Archive for Dezember 2020

Jahresende 2020

31. 12. 2020

Das Jahr geht still zu Ende,
nun sei auch still, mein Herz.
In Gottes treue Hände
leg ich nun Freud und Schmerz
und was dies Jahr umschlossen,
was Gott der Herr nur weiß,
die Tränen, die geflossen,
die Wunden brennend heiß.

Hilf du uns durch die Zeiten
und mache fest das Herz,
geh selber uns zur Seiten
und führ uns heimatwärts.
Und ist es uns hienieden
so öde, so allein,
o lass in deinem Frieden
uns hier schon selig sein.

Eleonore Fürstin Reuß 1867

Ich wünsche allen einen ruhigen, freundlichen Jahreswechsel!

Biblische Streifzüge: Weihnachten nach… (4)

30. 12. 2020

Weihnachten nach Johannes

Das Johannesevangelium hat eine Einleitung, die weltumspannend ist und wie die Schöpfungsgeschichte beginnt: „Am Anfang…“ Am Anfang war der LOGOS, das Wort, die Vernunft, das Weltprinzip – das mag den ersten Lesern im Ohr geklingelt haben. Die Philosophie lässt grüßen. Und dann geht das Ganze hinüber zur Geschichte mit Johannes dem Täufer. Das war es schon.

„Bleib mir weg mit Bethlehem“, das scheint ein heimliches Motto des Johannesevangeliums zu sein. Es kommt gar nicht vor. Im Gegenteil, Johannes hat eine kleine feine Spitze in sein Werk eingebaut: „Philippus findet Nathanael und spricht zu ihm: Wir haben den gefunden, von dem Mose im Gesetz und die Propheten geschrieben haben, Jesus, Josefs Sohn, aus Nazareth.“ (1,45) Josefs Sohn, aus Nazareth – das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Auch in den anderen Evangelien ist er Jesus von Nazareth, aber Lukas und Matthäus haben ihn natürlich nicht Josefs Sohn genannt.

Man darf sich da natürlich zurechtreimen, dass seine Namensangabe mit „Sohn Gottes“ höchst seltsam angemutet hätte, aber so steht es nun mal da. Jesus ist Josefs Sohn. Eine Krippe hat hier keinen Platz.

Oder doch?

Im 1. Johannesbrief, der sprachlich und inhaltlich in der Nähe des Evangeliums ist, da sind die Anfangsverse so, als ob sie aus dem Mund der Hirten oder der Weisen kämen:

„Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir gesehen haben mit unsern Augen, was wir betrachtet haben und unsre Hände betastet haben, vom Wort des Lebens – und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das Leben, das ewig ist, das beim Vater war und uns erschienen ist – was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir auch euch.“ (1. Joh. 1, 1-3a)

Diese Stelle sagt zumindest: Hier, beim Glauben, geht es um Dinge von Fleisch und Blut – wie Jesus auch aus Fleisch und Blut war. (Auch hier das Stichwort „Anfang“ und wieder der Logos…)

Wer mehr darin sieht, darf sich freuen, dass es zur Epistellesung am 1. Sonntag nach Weihnachten geworden ist, also recht nah an der Krippe.

Biblische Streifzüge: Weihnachten nach… (3)

29. 12. 2020

Weihnachten nach Markus

Hier kann ich mich kurz fassen, wie der Evangelist selbst. „Das ist der Anfang des Evangeliums von Jesus Christus.“ Das ist der erste Vers. Und der zweite: „Es ist die Stimme eines Predigers in der Wüste“. Nichts weiter.

Oder doch? Zum Thema Familie gibt es bei Markus (und nur bei ihm) einige interessante Stellen.

„Und er ging in ein Haus. Und da kam abermals das Volk zusammen, sodass sie nicht einmal essen konnten. Und als es die Seinen hörten, machten sie sich auf und wollten ihn festhalten; denn sie sprachen: Er ist von Sinnen.“ (Markus 3, 20f)
Von hier aus kann man  nur sehr begrenzt von „heiliger Familie“ reden.

Markus schildert eh ein konfliktreiches Familienleben und definiert folgerichtig Familie neu:

„Und es kamen seine Mutter und seine Brüder und standen draußen, schickten zu ihm und ließen ihn rufen. Und das Volk saß um ihn. Und sie sprachen zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder und deine Schwestern draußen fragen nach dir.
Und er antwortete ihnen und sprach: Wer ist meine Mutter und meine Brüder? Und er sah ringsum auf die, die um ihn im Kreise saßen, und sprach: Siehe, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder! Denn wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.“ (3, 31-35)

In Markus 6, 3 fragen die Einwohner Nazareths: „Ist er (Jesus) nicht der Zimmermann, Marias Sohn, und der Bruder des Jakobus und Joses und Judas und Simon? Sind nicht auch seine Schwestern hier bei uns?“
Das ergibt mindestens sechs Geschwister. Die Arbeit war für Maria „nach Weihnachten“ nicht herum…

Konfliktgeladen ging es zu in der Zimmermannsfamilie, auch nach der Pubertät.

