Archive for the ‘Aus Pfarrers Tagebuch’ Category

Über die Gutehirtenarbeit

15. 5. 2015

Jesus Christus spricht
„Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie –, denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe.“

Jesus grenzt sich hier vom Mietling ab. Einer Bezahlkraft. Die kennt ihre Grenzen. Und deshalb ist der Mietling auch eine Figur unserer Gegenwart. Wir leben davon, dass Aufgaben begrenzt sind, dass wir die Fülle der Aufgaben auf viele verteilen und jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten arbeiten soll und darf. Denn wenn man die Grenzen nicht erkennt, dann drohen Gefahren, für die eigene Gesundheit und möglicherweise auch für die anderer.

Ohne Grenzen geht das Engagement verloren. Wir sind nicht mehr mit Herzblut bei der Sache. Wir ziehen die Grenze, wir gehen davon, weil unsere Arbeitszeit herum ist. Wir dürfen bei Gefahr davon.

Doch ein Hirte muss sich mit seiner Arbeit identifizieren. Sonst übersieht er Gefahren. Dann kommt der Wolf. Das Böse, die Zerrissenheit, der Zank, die Zerstreuung, Vereinzelung und und…

Es ist die Frage, ob die Hirtenarbeit und vor allem die „Gutehirtenarbeit“ mit unseren Arbeitsverträgen zu vergleichen ist. Man kann darüber nachdenken. Es geht, meine ich, noch um eine andere Ebene, um den Glauben, um unser Herz. Und da können wir keine Grenze ziehen, da gibt es kein „Hammer fallen lassen, die Zeit ist um“. Der Glaube mag halbherzig sein, aber es geht ihm um den ganzen Menschen.

Und da sorgt sich kein anderer so gut um uns wie der GUTE HIRTE höchstselbst.

(Aus einer Predigt über Johannes 10, 11-16; 19.04.15, Sonntag vom Guten Hirten)

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und nun und dann

11. 3. 2015

als sie noch munter war
jahre her
reichte ein blinzeln
ein augenaufschlag
und wir verstanden uns
sie die alte frau
und ich

und nun
am sterbebett
über sie gebeugt
die hände aufgelegt
gesegnet
abschiedsworte gesprochen
und dank
mit den händen über die haare
ihre augen nur geschlossen
durch die schwäche hindurch
kam etwas
ein paar mal
ein raunen

hingesetzt
mit den tränen gekämpft
und sie gewinnen lassen
zusammen mit der familie

es ist nicht bei jedem so
sagte ich
da war die gleiche wellenlänge
ich habe sie gern gehabt

und dann
war alles
dem EINEN
anvertraut
einfach so

und sie war
ganz ruhig
gegangen

Heißest du etwa Weihnachtsmann?

27. 12. 2014

Nein, natürlich nicht, auch wenn mein Nachname so ähnlich klingt. Doch kurz vorm Fest lass ich es mir nicht nehmen, einige Menschen mit einem Päckchen zu überraschen: die Austräger des Gemeindebriefs.

Da und dort Begegnungen:  zufällig läuft einer – aus einer ganz anderen Ecke der Gemeinde – an mir vorbei, als ich gerade etwas in einen Briefkasten anderer Leute lege. Wir begrüßen uns, und seine Wanderjacke hat weite Taschen; Platz genug für das Geschenkchen.
Bei Herrn und Frau M. klingel ich, um mich vom frischen Zustand des getauften Kindes zu überzeugen. Glück gehabt, denn kurze Zeit später wären sie unterwegs gewesen zu den Eltern.
Ein paar Straßen weiter erreiche ich Frau P. Glück gehabt, denn kurze Zeit vorher war sie noch beim Einkauf.
Zuletzt bei Ehepaar D. Vor ein paar Jahren hatte es eine schwere Erkrankung gegeben. Und jetzt: ein gutes und heiteres Gespräch. Gut, dass ich vorbeigekommen bin.

Auch woanders hätte ich vorbeischauen können. Über 70 Kilometer an zwei Tagen bin ich herumgefahren. Ohne Weihnachten hätte ich mehr Zeit gehabt. Ohne Weihnachten wäre ich gar nicht herumgefahren.

