Eine Mitte, kein Rand und vielfache Sehnsucht 5

Die theoretischen Einheiten waren dicht: Als erstes Kulturtheorie der letzten 60, 70 Jahre in einer Stunde mit anschließender Diskussion. Die meisten in unserer Gruppe gaben sich geprägt von der Frankfurter Schule oder der konservativen Sicht – die in diesem Fall fast identisch sind: Populäres sei schlecht, weil es nur das Niedere anspreche. Nur die Hochkultur zählt, denn die greift auf tragende Worte zurück. Also Bachkantate statt Jazz, Symphonieorchester statt Volksmusik. Und wie kommen wir dahin, die vielen zu verstehen, die bei der populären Kultur sind?

© Superbass / CC-BY-SA-3.0 (via Wikimedia Commons)“ http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kamelle-1.jpg

Nun, heute sehen viele Kulturtheoretiker die populäre Kultur positiver: sie beschäftigt sich mit Lebensfragen und antwortet umfassender als die Rationalität es tut. Also, bitte hinschauen – auch wenn es schwerfällt…

Wir machen uns bewusst,
dass Verstehen und Achtsamkeit die Quelle der Liebe sind.
Wir machen uns bewusst,
dass Vertrauen uns hilft, uns zu verändern
und Achtung uns hilft, zu wachsen.
Wir machen uns bewusst,
dass wir niemals, zu keiner Zeit, ohne Gott sind.

Gemeinsame Verabredung im Zwischenzeiten-Gebet
(Christina Brudereck, Zeit des Meisters, Seite 5)

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24 Antworten to “Eine Mitte, kein Rand und vielfache Sehnsucht 5”

  1. preachitbaby Says:

    Das hätte mich auch sehr interessiert!

  2. minibares Says:

    Sehr schön in Worte gesetzt, diese Erkenntnis.
    Das Bild ist genial dazu: Kölle Alaaaf!

  3. SalvaVenia Says:

    Sehnsucht nach was …? …

    • theomix Says:

      Die Sehnsucht ist vielfältig. setze vorübergehend deine ein.
      Und die Frage ist genau die, die den Nagel auf den Kopf trifft: Was mir in der populären Kultur begegnet, äußert eine Sehnsucht – nach was?

      • SalvaVenia Says:

        Nach Erklärung und Verstehen?

        • theomix Says:

          Verstehen als erstes. Erklären kann ich vielleicht nicht alles. Hinhören, achtsam sein, vor allem, nicht ablehnen, nur weil ich es nicht mag.-
          Das habe ich geübt und will es immer besser lernen – ohne meine Meinung aufzugeben.

        • SalvaVenia Says:

          Es gibt ja durchaus auch Sehnsüchte, wer auch immer sie geweckt haben mag, die in Richtungen tendieren, die es dem Menschen eher erschweren, sich selbst zu erkennen oder gar zu verstehen.

          Insoweit kann die Frage auch dahingehend verstanden werden, warum überhaupt populär? Haben die Institutionen versagt? Oder geschlafen? Oder war/ist es ihnen egal?

          Mal abgesehen davon, daß Menschen unterschiedlich sind und sich dadurch auch unterschiedlichen Aufgaben stellen müssen, um es mal positiv zu formulieren. 🙂

        • theomix Says:

          Es mag sein, dass sie es erschweren. Ich sehe nur kein Erkennen an den Sehnsüchten vorbei.
          Die Institutionen, denen bestimmte Sehnsüchte fremd sind, können sie nicht aufgreifen. Ohne Wertung wie „Versagen“. Bestimmte Elemente der populären Kultur werde ich nicht mitmachen, auch wenn ich sie verstehe. Die eigenen Grenzen kennen ist wichtig. Es sind jedoch selbstgemachte Grenzen. Das ist noch wichtiger.

        • SalvaVenia Says:

          Selbstverständlich sind Grenzen respektive Grenzziehungen unabdingbar.

          Ich wollte darauf hinaus, ob die Institutionen zu wenig gut gearbeitet haben mögen. Es muß doch eine Leere entstanden sein, die betreffend dann versucht wurde, eben diese selbige wieder zu füllen.

          Sehnsüchte jenseits der Institutionen können doch nur dann entstehen, wenn die Institutionen entweder Antworten verweigern oder möglicherweise gar keine haben, oder nicht?

        • theomix Says:

          Wer sind „dir Institutionen“? Die führenden Köpfe werden sich vermutlich immer von der „großen Masse“ abgrenzen wollen. Mal mehr, mal weniger erreichen sie die Herzen der Menschen; gerade wenn sie zu den Köpfen hinwollen, weniger. Derweil entwickelt sich eine „Subkultur“ (sagen die oben), eine Kultur wie die oben, sagen manche Forscher.