Biblische Streifzüge: Weihnachten nach… (2)

28. 12. 2020

Weihnachten nach Matthäus

Die ganze Vorgeschichte, also die ersten beiden Kapitel, sind gefüllt mit Träumen, die die Handlung steuern: Joseph träumt (wie sein alttestamentlicher Namensvetter), die Weisen aus dem Osten haben auch Träume – und einen Stern am Himmel.

Ganz andere Geschichten werden hier erzählt, und sie tauchen eher am alten orthodoxen Weihnachtsfest auf, am 6. Januar. Epiphanias, Erscheinung  – des Lichts, weil der Stern eine große Rolle spielt.

  1. Januar, war da nicht was mit den Heiligen Drei Königen?
    Jein!
    Weder drei noch Könige. Und heilig – so wie wir alle. Matthäus erzählt von Magiern, Sterndeutern, aus dem Osten (Persien, Indien?). Drei ist die Zahl ihrer Gaben: Gold, Weihrauch und Myrrhe (nicht Möhren!).

Weil sich diese Gaben nur wirklich reiche Leute leisten konnten, kam man im Volksglauben darauf, dass das Könige sein müssten. Aber nein, es waren Astrologen, Philosophen…

Danach kommt der Kindermord in Bethlehem, während die Jesusfamilie sich nach Ägypten absetzt. Als Herodes tot ist, regiert kurzfristig dessen Sohn, und so geht man lieber nach Galiläa und landet in Nazareth.

Was würde Lukas dazu sagen?

Prägende Tradition ist die Evangelienharmonie. Mit einigen tiefen Durchatmern kriegt man das gebastelt: da, wo Lukas nichts berichtet, hat Matthäus etwas. Es bleiben leichte Unebenheiten im Erzählfluss: Wieso denkt Matthäus darüber nach, wie es nach dem Tod des Herodes in Bethlehem aussieht – wenn Nazareth nach Lukas eh die Heimat war? Und die Zwei/Drei müssten sich wohl länger in Bethlehem aufhalten, bis die Weisen ihr Ziel erreicht haben.

Oder sind die beiden Berichte recht unabhängig voneinander entstanden und später zusammengesehen worden? Dann hat Lukas eben die Geschichte von Volkszählung, Geburt im Stall, Besuch der Hirten –  und zurück geht es nach Nazareth. Und Matthäus berichtet, dass die ortsansässige junge Familie Besuch von Weisen erhält, die den Stern über der Stadt gesehen haben. Danach müssen sie ihre Siebensachen packen, nach Ägypten fliehen, können in ihre Heimat nicht zurück und siedeln sich im Norden des Landes an.

Gemeinsames Interesse beider Sichtweisen: Hier soll nachgewiesen werden, dass Jesus der Messias aus der Familie Davids – inklusive Geburtsstadt ist – denn beide Evangelien belegen das mit einem Stammbaum – der dann auch wieder jeweils Unterschiede hat.

Genug davon, rückt die Hirtenfiguren in Richtung Krippe…

Biblische Streifzüge: Weihnachten nach… (1)

27. 12. 2020

(Heute vor 10 Jahren)

Vorwort (nur hier)

Wir kennen die traditionelle Weihnacht: Maria und Josef, wohnhaft zu Nazareth,  unterwegs nach Bethlehem, Geburt im Stall, Hirten, Stern überm Stall, 3 Könige, Flucht. Wie erzählt die Bibel das? Wir haben mehrere Erzählungen (oder auch nicht).

Weihnachten nach Lukas

Die wichtigste Weihnachtsgeschichte, sie gehört für mich zum Heiligabend, und zwar lupenrein in der Lutherrevision von 1912.

Lukas erzählt nicht nur die Vorgeschichte der Geburt Jesu, sondern auch die Geburt Johannes‘ des Täufers. Er macht eine Familiengeschichte daraus, denn er beschreibt beide als entfernte Vettern, und die beiden werdenden Mütter begegnen sich. Die Väter haben wenig zu sagen, Zacharias (Johannes‘ Vater) kriegt ausdrücklich den Mund verboten, und als er wieder reden darf, singt er gleich ein Lied, das als Lobgesang des Zacharias in die Liturgie als Morgenlob einzieht. Josef kriegt das Reden nicht verboten, deswegen nutzt er sein Privileg auch nicht aus und sagt im ganzen Evangelium gar nichts.

