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Die Heiligen

1. 11. 2013

Eine Andacht für den Pfarrkonvent, 2012 geschrieben und für diesen Tag aufgehoben. Ein echter Feiertag für mich.

AUGSBURGER BEKENNTNIS,
ARTIKEL 21:VOM DIENST DER HEILIGEN

Vom Heiligendienst wird von den Unseren so gelehrt, dass man der Heiligen gedenken soll, damit wir unseren Glauben stärken, wenn wir sehen, wie ihnen Gnade widerfahren und auch wie ihnen durch den Glauben geholfen worden ist; außerdem soll man sich an ihren guten Werken ein Beispiel nehmen, ein jeder in seinem Beruf. […]  Aus der Heiligen Schrift kann man aber nicht beweisen, dass man die Heiligen anrufen oder Hilfe bei ihnen suchen soll. „Denn es ist nur ein einziger Versöhner und Mittler gesetzt zwischen Gott und den Menschen, Jesus Christus“ (1.Tim 2,5). Er ist der einzige Heiland, der einzige Hohepriester, Gnadenstuhl und Fürsprecher vor Gott (Röm 8,34). Und er allein hat zugesagt, dass er unser Gebet erhören will. Nach der Hl. Schrift ist das auch der höchste Gottesdienst, dass man diesen Jesus Christus in allen Nöten und Anliegen von Herzen sucht und anruft: „Wenn jemand sündigt, haben wir einen Fürsprecher bei Gott, der gerecht ist, Jesus“ ( 1. Joh 2,1) usw.

HEIDELBERGER KATECHISMUS
Frage 55

Was verstehst du unter der »Gemeinschaft der Heiligen«?

Erstens:
Alle Glaubenden haben als Glieder
Gemeinschaft an dem Herrn Christus
und an allen seinen Schätzen und Gaben.

Zweitens:
Darum soll auch jeder seine Gaben
willig und mit Freuden
zum Wohl und Heil der anderen
gebrauchen.

Wir wissen es: die Heiligen sind Beispiele.

Wir beten sie nicht an, verehren sie auch nicht.
Der katholische Heiligenkalender hat ja für jeden Tag mindestens 3 Heilige, eine Auswahl von über tausend Menschen, die alle schon nicht mehr leben und vorbildlich für uns sein können. Aber da wir es nicht mit der katholischen Tradition haben, haben wir es auch nicht so mit den Heiligen, selbst mit denen vor dem Jahr 1517.(Ausnahmen gibt es, etwa Martin, Nikolaus und Franz von Assisi.)

Wir Evangelischen haben ja zahllose andere Beispiele, die wir als Heilige anführen, wie etwa Dietrich Bonhoeffer, Mutter Theresa, Martin Luther King, ja Moment wer noch? Vielleicht noch Albert Schweitzer. Oder war das Albert Einstein, irgendwie sehen die sich so ähnlich, volles graues Haar und Schnauzbart…

und … ja, richtig, Dietrich Bonhoeffer und Mutter Theresa.

Für Experten gibt es ja doch mehr, sie stehen zum Beispiel unter heiligenlexikon.de

Dorothee Sölle hat in ihren Bibelarbeiten mit Luise Schottroff immer wieder „moderne Heilige“ gesucht, aus den letzten Jahrzehnten: Menschen, die die Befreiung vorgelebt haben. Menschen, die „dem Terrorsystem der Sünde nicht mehr untertan waren“ (Die Erde ist des Herrn, 1984). Ganz so, wie es der Heidelberger Katechismus beschreibt: sie lassen uns teilhaben an ihren Schätzen und Gaben.

Aber ob man sie wirklich nicht verehren darf? Ich habe da eine irritierende Erfahrung gemacht. (Ich meine diesen Beitrag.) Und ich kann sie mir wunderbar psychologisch erklären. (Wie auch das Wunder von Ostern.) Aber sie erst einmal mitzumachen war auch wunderbar.

Das erschüttert nur, wenn Sex Sünde ist

20. 9. 2012

Da sind der Spekulation Tor und Tür geöffnet: Ein koptisches Papyrus-Schnipselchen erregt die (eher: manche) Gemüter: „Jesus sagte ihnen: ‚Meine Frau…‘ “ Schon zu Ende. Was hat das zu bedeuten?
Die Professorin Karen L. King hat den Schnipsel aufgetan. Dabei lag auch eine handschriftliche Notiz (undatiert, aber wohl aus den Neunzigern): „Professor Fecht glaubt, dass der kleine ca. 8 cm große Papyrus das einzige Beispiel für einen Text ist, in dem Jesus die direkte Rede in Bezug auf eine Ehefrau benutzt. Fecht meint, dass dies ein Beweis für eine mögliche Ehe sein könnte.“

Gut berichtet die Süddeutsche darüber. Und hier sind mal eben 52 Seiten von Frau King verfasst, für die Spezialisten.

Bewiesen ist jetzt nichts. aber mal angenommen, man fände den Beweis, dass Jesus eine Frau gehabt habe. Was wäre daran welterschütternd? Nichts. Anders ist es, wenn jemand Sexualität für Sünde hält. Dann gerät das Heilandsbild ins Wanken.

Angenommen,  man fände den Beweis, dass Jesus eine Frau gehabt habe: Was ändert das an Kreuz und Auferstehung? Nichts. Jesus hat auch seine Mutter und seine Geschwister zurückgelassen und das hat niemanden beeindruckt. Nur hinterher, nach Ostern: Da hatte Maria vermutlich und Jakobus, der Bruder, ziemlich sicher eine hervorragende Stellung in der Jersualemer Gemeinde.

Und Dan Brown? Der hat auch nichts Neues gesagt. Steht alles schon bei Albert Schweitzer, in der „Geschichte der Leben-Jesu-Forschung“ .

Also entweder kalter Kaffee oder koffeinfrei. Dann lieber mit einer Tasse frisch gebrühtem Espresso dasitzen und den „schönen Glanz Gottes“ bestaunen.

Musik per Knopf im Ohr

27. 2. 2012

Was gab es nicht vor 20 Jahren? – 9 –
MP3-Player

Musik durch Knöpfe im Ohr und Abspielgeräte kleiner als eine Streichholzschachtel – das gab es früher vielleicht in Science Fiction. Nun gibt es das in echt.

In den letzten 100 Jahren hat sich die Art des Musikabspielens massiv verändert, Dauer-Revolution oder permanente Evolution, egal wie man es nennt.

Ich erinnere mich an einen Brief Albert Schweitzers von 1959/ 60, als einige Bachstücke auf Stereo eingespielt worden waren*. Er war ja begeistert, bei Bedarf „überall und zu jeder Zeit“ Musik abspielen zu können. Und er erinnert sich an seine Jugendzeit, in der man manchmal lange warten musste, ein geliebtes Stück noch einmal zu hören.

Und jetzt kann man diese Musik einfach so mit sich herumtragen, sie ständig hören – und andere kriegen möglicherweise nichts davon mit.

*: Albert Schweitzer, Leben, Werk und Denken (…) Mitgeteilt in seinen Briefen; Heidelberg 1987; Seite 286f


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