So soll ich sein? Niemals

Es liegt nicht an der Melodie. Auch nicht an der ersten Strophe; die halte ich für richtig, das glaube ich auch.

Aber widerborstig wurde mir, als ich las „Und ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst“. „TROTZDEM liebst…“
Was ist das? Es ist kein Lobgesang der Erlösten, sondern, verzeiht mir die Ironie, ein Schmachtlied der Depressiven.

Gott kennt mich und liebt mich. Punkt. DASS er es tut, ist Gnade. Dass das Leben oft ein Wursteln ist, auch nachdem Christus es erlöst hat: ganz klar. Aber unumstößlich ist: Gott liebt mich. Dich. Alle. Ich darf mich an der Sonne freuen, ohne vorher erst dunkle zehn Minuten im Keller zu verbringen.

Sich als klein gegenüber Gott zu fühlen oder ähnliches kann das nicht verringern. Und letztlich ist die Gnade auch nicht von meinen Gefühlen abhängig. Sonst wären Depressionen mächtiger als Gott.

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10 Antworten to “So soll ich sein? Niemals”

  1. Claudia Sperlich Says:

    Unumschränkte Zustimmung. Abgesehen davon ist dieses Wort von „kennen und trotzdem lieben“ nun auch schon ziemlich alt, sehr viel älter als das Lied, und einfach ausgelutscht.
    Gott kennt uns, und Er liebt uns – das ist eins bei Gott, da passt kein „trotzdem“ zwischen und auch kein „weil“. Man kann sich allenfalls selbst „trotzdem“ von Ihm entfernen – schlimmstenfalls endgültig.

  2. bauchundnase Says:

    Ich versuche mich gerade krampfhaft zu erinnern, was ich immer gesungen habe, wenn mir das „trotzdem“ auch immer aufstieß. … Grad fällt es mir nicht ein.
    Ich finde die Frey-Texte wirklich wunderbar, und sicher hat er sich schon das Richtige dabei gedacht. Aber er hat es uns nicht erzählt. 😉

    • theomix Says:

      Die wirken beim Singen so ergriffen, dass ich daran gearbeitet habe, böse Formulierungen wegzulassen. Gehört/ gesungen hatte ich es auf einer Konfirmation, die ich besucht habe. Und ich bin ja so jemand, der dann eher auf den Text guckt. Im Blick auf Menschen in der Pubertät ist er nicht gerade aufbauend. Daher…
      (Ich fand es dann auch für Menschen anderen Alters fragwürdig. In der Konsequenz des Ganzen entstand der Beitrag…)

  3. nandalya Says:

    Alle Menschen sind groß. Sie haben das nur vergessen und werden oft von anderen Menschen klein gemacht.

  4. Dorothea Melzer Says:

    Ich habe den Tag total in die Wicken gesetzt.
    Mit den Kindern war ich ungeduldig und ironisch,
    und als sie immer noch keine Ruhe gaben, hab ich sie angebrüllt.
    Auf der Arbeit bin ich mit meinen Aufgaben nicht weiter gekommen.
    In mir ist ein Widerstand. Ich bin nicht dagegen angekommen.
    Bei einem Telefongespräch werde ich überrumpelt, kann meinen Standpunkt nicht darstellen.
    Am Abend will mein Liebster mit mir über Politik sprechen.
    Das schaffe ich nicht. Nicht die geringste Lust, in ein schwarzes Loch zu gucken.
    Der Tag endet sinnlos vor der Glotze.

    Wie konnte es so kommen? Ich habe das doch anders vorgehabt – in Verbindung mit meinem Gott, aufgefüllt mit Liebe und die Begegnung suchend – das hab ich nicht geschafft.
    Kann das denn so schwierig sein – seine Pflichten erfüllen, seinen eigenen Ansprüchen und denen anderer gerecht zu werden?

    Ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst.
    Du hast keinen Anspruch an mich, keine Liste, die ich abzuarbeiten habe. Du liebst mich auch dann, wenn ich versagt habe.

    Das weiß ich längst. Und dennoch verklagt mich mein Innerstes immer wieder. Dann hilft mir dieses Lied -Trotz allen Versagens – seine Liebe hat kein Ende.

    • theomix Says:

      Herzlich willkommen im Kommentarbereich dieses Blogs!
      Das Lied hineinverwoben in den Alltag und sein Scheitern.Ich sehe, wie anders das klingt. Das macht mur deutlich, wie wichtig der Zusammenhang ist, in dem ein Text auftaucht. Wenn er so gehört wird, ist er vertraut.
      Mir ist er zum ersten Mal begegnet. Wie gesagt, die erste Strophe könnte ich mitsingen, sie erinnert mich an Gedanken der Psalmen. Das könnte ich durchaus mit Scheitern im Alltag verbinden, auch mit dem Gelungenen und Guten, das mir am Tag begegnet isr…
      Auch wenn mir diese Verbindung mit dem Alltag das Lied näher rückt, bleibt die grundsätzliche Frage, was dieses Trotzdem und Dennoch mit mir macht/ machen soll.
      Stellt es meine Füße auf weiten Raum?

  5. Dorothea Melzer Says:

    Das tut es bei mir. Aber ich bin in einer Hinsicht ganz Deiner Meinung, lieber Theomix: Ich finde dieses Lied auch nicht passend für eine Konfirmation.

Eine Meinung dazu? Hier ist Platz.

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