Da man ja wegen einer Volkszählung umherzieht, also zu zweit hin und zu dritt zurück, ist direkt nach dem Zählen die Rückreise angesagt. Viel ist innerhalb kurzer Zeit geschehen, so dass nun zwölf Jahre Pause angesagt ist. Dann erst geht es weiter, wieder ist man unterwegs, die Reise nach Jerusalem, aber die ist nicht Thema…

Das Schweigen über die zwölf Jahre ist Stoff für Verschwörungstheoretiker. Aber die Lücken der anderen ist noch größer. Meine Meinung: daraus lässt sich gar nichts schließen, vollständige Chroniken sind etwas für Ordnungsfanatiker der Neuzeit. Nichts für eine Autor mit gewissem literarischen Anspruch.

Lukas, den wir so nennen, weil wir den echten Namen nicht wissen, hat sein Evangelium geschrieben, nachdem schon andere vorlagen (Lukas 1, 1-3). Also darf man 80 bis 90 als Entstehungszeit annehmen. (NACH Chr. natürlich…) Und  nun die Weihnachtsgeschichte nach Lukas (Luther 12):

(more…)

Weihnachten 2020

24. 12. 2020

Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird;
denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.
Lukas 2, 8-9

Euch ist heute der Heiland geboren – das Jesuskind ist der Befreier der gefangenen Seelen, der Helfer der Bedrückten, der Retter der Welt; Glaube, Hoffnung und Liebe in Menschengestalt. Gottes Licht, das in der Dunkelheit leuchtet. Er ist unter uns.

Ich wünsche allen ein frohes, gesegnetes Weihnachtsfest!

Passend zum Advent – zu diesem Advent

23. 12. 2020

Das Adventsied, das so sehr zur Pandemie passt, unter den durch diese Pandemie entstandenen Bedingungen:

Solothurner Singknaben; O Heiland, reiß die Himmel auf

Nach Hause kommen und dann?

22. 12. 2020

Wieder mal beim Autofahren etwas aufgeschnappt:

Purple Disco Machine, sophia And The Giants; Hypnotized

Hat was von Ohrwurm. Ein interessantes Projekt.

Und ob dahinter nicht vielleicht das Gleichnis vom Verlorenen Sohn steht? Nach Hause kommen und dort willkommen sein ist jedenfalls eine starke Sehnsucht. Mehr dazu bei folgendem Link:

https://www.heavenonair.de/radio/radio-salue/purple-disco-machine-sophie-the-giants-hypnotized/

Heute vor 10 Jahren: Zur Wetterlage

21. 12. 2020

Christian Morgenstern:

Die drei Spatzen

In einem leeren Haselstrauch
da sitzen drei Spatzen, Bauch an Bauch.

Der Erich rechts und links der Franz
und mittendrin der freche Hans.

Sie haben die Augen zu, ganz zu,
und obendrüber da schneit es, hu!

Sie rücken zusammen dicht an dicht.
So warm wie der Hans hat’s niemand nicht.

Sie hör’n alle drei ihrer Herzlein Gepoch.
Und wenn sie nicht weg sind, so sitzen sie noch.

Hier das Original: https://theomix.wordpress.com/2010/12/03/zur-wetterlage/

Sonntag, 4. Advent

19. 12. 2020

Dieser Sonntag ist der Vierte Advent.

Der Wochenspruch aus dem Philipperbrief:

„Freuet euch in dem Herrn allewege! Und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!“

Das ist so eine Sache mit befohlener (oder empfohlener) Freude.  Vielleicht gelingt es ja, einen  stillen Moment zu finden und sich zu freuen. Muss ja keine mitreißende Stimmung sein.

Gedicht ohne wenn und aber

19. 12. 2020

Messbares Wunder

18. 12. 2020

„Er [Salomo] machte auch das gegossene Meer, zehn Ellen weit von einem Rande bis zum andern, es war ringsherum rund und fünf Ellen hoch. Und eine dreißig Ellen lange Schnur vermochte es zu umspannen.“ (1. Könige 7, 23; Übersetzung Schlachter 1951)

„Dumm waren die damals nicht, die haben sich auch nicht verrechnet oder eine grobe Schätzung abgegeben. Das Wunder ist gerade, dass der Umfang genau das Sechsfache des Durchmessers ist.“ (Und nicht das 6,283…-fache.)

