Archive for the ‘Sprachmode’ Category

Sprachmode, Folge 18: netzwerken

20. 4. 2012

Es kommt schon manchmal vor: Ein Substantiv hilft, das Verb zu bilden: Feierfeiern zum Beispiel, oder Liebelieben. (Wobei Sprachhistoriker sicher wissen, ob es nicht vielleicht doch umgekehrt war.)

Das Englische macht es viel häufiger und das findet im Deutschen dann Nachahmunmg: network/ networking – daraus wird dann netzwerken. Eine Anregung. Der Anfang einer Sprachveränderung?

Mal ausprobieren: Sonntag werde ich gottesdiensten. Später mittagessen, dazu muss auch nachtischen sein. Spazieren gehen, Kaffee trinken, alles gehört dazu. Auch restauranten ist manchmal abends drin.

Aber am schönsten ist es, wenn es festlich wird: Früher gingen wir zum Ball. Heute ballen wir.

(Nicht angsten, ich spaße nur. 🙂 )

Sprachmode, Folge 17: Zeitfenster

23. 3. 2012

Die klare Ansage „zwischen (zum Beispiel) halb Vier und Viertel nach Vier“ – das war früher ein Zeitraum. Heute ist das ein Zeitfenster.

Da hat sich also ein paradoxes Bild (Zeit und Raum!) zu einem modischen Halbbild verwandelt. Beim dreidimensionalen Raum schrumpft die Tiefe. Die Zeit reicht nicht mehr einen Raum abzuschreiten, jetzt geht es ruckzuck ans Fenster.

Mich lässt die Frage nicht los: Was kommt herein, wenn wir das Zeitfenster öffnen? Zeitluft?

Das Zeitfenster für diesen Artikel wird zeitnah geschlossen. Darum schnell noch einen Link zu einer  Zeit-Reise eines anderen Sprachbeobachters.

Kurzgedanke

22. 3. 2010

Manche Pädagogen arbeiten prozessorientiert.

Viele Anwälte auch.

Sprachmode: zielführend

18. 11. 2009

Zielführend soll die Arbeit sein.

Bitte was?

Zielorientiert finde ich schon grenzwertig. Aber „zielführend“ finde ich nur noch verwirrend. Soll „etwas“, hier die Arbeit, zum Ziel führen? Aber es müsste doch bedeuten: die Arbeit soll das Ziel führen, so wie richtungweisend die Richtung weist. Aber das Ziel ist doch ein Punkt, wir können es nicht führen wie einen Hund an der Leine.

Es lebe die Verwirrsprache. Möge sie zielführend sein…

Mobbing

2. 7. 2009

Früher litten Arbeitnehmer darunter, dass der Chef einen schlechten Tag hatte, heute übt er Mobbing gegen sie aus. So kommt es mir vor, und es ist wieder einmal der inflationäre Gebrauch, der mir dieses Wort verdächtig macht.

Was Mobbing wirklich ist? Nehmen wir mal an, die Definition von wikipedia sei wissenschaftlich treffend, dann ergibt sich dort: Es geht um ein  systematisches Vorgehen, das durch ungleiche Machtverhältnisse negativ einem Einzelnen gegenüber ausgeübt wird und ihn zum Opfer macht.

Das gab es natürlich immer schon, früher hieß das anders, „für aussätzig erklären“, „verfemen“ und anderes mehr. Und unbestritten erlitten und erleiden dies manche Menschen.

Mobbing ist jetzt aber ein so griffiges Wort, da lässt sich eben vieles darunterfassen, und so fällt die oben angedeutete schlechte Laune eines Vorgesetzten ebenso darunter, genau so wie eine einzelne Äußerung gegen eine Mehrheit schon zur riskanten Situation wird. Weil man ja Kopfschütteln anderer aushalten muss.

Ich karikiere jetzt, aber selbst die Blog-Welt bleibt nicht davon verschont. Wenn einzelne Kommentare gegen eine Mehrheit stehen, sieht sich dann das überstimmte Individuum gemobbt.

Neben einer Runde Bedauern sei daran erinnert: anders als bei gemobbten Schülern oder Arbeitnehmerinnen können alle vermeintlichen Mobbingopfer der Blog-Welt solch eine Situation lösen: Sie können einfach gehen. Oder als Bloginhaber ihr gutes Recht ausüben und Beiträge löschen.

Sprachmode: andere Stimmen

10. 12. 2008

Ich bin nicht der Einzige, und wirklich nicht der Erste. Wer mehr und anderes lesen möchten, hier zwei gute Links:

Der Zwiebelfisch von Bastian Sick. Lesenswert sind auch die Verweise auf den kleinen Bruder „Zwiebelfischchen“.