Tannengrüner Lichtblick

20. 12. 2014

Jedes Jahr ist’s eine Wonne: Die Weihnachtsfeier der kommunalen Kindertagesstätte in der romanischen Kirche. Fröhliche Kinder, teils aufgeregt, weil sie etwas aufführen; ein motiviertes Team; interessierte Eltern und Familien. Auch dieses Mal begrüßt mich fröhliches Lachen und aufgeregtes Kribbeln in der Luft. Hier bin ich wieder gerne dabei.

Zentral ist ein Anspiel. Umrahmt von der Hoffnung auf Licht und Leben. Ich erzähle vom Volk im Finstern und dem Warten auf das Licht. Vom Leben erweckenden Jesus.

Dieses Jahr ist eines anders: Die ErzieherInnen spielen – für die Kinder. Fröhlich und mit Lust am Darstellen. Das kleine Anspiel erzählt vom armen kleinen Tannenbaum, der so gerne zu Weihnachten in einem Wohnzimmer stehen und geschmückt sein möchte. Und so lange darauf warten muss, bis ihn ein Vater mit seinem Kind nach Hause holt und den Baumtraum erfüllt.

Für mich „O-Tannenbaum-Geschädigten“ ein Lichtblick. Froh macht mich das.

Und, meine Güte, die waren so gut in ihren Rollen, das war doch kein Zufall? Hinterher, bei Plätzchen und Kaffee, frage ich nach: Nein, im Team gibt es theaterpädagogische Ausbildung. Erfolgreich an die anderen weitergegeben. Toll. Und Danke! Von Herzen.

Fremdsprache am Rande der Vorstellungskraft

11. 10. 2014

„Eine Schrift, die von rechts nach links geht? Die gibt es nicht,  das geht doch nicht.“
Kind, 10 Jahre, als ich etwas über die hebräische Sprache erzählte

ein tag

26. 9. 2014

oder: gott zum gruß, letztes mal, im rückspiegel
auch für gabi schuffert 😉
und für manche andere

diese betrachtung liegt ein paar monate zurück.

tag 1
7:30 aus dem haus
8 – 9:20 schule
10 – 12 pfarrkonvent 26 km entfernt
12:40 zu hause, 14:25 ab zur vakanzgemeinde
15-16 vorkonfirmanden
16:30 – 17:30 eigentlich sprechstunde, die ich lieber bei der kindergruppe verbringe
18 – 19 konfirmanden

19:15 – 19:35 zuhause
20:00 – 21:30 ökumenischer kreis in der 1. gemeinde

tag 2
17:15 aus dem haus
18:00 – 21:00 ein arbeitksreis des kirchenkreises
21:40 zuhause

ein tag
der zu voll ist

und dann ein tag
fast nur am schreibtisch

ich finde das ungesund
und bin froh
dass es begrenzt ist

das war mitten im treiben bei den nachbarn.
es hat ein ende gefunden und wie bin ich froh, stress herum.
manches andere bleibt im herzen.

Neu auf der Liste

20. 2. 2014

Da sitzt er vor mir, ein Häufchen Elend, ich könnte mit ihm heulen. Hampelt an Geschichten herum, die Jahre her sind. Hat vieles erlebt und wenig erreicht. Hat Wunden und Striemen an der Seele.

Die Tränen: Trauer, Wut, Enttäuschung. Kein Frieden. Eine um die andere Baustelle tut sich auf. Wo kriegt er Hilfe? Läuft er in einen dunklen Trichter? Liegt der Trichter nicht im Dunkeln, weil Licht Schatten wirft? Er kann das Licht nicht sehen.

O Gott. Alle Hebel möchte ich in Bewegung setzen, und ich weiß, meine Kraft reicht nur für wenige kleine. Du am längeren Hebel, nimm ihn in deine Hut. Er ist eine Kaktusbeere. Er sieht nur seine Stacheln und spürt die süße Frucht nicht. Wer kann ihm die Dornen nehmen, die nach innen gewachsen sind? Du? Bitte schnell.