Sagte mir vor Jahren ein Ingenieur. Interessante Sicht.

#coolermix 8

17. 12. 2020

Gruß aus den Neunzigern 6

16. 12. 2020

Heute vor 10 Jahren: Advent

15. 12. 2020

Advent, Ankunft, Zeit der Erwartung… Wahrscheinlich ist Geduld nicht meine Stärke. Der Advent erinnert an die Geduld, denn Warten steckt in der Erwartung.

Heute kamen die Kinder vom Busbahnhof zurück, die Busse fuhren nicht. Es war zu glatt. Es ist übel, im Kalten und Nassen zu stehen, und du weißt nicht, wann der Bus nun endlich kommt. Und was für ein  Frust, wenn er ausbleibt.

Wie gut, die Kinder sind in ein paar Minuten wieder zu Hause. Mir konnte es in der Schulzeit passieren, dass ich an einer zugigen Haltestelle umsteigen musste, und  dann tat sich nichts mehr…

„Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“ Und wenn sie ausbliebe? Wir wissen ja, auf Advent folgt Weihnachten; da feiern wir, dass die Erlösung gekommen ist. Aber im Leben geht es oft nicht glatt auf wie die Folge von Feiertagen.

Erlösungsbedürftig trotz eingetroffener Erlösung. Damit darf sich die Erlösungsreligion weiterhin herumschlagen. Wenn wir schon so weit sind beim Fragen:  Was machen wir da mit unserem Erlöser?  Wickeln wir ihn in Windeln? Oder öffnen wir die Türen für den erwarteten Retter?

Hier zum Original:

https://theomix.wordpress.com/2010/12/15/advent/

Gestern vor 10 Jahren: Sprachtest

14. 12. 2020

Bergisch für Anfänger, Lockerungsübung

Neulich hatte Herr Schockemöhle (Name geändert) achtzigsten Geburtstag. Ich besuchte ihn, ich wusste, er war in der Welt (vor allem Deutschland) herumgekommen. „So, in Wuppertal sind Sie aufgewachsen. Ja, da war ich auch öfter. Da habe ich etwas erlebt, in diesem Restaurant habe ich mal gegessen, wie hieß das noch?“ Er sah mich an. Nun, Wuppertal hat über 300.000 Einwohner, da gibt es mehr als fünf Gaststätten. Ich gab mein Nichtwissen kund.

„Na, macht nichts. Jedenfalls hatten die eine Speisekarte mit bergischen Spezialitäten. Und da habe ich Erpelschlot bestellt. Ich habe gedacht, es wäre etwas mit Ente, aber ich bekam…“ Ich musste lachen. Wirklich heiter.

Aber was bekam denn Herr Schockemöhle nun serviert?

Auflösung hier: https://theomix.wordpress.com/2010/12/14/diese-knollenfruchte/

Hier zum Original: https://theomix.wordpress.com/2010/12/13/bergisch-fur-anfanger-lockerungsubung/

Sonntag, 3. Advent

12. 12. 2020

Dieser Sonntag ist der Dritte Advent.

Der Wochenspruch aus dem Propheten Jesaja, Kapitel 40:
„Bereitet dem HERRN den Weg, denn siehe, der HERR kommt gewaltig.“

Mit drei brennenden Kerzen beginnt die innere Vorbereitung.
Mit einem brennenden Herzen setzt sie sich fort.
Und dann? Sich äußerlich vorbereiten? Früher war der Advent eine Fastenzeit. Heutzutage: Geschenke kaufen? Spenden geben? Wie sich äußerlich vorbereiten?

Einen schönen Sonntag wünsche ich!

Bibel: Übersetzungen und Urheberrecht

12. 12. 2020

Mit dem Zitieren ist das ja so eine Sache, auch bei Bibelübersetzungen. Das Deutsche Bibelwerk hat ein Einsehen mit Bloggern und Sozialeen-Netzwerkern und erlaubt das Zitieren „einiger Verse“ mit Copyright-Nachweis. Siehe hier.
Das betrifft:
BasisBibel,
Gute Nachricht Bibel,
Lutherbibel 1984,
Lutherbibel 2017.

Frei sind:
Elberfelder Bibel 1905,
Lutherbibel 1912,
Menge-Bibel,
Neue evangelistische Übersetzung,
Diese vier finden sich hier.

Aus dem #musikarchiv 7

11. 12. 2020
Allo Darlin‘, We Come From The Same Place

Unziemlich

10. 12. 2020
Robert Gernhardt, Selbstbefragung

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