Die Hirtenumkehr

„Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott um alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.“ (Lukas 2,20)

Und die Hirten kehrten wieder um…

Umkehr klingt sonst so anstrengend: „Kehrt um!“ oder „Tut Buße!“ Im Neuen Testament zuerst ausgesprochen von Johannes dem Täufer. Diesem Asketen, der Menschen einmal ganz untertaucht, damit sie merken, dass ihnen Gott die Luft abschneiden kann, damit sie ins neue Leben finden. Jesu greift die Botschaft auf und wandelt sie um. Er ruft zum Reich Gottes und feiert es vor, in einer Tischgemeinschaft mit zwielichtigen Leuten. Das ist allemal lustiger als unter Wasser keine Luft mehr zu kriegen. Aber in schlechter Gesellschaft lebt es sich gefährlich, wie man am Ende dieses Jesus merken kann.

Umkehr, Buße ist zu etwas Anstrengendem gemacht worden. Es gibt Werke der Buße: Kreuz auf sich nehmen, Fasten, Pflichten erfüllen. Klingt alles nicht nett.

Die Umkehr ist dadurch nicht attraktiv gemacht worden. Wir könnten sie wiederentdecken. Die Stimme Gottes in der Navi-Dame oder dem Navi-Herren. „Kehren Sie, wenn möglich, um.“ Alles andere als bedrohlich. Ein freundlicher Appell. Unsere Möglichkeiten miteingeschlossen, vielleicht können wir es gerade nicht. Das Navi weiß den Weg für uns: Kehren wir nicht bald um, weist es uns auf einen Umweg. Eigenes Risiko. Aber wir vertrauen ihm.*  Schade, dass wir uns das bei Gott abgewöhnt haben.

Die wundersamste Sache ist da für mich die Umkehr der Hirten: nicht weg aus dem Normalen zu etwas anderem, sondern dorthin, ins Normale,  zurück. Die Hirten kehrten wieder um zu ihren Herden. Weg von der Anbetung beim Kind. Aber mit erfülltem Herzen, weswegen sie Gott loben und preisen.

Es ist eine häufige Erfahrung: Wir kehren zurück in den Alltag, aus einem wunderbaren Urlaub, von einer besonderen Fortbildung oder einem Kirchentag.  Was wird aus den Anregungen, aus den schönen Momenten? Das Herz kann traurig werden, weil es ahnt, der graue Alltag frisst das Bunte auf. Bisher habe ich so gedacht. Ich will ab jetzt die Hirtenumkehr lernen: Ja, ich habe etwas Besonderes erhalten und mitbekommen. Ich will Gott loben und preisen. Und kehre um. Gott entgegen. Fast wie vorher. Nur anders.

Predigtgedanken vom Sonntag (28.12.)

* Dieser Gedanke stammt von Peter Wick aus seinem Vortrag „Nur einer kann der Grillmeister sein: Das Evangelium auf einer Postkarte“ auf dem Missionale in Köln 2013.

 

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14 Antworten to “Die Hirtenumkehr”

  1. ausgesucht Says:

    Der religiösen, der tief! religiöse Aspekt des Navigationsgerätes (sprich: Navis) war mir noch gar nicht bewußt! Vielen Dank für den obigen Ausdruck der Predigt.
    Das Navi zwingt mich (mit freundlicher, aber doch nachdrücklicher Ermahnung) zur Umkehr. Es sagt nicht etwa: „Du bist bis hierher gekommen – ich weise Dir einen neuen Weg”, sondern es fordert mich auf, den erreichten „Vorsprung” leichtfertig preiszugeben und mich zurück zum gespeicherten Guten zu begeben, von dem der Bauch des Navies übervoll zu sein scheint. Zurück in die Kirche, in die heimelige Wärme religiöser Gewißheiten. Da ist kein Vorwärtsdrängen, heraus aus dem in Hunderten von Jahren festgefügten Moralkonzept: „bei nächster Gelegenheit bitte wenden!” (und für das Vorpreschen auch noch angemessen Buße tun)…

    • theomix Says:

      Herzlichen Dank für die Ergänzungen! 🙂 ich habe mal kenntlich gemacht, dass der Gedanke nicht von mir kommt.
      Damit es „zurück in die Kirche, in die heimelige Wärme religiöser Gewißheiten“ geht, müsste das ja als Ziel angegeben sein. Ob es das ist? Und ob es ein gutes Ziel ist?

      Von mir ist folgende Übertragung von Psalm 23: https://theomix.wordpress.com/2012/04/16/route-23/

  2. minibares Says:

    Es ist wahrlich eigenartig, aber ihre Schafe brauchten ihre Hirten.
    Die sollten sie nicht allein lassen.
    Vielleicht kann man das auch so sehen.

  3. Hase Says:

    Danke für den Beitrag, gut zu lesen 🙂

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