Vase face. Painted by Emil 2005. {{GFDL}}

Zu Hause nicht zu Hause

14. 11. 2013

Weit in die Achtzig ist sie, die russlanddeutsche Frau. Sie trägt nach alter Sitte Kopftuch. Ihr Kopf wackelt ständig, Parkinson. Traurig wirkt sie.

Wir sitzen in ihrem Zimmer, eine Tochter gesellt sich dazu, wir reden über die Enkel und Urenkel der Alten.

Zum Schluss hin möchte ich etwas Aufmunterndes dalassen. Ich sag ihr, ich hoffe sie nächstes Jahr, bei ihrem nächsten Geburtstag wiederzusehen.

Die Frau schüttelt deutlich wahrnehmbar ihrem Kopf. Gedehnt sagt sie „Nein!“ Pause. Hör ich richtig? Ich schaue sie an. „Ich will nach Hause.“

Noch nie habe ich jemanden das so deutlich aussprechen hören. Ich verstehe und innerlich verneige ich mich vor ihr.

Vorgefertigte Liturgie hält auf Distanz

7. 11. 2013

Sie wusste, es geht aufs Sterben und sie ließ mich rufen um das Abendmahl zu bekommen. Da bin ich nun.

Sie liegt im Bett. Schmales Gesicht,  spitzes Kinn – ja, sie weiß es. Sie ist bei vollem Bewusstsein.

Am Bett sitzt neben der Tochter eine alte Freundin. Sie ist da, auch wenn das Reisen ihr Mühe macht. Wir feiern eine kleine Feier zu Viert. Sehr dicht.

Am Schluss spüre ich: Die Sterbende braucht einen eigenen Zuspruch, bevor ich mit dem Segen schließe. Ich spreche das an. Sie ist einverstanden und blickt zu mir auf. Ich fasse ihre Rechte, lege ihr die Linke aufs Haupt.  Sie schaut mich mit großen Augen an. Schaut und schaut, sie ist nur Blick. Ich schaue zurück, mein Blick weicht nicht aus. Sie hält meine Hand fest. Ich spreche ein Segenswort. Sie schaut und schaut. Fester Griff in meiner und ihrer Hand. Eine Träne kullert ihr die Wange herab, wir schauen uns weiterhin an. Weitere Tränen kommen still. Ich höre links von mir ein Schniefen, bald auch ein zweites. Und merke, meine Augen werden feucht, bei mir kullert es auch.

Nach einer Weile setze ich mich wieder auf meinen Stuhl. Die alte Freundin zieht die Brille ab und wischt sich mit einem Taschentuch die Augen. Ich tu es ihr gleich.

Schließlich fassen wir uns an den Händen, ich spreche den Segen. Wieder halte ich die Hand der alten Frau. Wieder schauen wir uns an, lange.

Was erspart man sich doch, wenn man sich an die vorgefertigte Liturgie hält.

Warum muss Alfred sterben?

27. 9. 2013

Und wieso hört die Fete auf, wenn es am schönsten ist?

So sind die Konfis: Sind nicht mit den Kirchenliedern vertraut. Während der Eingangsliturgie wird „Allein Gott in der Höh sei Ehr“ gesungen.

Etwa so:

Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr‘
und Dank für seine Gnade,
darum dass nun und nimmermehr
uns rühren kann kein Schade.
Ein Wohlgefall’n Gott an uns hat,
Nun ist groß‘ Fried‘ ohn‘ Unterlass,
all‘ Fehd‘ hat nun ein Ende.

Wir sind Fehden nicht mehr gewohnt. In den Neunzigern wunderten sich die KonfirmandInnen, warum die Fête endet, wo doch gerade jetzt die Gnade gefeiert wird. Die Anfrage war ernst gemeint. 😯

Vor einigen Tagen sangen die Konfis – wohl wissend, was es bedeutet! – „Alfred hat nun ein Ende“. Armer Kerl, dieser Alfred, wirklich.

Wenn die Worte fehlen

11. 6. 2013

wenn die worte fehlen
schweig ich halt

dumm nur
dass ich jetzt
eine predigt schreiben muss

Kein leichter Weg für Jakob und für dich

29. 5. 2013

Schulentlassung an der Förderschule. Das Leitmotiv des Gottesdienstes: Steine oder Rosen auf dem Weg.

