Feministische Theologie über Eck

„Feminismus“ war ja so was von Feindbild damals, igitt, nein, der Frauenkreis, eine Ansammlung rüstiger Rentnerinnen, hatte sich innerlich verbarrikadiert. Der junge Pfarrer damals verstand sich nicht als Feminist. Aber viele Anliegen der feministischen Theologie fand er wichtig. So auch, Gott nicht auf das Männliche festzulegen. So griffen ja Anreden wie „Herr“ oder „Vater“ zu kurz. Das war ihm eingängig, das fand er logisch.

Zarte Versuche, im Frauenkreis darüber zu reden, unterließ er schnell. Da fielen die Rollläden herunter, bevor die letzte Silbe des Wortes „feministisch“ ausgesprochen war. Um sich selber treu zu bleiben, war bei den Gottesdiensten in seinen Gebeten nie die Anrede „Herr“ oder „Vater“ zu hören. Mehrere Jahre lang nicht. Es gab und gebe in der Bibel schon genug geeignete Bilder, er führte gern Psalm 46 an.

Er wusste nicht, ob die Gemeinde das überhaupt gemerkt hat. Damals war die Luft voller Fragen, vermutlich habe er nicht genug darauf geachtet.

Heute sieht er das alles gelassener. Ob das damals eigentlich jemandem (oder, wie ich witzelte: „jefraudem“ – er lachte und fand es gut…) aufgefallen ist? Immerhin, so sagt er, damals konnte er sich selber treu bleiben. Er deutet an, dass es Fragen mit größerem Gewicht gab, die ihn bewegten. Diese Sache her veröffentlichen? Gerne doch.

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18 Antworten to “Feministische Theologie über Eck”

  1. tmp Says:

    Ja, ja… die Frage, ob es eine „Frau“ Gott gibt, kann schon SEHR wichtig sein und erinnert mich ganz plötzlich an einen „Schildbürgerstreich“ – anders kann ich das nicht nennen – aus dem Dortmunder Rathaus.
    Da gibt es nämlich einen Abgeordneten – könnte sein, dass der sogar Stadtteilbürgermeister ist ( ?? ) -, der in offensichtlicher Ermangelung wichtiger Arbeiten das Ansinnen in die Versammlung getargen hat, die seit Jahrzehnten in Gebrauch befindlichen Fußgängerampeln umzurüsten, und zwar auf Ampel-Frauchen… 😯
    Das wäre nur gerecht und ein deutliches Zeichen der Gleichberechtigung von Frauen im Straßenverkehr.
    Die bisherigen Ampel-Männchen seien ja schließlich zu diskriminierend…
    Aha..!!
    Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass sich eine einziger Dortmunderin tatsächlich diskriminiert fühlt, wenn ihr ein grünes Ampel-Männchen signalisiert, dass sie nun die Straße überqueren kann.
    Wenn das doch der Fall sein sollte – und ich glaube fest, dass die Dortmunderinnen Wichtigeres im Kopf haben, wenn sie in der Stadt unterwegs sind – dann sollte man vielleicht eher einen individuell arbeitenden Psychologen einschalten, als für tausende Euro von Steuergeldern hunderte Ampeln umzurüsten… 😈

  2. melcoupar Says:

    Für mich vereint „er“ beides, alles … Ich habe Deinen Text mit Vergnügen gelesen. Lieben Gruss. Melanie

  3. nandalya Says:

    Bekanntlich sind alle Frauen Göttinnen. Aber das hast du bereits gewusst. Womit die Sache klar ist, wenn wir von der Göttin sprechen. 😉

  4. Rika Says:

    Der Text gefällt mir.
    Als junges Mädchen war es mir sehr, sehr wichtig, das Anliegen der Frauen in Kirche und Gesellschaft zu betonen, aber damals bin ich im Traum nicht auf die Idee gekommen an dem Begriff „Gott, mein Vater“ zu rütteln, dann, als junge Frau, lernte ich die Schriften von Dorothee Sölle kennen und mein freikirchlich geprägtes Welt- und Gottesbild erfuhr leichte Erschütterungen. Wenn heute darum Feministinnen meinen, sie müssten „Gott Mutter“ sagen und die Bibel „feminisieren“, muss ich ein bisschen lächeln, mein rebellischer Geist ist (zumindest in diesem Punkt) ganz sanft geworden… Vielleicht werde ich ja auch noch weise und vor allem geduldig bei den anderen komplizierten Fragen und darüber hinaus…. (das wünsche ich mir seit mindestens 40 Jahren – ich bin 65!)

    • theomix Says:

      Danke! Mal etwas durchspielen, die eigene Haltung relativieren, das hilft mir, wenn ich meine eigene Position finden (oder behalten) will.
      Die Lektüre von Dorothee Sölle war für mich auch wegweisend.
      Gibt es die noch, die Gottmutter-Fans?

  5. minibares Says:

    Maria durfte sogar Gott gebären.
    Also haben die Frauen ein Anrecht, in der Kirche mitzumischen.
    Da warst du wohl zurückhaltender als bei den Homos?
    Oder macht das nur den Eindruck???

    • theomix Says:

      Das Recht der Geschlechter in der Kirche war hier nicht mein Thema. Dass Gott homosexuelle Neigungen haben könnte, kam mir auch noch nicht in den Sinn. Das habe ich bisher den griechischen Göttern überlassen.

      • minibares Says:

        Ich wollte nicht annehmen, dass Gott homosexuell ist, ich glaube, das weißt du auch.

        • theomix Says:

          Nun, das Thema des Beitrags ist die Frage, wie Gott angeredet wird. Also welches Bild von ihm da ist. Zum Thema Homosexualität habe ich mich bei der Jahreslosung geäußert.

  6. Rika Says:

    „Gibt es die noch, die Gottmutter-Fans?“

    Keine Ahnung. Bei uns (Baptisten) war das ohnehin nicht gebräuchlich. Ich habe mich privat mit Freunden und den Arbeitskollegen meines Mannes über diese Themenbereiche unterhalten.

    Heute sind es wohl eher die Fans der Volxbibel, die von sich reden machen oder diejenigen, die die Bibel in „gerechter Sprache“ lesen… siehe oben…
    Aber das kriege ich nur sehr am Rand mit und habe auch keine Berührungspunkte mit Leuten, die sich dafür stark machen.

    • theomix Says:

      Volxbibel ist wohl weniger was für Frauen als die Bibel in gerechter Sprache (BigS). Sie nimmt das Anliegen auf, gewohnte Sichtweisen zu relativieren. Für mich ist sie eine „Werkstattbibel“ mit sehr unterschiedlicher Qualität zwischen den einzelnen Büchern. Auf meiner jüngsten Fortbildung waren die Bibeltexte der Tagzeitengebete aus der BigS – und es war stimmig. Das macht mich nachdenklich, und ich habe sie von hinten im Regal nach vorne gestellt.

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