          Es sind für mich Entwicklungen. du machst es dir und mir einfacher, wenn du auf den Begriff „Versagen“ verzichtest. Das trifft es nicht, wenn solche Veränderungen im Schwange sind. Und wem soll der Begriff helfen?

        • SalvaVenia Says:

          Die Kirche beispielsweise, als moralischer und ethischer Vorbildgeber?

          Und versagen war ja nur ein mögliches Beispiel; ich hatte ja auch die Frage gestellt, ob sie vielleicht geschlafen haben oder es ihnen einfach nur egal gewesen sein könnte.

          Wenn gewußt wird, wer versagt hat, kann das möglicherweise dienlich sein im Hinblick auf die Entwicklung einer entsprechenden Strategie zur Rückgewinnung einer Deutungs- wie Angebotshoheit. Oder?

        • theomix Says:

          Die Kirche präsentiert eine Botschaft und muss als Institution arbeiten. Vorbildgeber? Viel zu hoch gegriffen. wenn es gelingt, Gewissen zu sensibilisieren, ist es genug.
          Eine Institution hat das Manko, unbeweglicher zu sein als eine kleine Gruppe. Und wenn die Meinungsgeber in dieser Institution sich, wie von mir beschrieben, vom „gemeinen Plebs“ absetzen, erreichen sie ihn nicht mehr.
          Versagen feststellen nützt nichts, weil zwei Drittel der Veramtwortlichen nicht mehr leben. Und ich sehe die Aufgaben der Kirchen darin, Sauerteig im großen Teig zu sein. Das genügt. Wenn der Sauerteig sich ausbreitet, ist etwas erreicht. Welche Hoheit soll gewonnen werden? Klingt schrecklich für mich. Sorry, das ist nicht mein Verständnis.

        • SalvaVenia Says:

          Ohne Hohheit keine Führung. Ohne Führung kein Vorbild. Ohne Vorbild keine Antworten. Ohne Antworten Unerfülltheit der Sehnsüchte. Mit unerfüllten Sehnsüchten viel Populärkultur. Mit viel Populärkultur weniger bis gar kein Sauerteig.

          Oder so ähnlich … 🙂

          Und herzlichen Dank für den Diskurs und Ihre Einlassung darauf.

        • theomix Says:

          Autorität, Vorbild, Auf sich aufmerksam machen, Da-Sein, Offen bleiben. Kausalität im Prozess.
          Manches ist vorgegeben oder transzendent gedacht.
          Diese Gedankenkette ist mir zu deduktiv. Sie regt an, ja. Manches wächst in der Begegnung. Und wäre die Dogmatik starr, wäre sie tot.
          Danke meinerseits!

        • SalvaVenia Says:

          Aber sollte bzw. kann Beliebigkeit die Antwort sein?

        • theomix Says:

          Das ist ja die wundersame Einführung des Begriffs „Beliebigkeit“. Beliebig ist es dort, wo Laissez-faire herrscht oder Gleichgültigkeit. Wer versucht, Freiheit mit Verbindlichkeit zu verbinden, hat kein Anteil an der Beliebigkeit.

        • SalvaVenia Says:

          Nun ja, die Frage muß sich halt gestellt werden, inwieweit das eigene Handeln mitgeholfen haben könnte, Beliebigkeit zu ermöglichen.

          Andererseits gefällt mir der Ansatz von Freiheit und damit verbundener Verbindlichkeit. Indes, wenn dies die Botschaft und vielleicht auch Antwort ist, warum dann trotzdem dieses vielseitige Populärkulturphänomen? Was hat die Sehnsüchte ausgelöst?

        • theomix Says:

          Mit so einem Frageansatz mache ich mich ja fertig bis dorthinaus.
          Die Sehnsüchte sind da, die löst niemand aus. Und wer erfüllt sie? Wo fühlen sich die Menschen getroffen? Eindeutiges Verhalten löst nicht automatisch aus, dass daraus ein Massenphänomen wird.
          Wir haben da wohl unterschiedliche Ansätze.

        • SalvaVenia Says:

          Ja, manchmal ei schwieriges Terrain … 🙂

          Herzliche Grüße in die Nacht und noch eine weiterhin erfolgreiche Woche.

        • theomix Says:

          Vielen Dank am Vormittag! Und die guten Wünsche erwidere ich herzlich und gerne.

  4. Hase Says:

    ja, machen wir uns bewusst…..

    gut zu lesen 🙂

    danke für deinen Beitrag….

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