1. Mose 28, 10 – 18

Dieser Weg wird kein leichter sein, Jakob.
Dieser Weg wird steinig und schwer.

Denn jetzt läufst du weg von deinem Vater, von deinem Bruder, die du betrogen hast. Wo ist dein Segen jetzt?

Du bist auf der Flucht, Jakob, sieh hin. Noch so jung – und schon am Ende.

Hast du dir das nicht selber eingebrockt? Den Bruder so lange gereizt, bis es ihm zu viel wurde. Hast ihn betrogen und den Vater dazu.

Kein leichter Weg. Du weißt nicht was, aus dir wird. Ob deine Ausbildung glückt. Ob alles im Beruf gelingt. Liegen Steine auf dem Weg oder Rosen?

Ach, hör auf für heute, Jakob. Dein Weg wird weitergehen. Heute ist es genug. Heute sind es keine Rosen, heute ist es ein Stein, er wird dein Kopfkissen sein.

Dieser Jakob, Betrüger, Flüchtling, er legt seinen Kopf auf den Stein und träumt. Einen Traum von Gott:
Gott ist nah, wohliges Glück. Und Gott verspricht ihm eine große Zukunft: sein Glück und das Glück der Kinder und Kindeskinder über Jahrhunderte. Aus dem Stein, dem kleinen Felsbrocken, wächst ein Traum, und der Traum führt in den Himmel.

Ob es bei euch auch so wird? Ob eure Träume wahr werden? Ausbildung, Beruf, Familie? Oder wird der Alltag erdrücken? Steine statt Rosen?

Jakob benutzt den Stein, die Stolperfalle, als Kopfkissen. Er gibt dem Stein einen anderen Sinn. Er deutet ihn anders, er verwendet ihn zu seinem Nutzen.

Das ist erlaubt. Für mein Leben nenne ich das: Aus Fehlern lernen. Und: Das Stolpern ist nicht mein letzter Schritt. Ich gehe weiter.

Und noch wunderbarer: Auf dem harten Stein träumt Jakob einen wunderschönen Traum. Träume verraten unsere innersten Wünsche und Ängste, unsere Sorgen und Hoffnungen. Und Träume kommen von Gott, weil sie aufdecken, was in uns verborgen ist.

Jakob: Sein Wunsch groß herauszukommen, wird sein Leitstab. Er ist gerade heimatlos geworden und fühlt sich trotzdem beschützt.

Beschützt sein, gesegnet: Eure Augen sollen die Rosen auf dem Weg entdecken können. Auch ihr geht euren Weg, immer selbständiger, und trotzdem seid ihr beschützt. Das ist doch stark! Das kann die Augen öffnen: für Hilfen, die ich kriege, von Freunden, Verwandten, Lehrern, Bekannten. Auch durch sie arbeitet Gott.

Dieser Weg, euer Weg wird leichter.

Bei Jakob wissen wir, wie er weitergeht: Er kommt zu Ehre und Ansehen und kehrt 20 Jahre später zurück, um sich mit seinem Bruder zu versöhnen. Reich ist er, Familie hat er. Aber er hat Angst vor diesem Wiedersehen. Bevor sie sich treffen, stellt sich Gott ihm in den Weg. Eine ganze Nacht kämpft er, Jakob ist stark und kann die Oberhand behalten. Aber im Weggehen schlägt Gott ihn an die Seite. Und verspricht Jakob wieder Segen und Zukunft.

Das Leben wird seine Spuren hinterlassen. Aber eure Träume bringen euch nach vorne. Ihr habt Hilfen, manchmal müsst ihr nur eine Nacht drüber schlafen, dann könnt ihr sie entdecken.

Gott segne euch.

Fortbildung 3: Wie kriegen wir das hin?

5. 2. 2013

Vorletzte Woche war ich auf einer Fortbildung zum Thema Gottesdienst.

Wo steht der Liturg oder die Liturgin beim Gottesdienst: Vor oder hinter dem Altar? Unfreiwillig komisch geriet die Äußerung:

„Bei uns wird das Abendmahl von hinten eingeleitet.“

Da möchte man lieber nicht dabeisein. :mrgreen:

Wenn Bibelleser sterben, ein zweiter Teil

1. 2. 2013

Der alte Herr ist in den Neunzigern gewesen und blieb bis auf den letzten Tag frisch im Kopf.