Das Wörterbuch der Jetztsprache füllt manche Bildungslücke.

Wenn ich mehr finde, teile ich es gerne mit. Erst einmal viel Vergnügen mit den beiden Seiten!

Sprachmode, Klassiker

8. 12. 2008

Das „man“ ist, wie ig bemerkt, ein Klassiker. Es verhüllt, wie der Passiv. Es verallgemeinert. Vielleicht muss es sein – wenn z. B. der Verursacher nicht klar ist. Oder bewusst nicht genannt werden soll.

– das versteckte ich

Das ist ja das Erste: das „ich“ versteckt sich hinter dem „man“. Da wäre es dann gut einfach zu übersetzen. Es lässt sich also häufig vermeiden. Wenn das Ich sich hinter dem „man“ versteckt, finde ich das feige.
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Sprachmode, Folge 11: absegnen oder -nicken

5. 12. 2008

ig empfiehlt mir einen Beitrag über „absegnen“. Ich empfinde dieses Wort nicht als modisch. Vielleicht, weil ich selbst so oft segnen darf und als Vorsitzender einer Gemeindeleitung vieles absegne.

WENN es Mode ist, dann trage ich sie. Das darf ja auch ein Glossenschreiber zuweilen. Was mir aber gegen den Strich geht, ist das Abnicken. Eine kurze, knappe Zustimmung, ohne Frage nach den Inhalten, nur schnell, nur schnell. Zügiger, flotter als das Absegnen, so kommt das Abnicken daher.

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Sprachmode, Folge 10: einpflegen

3. 12. 2008

Im Dunstkreis des Computers wird alles Mögliche ins System „eingepflegt“. Ja, das ist fast so schön wie einstmals der „Entsorgungspark“. Früher wurde etwas eingearbeitet, aber das klingt nach Schweiß. Das passt nicht zur IT-Branche, da muss es gepflegt zugehen.

Und so wird munter eingepflegt. Das klingt solide und fürsorglich. Eigentlich überfällig, das auf soziale und kirchliche Bereiche auszudehnen. Könnte nicht der Neuzugang im Seniorenheim „eingepflegt“ werden? Oder im Kindergarten? (Auch im Garten ist ja Pflege nötig.)

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Sprachmode, Folge 9: nicht wirklich

2. 12. 2008

„Das ist nicht wirklich toll.“ Das steht für: „Das ist schlecht“ oder „…nicht toll“.

Dier Redensart soll ja aus dem Englischen kommen, „not really“. Selbst der Internet-LEO übersetzt mit „eigentlich nicht“.

„Eigentlich“ ist ja auch so ein Wort. Ganz klassisch ist es Verhüllsprache. „Das war eigentlich ganz schön“, sagt jemand, und sagt damit unter den Zeilen: „Mir hat es nicht gefallen, aber das sage ich nicht, denn das könnte wehtun.“

Hingegen wirkt „nicht wirklich“ auf mich wie ins Kaugummi verarbeitet und eine Sprechblase daraus gemacht. Während Eigentlich-Sprecher (more…)

Sprachmode, Folge 8: Sinn machen

28. 11. 2008

Oder doch schon ein Klassiker?

Englischsprachige mögen ihre Gründe haben, „make sense“ zu sagen, wenn etwas „Sinn hat“. Aber seit fast zwanzig Jahren übersetzt ganz Deutschland wörtlich “ Sinn machen“.

Ganz Deutschland? Nein, einige wenige Aufrechte beugen sich nicht dem Sprachterror und sagen, „es hat Sinn“.

Worin besteht der Unterschied? „Machen“ heißt, ich produziere, ich stelle her. (more…)

Sprachmode, Folge 7: aufgestellt

25. 11. 2008

„Wir sind gut aufgestellt!“, gibt das Unternehmen bekannt. Oder auch die Kirchengemeinde? Mittlerweile auch.

Entweder: „Wir haben uns aufgestellt“. Wir stehen da und wollen los.

Oder: „Wir stehen gut da!“ Uns geht es blendend. Aber anscheinend ist das in der heutigen Verschlüsselsprache zu direkt.

Natürlich meint das Unternehmen die zweite Bedeutung. Hart am Nonsens. Wir sind gut aufgelegt, das ist sinnvoll. Aber: „Wir sind gut (more…)

Sprachmode, Folge 6: Geld in der Hand

24. 11. 2008

„Geld in die Hand nehmen“. Das sollen vor allem Politiker, in zweiter Linie andere hohe Verantwortliche. Nun bringt aber eine Handvoll Scheine (oder Münzen) von sich aus gar nichts – außer dass man die Hände voll hat.

