2008 gibt es hier Beiträge, mit diesem insgesamt 1.358.
Und fast 26.00 Kommentare sind hier eingetroffen. Danke an alle! Ihr habt das Leben dieses Blogs bereichert.

Im Durchschnitt hat jeder Beitrag 184 Aufrufe und bekommt 19 Kommentare. Statistik halt. 😉

Ein Vormittag nur, aber nicht wie jeder andere

9. 1. 2013

Auf geht es zu meiner Lieblingsschule, an der ich wieder ab acht Uhr zwei Stunden Religion unterrichten darf.
Ich erfahre so nebenbei, was die Kinder der 3./ 4. Klasse zum Jahreswechsel gemacht haben und was die Kinder der 1. und 2. zu Weihnachten geschenkt bekamen.

Zur Frühstückspause findet Lena im Ranzen ihre Armbanduhr wieder – auch ein Geschenk. Sie hatte munter eine Fülle aufgezählt, was unterm Baum lag. Da guckte Manuel etwas enttäuscht – er hatte nur ein Stofftier bekommen – aber was für eins (ich habe es gesehen): Einen Riesenelchkopf, den er sich wie ein Geweih an die Wand hängen kann. Nur eben wuschelig und nicht knochig. Sachen gibt’s.

Nach Kaffee und obligatorischen Schwatz im Lehrerzimmer geht es auf dem weiteren Weg in den Heimatort noch schnell beim Ehepaar S. vorbei. Die Frau hat mehrere chronische Krankheiten. Sie und ihr Mann freuen sich über den Besuch.

Dann noch eine weitere Station: Vor fünf Wochen hatte Herr K. Geburtstag, nun seine Frau. Als ich sie begrüße, ist nicht fröhlich. Die Sorgenfalten auf der Stirn gelten ihrem Mann, der zur Zeit bettlägerig ist und gerade schläft. Da will ich nicht lange stören.

Zu Hause erwarten mich drei Nachrichten, Rückrufe sind fällig:

Mit dem ersten Rückruf bestätige ich einen Termin, bei Nummer Zwei vereinbare ich übers soziale Netzwerk ein Telefonat zur Abendstunde.

Schnell noch nach den Mails geschaut und mit der Bürofrau geklärt, was in die örtlichen Mitteilungsblätter gesetzt wird.

Das dritte Anruf hat Gewicht: Da hat eine Familie, die ich ganz gut kenne, seit ein paar Monaten Frau Scharf zur Nachbarin. Und die kenne ich auch: Sie hat jetzt innerhalb von fünf Jahren die vierte Wohnung. Bei zweien habe ich ihre Version mitbekommen, warum sie ausziehen musste, die Geschichten eigneten sich als Drehbücher für Provinz-Tatorte. Während sie bei der ersten Adresse gegen die Mafia gekämpft hatte und die Polizei ein Hehlernest ausnehmen konnte, hatte sie in der zweiten gegen Wucher und Mietermobbing zu kämpfen. Bei Nummer drei verlor sich ihre Spur.

Nummer vier sollte bald verlassen werden, weil die bislang verstoßene Tochter aus idar-Oberstein einen Umzugswagen schicken wollte. Frau Scharf sitzt seit Tagen auf gepackten Koffern und gefüllten Umzugskartons. Jetzt wollte sie, weil der Umzug doch nun wirklich bald käme, die Tiefkühltruhe abtauen – trotz Inhalt…

Was kann man von außen tun? Soweit ich weiß, sehr wenig. Ich bot an, mich beim örtlichen Pflegestützpunkt zu erkundigen, die haben so was öfter. Und mich beschäftigt das schon länger, denn als vor Jahren jemand in der Familie wegen Demenz in ein Heim ziehen sollte, war genau das die Frage.

Ich erhielt die gewünschte Antwort: Der sozialpsychiatrische Dienst hat einen Mitarbeiter, der auf Hinweise hin Besuche macht. Das teilte ich den kümmernden Nachbarn mit – und siehe da, der Name des Mitarbeiters war aus Frau Scharfs Mund schon gefallen.

Das letzte Gespräch am Telefon: Bei einen verurlaubten Arbeitsbereich hatte die Vertretung gestern absagen müssen; ich bekomme mit nur einem Anruf die Vertretung der Vertretung. Einiges organisatorisch geklärt und nebenher noch dies und das besprochen.

Zwölf Uhr dreißig. Gut, dass nicht jeder Vormittag so ist!

Hauptsache…

7. 1. 2011

Das Geburtstagskind saß auch in diesem Jahr am Tisch. Wie letztes Jahr schaute sie mich schräg von der Seite an: „Wer sind Sie? Kenne ich Sie?“ Ich stelle mich vor, gratuliere, wir kommen ins Gespräch. Ich erwähne noch einmal ihr Alter. „Ja,  so alt wird kein Schwein“, sagt sie.Wir lachen.

Und dann meint sie – und dabei tippt sie sich an die Stirn: „Hauptsache, da oben ist noch alles in Ordnung.“ Ich stimme ihr zu.
Denselben Satz wiederholt sie in den nächsten drei Minuten noch zwei Mal.


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