Kurz vor seinem neunzigsten Geburtstag treffe ich ihn auf der Straße, frage, wie es ihm geht. Er antwortet: „Der Psalm sagt doch: ‚Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn’s hoch kommt, so sind’s achtzig Jahre.'“ Und er ergänzt lachend: „Um fast zehn Jahre habe ich mein Konto überzogen, ich lebe auf Pump.“

Wenn Bibelleser sterben

29. 1. 2013

Am 29. Dezember kam er auf Intensiv. Erst sah es gut aus. Dann ging es ganz plötzlich bergab mit allem und so ist der alte Herr aus der Welt gegangen.

Abends, beim Gespräch im Haus des Verstorbenen:

„Wissen Sie, was wir unter anderen Papieren auf seinem Schreibtisch gefunden haben?“

Ich bekam einen Andachtskalender zu sehen.
Obenauf das Kalenderblatt vom 28. Dezember.
Oben stand:

Simeon sprach: Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast.
Lk 2, 29

Es traf, dieses Wort.

Freiluftzimmer mit Aussicht oder: Asbach21

16. 1. 2013

Nicht nur, weil ich es dem symbadischen Blog- und Berufskollegen versprochen habe: Der kaputte Kindergarten in Asbach, als die Renovierungsarbeiten ihrem Namen äußerlich keinen Ehre machten:

Kindergarten mit Aussicht

Sondern auch, weil heute offiziell die Wiedereröffnung gefeiert wird. (Ab 15:00 Uhr.) Das freut: Die Provisorien sind herum, die Belastungsprobe fürs Gemeindehaus hat ihr Ende gefunden. Aufatmen… 🙂

Ein Vormittag nur, aber nicht wie jeder andere

9. 1. 2013

Auf geht es zu meiner Lieblingsschule, an der ich wieder ab acht Uhr zwei Stunden Religion unterrichten darf.
Ich erfahre so nebenbei, was die Kinder der 3./ 4. Klasse zum Jahreswechsel gemacht haben und was die Kinder der 1. und 2. zu Weihnachten geschenkt bekamen.

Zur Frühstückspause findet Lena im Ranzen ihre Armbanduhr wieder – auch ein Geschenk. Sie hatte munter eine Fülle aufgezählt, was unterm Baum lag. Da guckte Manuel etwas enttäuscht – er hatte nur ein Stofftier bekommen – aber was für eins (ich habe es gesehen): Einen Riesenelchkopf, den er sich wie ein Geweih an die Wand hängen kann. Nur eben wuschelig und nicht knochig. Sachen gibt’s.

Nach Kaffee und obligatorischen Schwatz im Lehrerzimmer geht es auf dem weiteren Weg in den Heimatort noch schnell beim Ehepaar S. vorbei. Die Frau hat mehrere chronische Krankheiten. Sie und ihr Mann freuen sich über den Besuch.

Dann noch eine weitere Station: Vor fünf Wochen hatte Herr K. Geburtstag, nun seine Frau. Als ich sie begrüße, ist nicht fröhlich. Die Sorgenfalten auf der Stirn gelten ihrem Mann, der zur Zeit bettlägerig ist und gerade schläft. Da will ich nicht lange stören.

Zu Hause erwarten mich drei Nachrichten, Rückrufe sind fällig:

Mit dem ersten Rückruf bestätige ich einen Termin, bei Nummer Zwei vereinbare ich übers soziale Netzwerk ein Telefonat zur Abendstunde.

Schnell noch nach den Mails geschaut und mit der Bürofrau geklärt, was in die örtlichen Mitteilungsblätter gesetzt wird.

Das dritte Anruf hat Gewicht: Da hat eine Familie, die ich ganz gut kenne, seit ein paar Monaten Frau Scharf zur Nachbarin. Und die kenne ich auch: Sie hat jetzt innerhalb von fünf Jahren die vierte Wohnung. Bei zweien habe ich ihre Version mitbekommen, warum sie ausziehen musste, die Geschichten eigneten sich als Drehbücher für Provinz-Tatorte. Während sie bei der ersten Adresse gegen die Mafia gekämpft hatte und die Polizei ein Hehlernest ausnehmen konnte, hatte sie in der zweiten gegen Wucher und Mietermobbing zu kämpfen. Bei Nummer drei verlor sich ihre Spur.

