Alte Wege

Wochenends, Abend, im Winter, nach acht. Dass jetzt jemand noch klingelt. Der Vater öffnet. Ein junger Mann steht vor der Tür.

Jetzt noch eine milde Gabe? Von wegen. Er wolle fragen, ob der Sohn nicht auch auf dieselbe Fete wolle, er könne ihn mitnehmen. Der Sohn kommt die Treppe herunter, ist überrascht. „Hättest du nicht vorher eine Nachricht schicken können?“ Ja, SMS und WhatsApp kann er gut, der Sohn. Der Vater schmunzelt und kann sich nicht zurückhalten: „Ja, das ist voll die Achtziger. Da ist man auch einfach so vorbeigekommen.“
Der junge Mann legt noch eins drauf und sagt: „Ich mache das auch gern so.“

Manches geht, scheint’s, nicht verloren.

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22 Antworten to “Alte Wege”

  1. OneBBO Says:

    Für mich selbst kaum noch vorstellbar: In meiner ersten eigenen Wohnung, in der ich rund 4 Jahre gewohnt habe, hatte ich nicht einmal ein Telefon. Keine Freundschaft hat darunter gelitten 😉

    • theomix Says:

      Hilfe, wohnst du im Wald? – würde man heute rufen…

      • nurmalich Says:

        Zwei Fragen dazu:
        Wer ist „man“?
        und:
        Hat „man“ wirklich das Recht zu meinen, wer im Wald wohnt brauche Hilfe?
        🙂

        • theomix Says:

          O, diese Fragen sind so philosophisch, da reicht der Kommentarbereich nicht. Und ein Beitrag müsste viel zu lang werden.
          Wer ist „man“?
          Die gesamte Philosophie seit Kant muss aufgeboten werden, um einer Klärung auch nur nahe zu kommen.
          Und wozu hat „man“ „Recht“?
          Und wer wohnt im Wald?
          Und wer bekommt Hilfe und wer will sie?

          Einen Aspekt hast du vergessen: „würde man heute rufen“… Was ist mit der Würde?

        • nurmalich Says:

          Wenn MAN Theo was fragt, tun sich immer neue Fragen auf…
          🙂

        • theomix Says:

          Das ist auch gut so. Echte Theo-Logie halt. 🙂

  2. Claudia Sperlich Says:

    Tja… Schiller und Goethe: in verschiedenen Städten, und das Kommunikationsmittel für „Kommst du zum Abendessen?“ war eine Botin – zu Fuß.

  3. Hase Says:

    Gerade die Tage klingelte bei mir ganz unangemeldet eine Freundin an der Haustüre, worüber ich mich riesig gefreut habe….
    Wir haben uns lange nicht gesehen und auch nicht miteinander telefoniert…. Eigentlich wollte ich sie auch längst einmal anrufen und schrieb es genau an diesem Morgen auf einen Zettel….
    Ich zeigte ihn ihr, wir haben geschmunzelt. Gedankenübertragung ???

  4. Theolunke Says:

    Total „old school“ … einfach vorbei kommen.
    Hab ich übrigens in den „90gern“ auch noch so gemacht.

    Meine Schwester ist übrigens heute noch so. Es läutet. Sie steht vor der Tür: „Hi Bruder, Kaffee?“ – ja, sie hätte ja anrufen können. Hätte sie. Tut sie aber nie 🙂
    Und eigentlich passt das ja auch so. Meistens zumindest.

  5. tmp Says:

    Ui, ich habt´s aber wieder…

    Ich kann mich auch noch an Zeiten erinnern, in denen ich ungefähr einen Kilometer weit zur nächsten Telefonzelle laufen musste, wenn unser einziges Telefon gerade besetzt war…
    Meistens hat da mein älterer Bruder stundenlang mit einer seiner Freundinnen gesprochen…

    Tja, aber im Ernst. Ich hatte neulich ein interessantes Gespräch mit einem entfernten Freund. Der ist Hauptkommissar bei der hiesigen Kripo und dort Dezernatsleiter für organisierte Kriminalität.
    Der hat in aller Ruhe zu mir gesagt..: „wenn die Leute wüssten, wie oft wir eine Handyortung machen… mehr als 80% der <Leute würden ihr Smartphone in die Tonne treten und sich wieder einen Festnetzanschluss holen… Mit einer langen Anschlussschnur kann man damit auch auf der Toilette telefonieren…

  6. kaetheknobloch Says:

    Der Freundeskreis hat sich unglaublich schnell an meine Mobil- und Gesichtsbuchverweigerung gewöhnt, man weiß ja, wo ich zu finden bin und auch immer ein Tee, Kaffee und ein nettes wort obendrein. Und auch das Entsetzen, bei manchen achsowichtigen Themen nicht immer gleich auf dem neuesten Stand zu sein, es war nur ein kurzes.
    Ihnen sei an dieser Stelle mal wieder ein angenehmer Wochenausklang gewunschen und ein harmonischer Sonntag vorab gleich mit, mit herzlichen Grüßen, Ihre Frau Knobloch.

    • theomix Says:

      Ach, das Mitreden bei Themen habe ich mir schon lange abgewöhnt. Man kriegt eh eine subjektive Zusammenfassung geboten, ob man Bescheid weiß oder nicht. Da lässt sich wunderbar ergänzen, und wenn nicht, bleibt noch Erwägen grundsätzlicher Gedanken. 🙂
      Herzlich seien die guten Wünsche erwidert! Ihr netzaffiner Theomix

  7. Babbeldieübermama Says:

    Ja ja die alten Zeiten… Kaum jemand hatte Telefon, dafür klappte die „Buschtrommel“ hervorragend. Wie schön, wenn unerwartet jede Menge Bekannte und Freunde vor der Tür standen. Die nicht geplanten Feiern oder Klönschnacks waren meist die schönsten.

  8. minibares Says:

    Genau, es geht auch mal ohne Internet und Handy.
    Sowas finde ich prima.
    Solche spontanen Feiern sind meist die Schönsten.

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