Gemeint ist „investieren“, schöner gesagt „Geld einsetzen“. Was macht die Redensart so schick? Ich weiß es nicht, genaus so wenig, woher sie kommt.

Aber dass ich sie zeitnah knicken möchte, weil sie so grenzwertig ist, das ist mir nachhaltig bewusst.

Entschuldigung, ein kleiner Spaß mit den Wörtern der alten Folgen.

Sprachmode, Folge 5: knicken

21. 11. 2008

„Das kannste knicken“ lautet der Ausdruck vollständig, und er taucht seit etwa zwei Jahren auf. Was sagte man früher stattdessen? „Kannste… vergessen“ oder „…verbrennen“. „Knicken“ liegt auf der Mitte. Während das Verbrenenn außer der erzeugten Wärme keine guten Assoziationen bringt – was hat man nicht alles verbrannt: Bücher, Bannbullen und Hexen -, ist „knicken“ noch (nahezu) harmlos. Gut, was geknickt wird, hat einen Knacks und ist kaputt. Doch es bekam vorher eine individuelle Behandlung: 100 Stäbe kann man nur einzeln knicken (aber bündelweise zerbrechen). (more…)

Sprachmode, Folge 4: grenzwertig

17. 11. 2008

„Ein grenzwertiges Verhalten“ kann jemand an den Tag legen. Was ist damit gemeint? Der Grenzwert bestimmt das Maß, bis zu dem z. B. ein Gift als noch tragbar gilt.

Ist das Adjektiv auch im Inhalt davon abgeleitet? Sinntragend ist im deutschen normalerweise der hintere Teil des Wortes. Der Grenzwert ist der Wert an der Grenze, der Mittelwert der Wert in der Mitte.

Mein Sprachempfinden sagt mir: „grenzwertig“ bestimmt sich vom Anfang her. Beide Bestandteile bilden plötzlich eine Einheit und der Sinn rückt zur „Grenze“. Das „grenzwertige Verhalten“ zeichnet sich nicht durch seinen Wert (eher: negativen Wert) aus, sondern dadurch, (more…)

Sprachmode, Folge 3: nachhaltig

15. 11. 2008

Die Endung -ig ist meist von Substantiven abgeleitet: Spaß – spaßig, Saft – saftig, Pfeffer – pfeffrig. Oft verschiebt sich der Sinn: Lust – lustig. Auch Verben könenn das Grundwort bilden: knacken – knackig,

Aber woher kommt „nachhaltig“? Einen Nachhalt kenne ich nicht, wohl einen Hinterhalt (hinterhältig!). Oder von „nachhalten“ – als Gegenteil zu „vorhalten“?

Gemeint ist „ressourcenfreundlich“ (klingt grässlich) und „umweltschonend“. Ist dieses Wort heute zu altbacken? Es hat auch drei Silben, die aber mehr Laute benötigen. Liegt darin der Grund, dass nachhaltig so attraktiv geworden ist?

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Sprachmode, Folge 2: zeitnah

14. 11. 2008

Ein guter Kandidat für ein Unwort.

Es wird gerne benutzt: „Bitte, antworten Sie zeitnah!“ Noch behördiger: „Um zeitnahe Antwort wird gebeten!“ Das lässt aufhorchen, da ist ja schon der Griffel gezückt und fast schon geschrieben. Aber nur fast,  nur innerlich bewegt sich etwas. Deshalb ist das Wort auch in betont nichtaggressiven Kreisen beliebt, in Pädagogik, Soziologie – und leider auch Theologie.

Dabei könnte es einsilbig viel kürzer und genau so deutlich sein: bald! (more…)

Sprachmode, Folge 1: Auf Augenhöhe

12. 11. 2008

„Auf Augenhöhe“: der Kommentar von ig lässt mich zu diesem Ausdruck zurückkehren.

Ich hörte ihn zum ersten Mal von einem Behindertenpfarrer und fand sie sehr passend: Wenn ich einem Rollstuhlfahrer auf Augenhöhe begegne, dann muss ich etwas bei mir ändern. Wie ich die Welt wahrnehme, zum Beispiel.

Aber seit etwa drei oder vier Jahren ist eine Augenhöhen-Inflation ausgebrochen.
Was meint das Bild, in alten Worten? Gleichberechtigt? Um Recht geht es auch, aber nicht nur. Gleichwertig. Das ist schon besser. Mein (more…)


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