Nummer vier sollte bald verlassen werden, weil die bislang verstoßene Tochter aus idar-Oberstein einen Umzugswagen schicken wollte. Frau Scharf sitzt seit Tagen auf gepackten Koffern und gefüllten Umzugskartons. Jetzt wollte sie, weil der Umzug doch nun wirklich bald käme, die Tiefkühltruhe abtauen – trotz Inhalt…

Was kann man von außen tun? Soweit ich weiß, sehr wenig. Ich bot an, mich beim örtlichen Pflegestützpunkt zu erkundigen, die haben so was öfter. Und mich beschäftigt das schon länger, denn als vor Jahren jemand in der Familie wegen Demenz in ein Heim ziehen sollte, war genau das die Frage.

Ich erhielt die gewünschte Antwort: Der sozialpsychiatrische Dienst hat einen Mitarbeiter, der auf Hinweise hin Besuche macht. Das teilte ich den kümmernden Nachbarn mit – und siehe da, der Name des Mitarbeiters war aus Frau Scharfs Mund schon gefallen.

Das letzte Gespräch am Telefon: Bei einen verurlaubten Arbeitsbereich hatte die Vertretung gestern absagen müssen; ich bekomme mit nur einem Anruf die Vertretung der Vertretung. Einiges organisatorisch geklärt und nebenher noch dies und das besprochen.

Zwölf Uhr dreißig. Gut, dass nicht jeder Vormittag so ist!

Schüler-Geschichten: Reli macht Spaß

17. 11. 2012

Aus uralten Zeiten. Ich hole es aus der Versenkung und lasse die alten Kommentare. (Damals wollte ich es noch nicht verschachtelt.)

Wenn es sich Curlysa nicht gewünscht hätte…,

… wäre es auch so irgendwann gekommen:

In derselben Gruppe wie bei der ersten Geschichte bekam ich dann von einem weiblichen Fan aus der 2. Klasse ein Bild geschenkt.

Hier der wichtigste Ausschnitt , der mit dem Text:

bildjunger-003

Diese Mädchen war von Anfang an von mir angetan. In der 1. Klasse hat sie mich immer angelacht, wenn sie mich sah. Als wenn das nicht schon süß genug wäre: Sie hat das auch gemacht, als sie die beiden oberen Schneidezähne gemeinsam weg hatte 🙂

Jetzt gehört sie schon zu den „Großen“ in der Gruppe. Die Erstklässler sind wild und unaufmerksam. Ich bin (zwei Wochen nach dem Dialog) drei Mal ein bisschen lauter geworden, weil die Bande absolut rappelig-zappelig war.

Und auch die beiden anderen „Damen“ aus der Zweiten pflegen mich huldvoll anzulächeln – und dann die Frage folgen zu lassen: „Malen wir heute?“

Dabei ist die zweite Stunde nur 20 Minuten kurz – wegen folgender Frühstückspause.

Aber ansonsten: Was auf dem Bild steht, stimmt. Und gemalt wurde nicht. Das kommt demnächst.

Wie im Film

8. 11. 2012

Wie im Film: November, Beerdigung; um das Grab fünf Dutzend Schirme; Regen, Regen, Regen.

Es regnete leicht, als ich ankam. Während der Feier begann es zu gießen. Zur Beisetzung schüttete es wie aus Kübeln. Keine zwei Stunden später kam die Sonne heraus.

Sollte es da wirklich keinen Regisseur geben?

Protestantische Sicht auf einen katholischen Feiertag

1. 11. 2012

Fragt die katholische Gemeindereferentin:
„Was macht ihr Evangelischen so an Allerheiligen?“

Antwortet der evangelische Pfarrer:
„Ausschlafen.“

Ein seriöser Beitrag legt offen: Der Antwortende kommt nicht aus der lutherischen Tradition. 😉


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