Friedensdemo im Fotolabor

Opa war in den braunen Zeiten Mitläufer. Zu Hause sagte er „Die Verbrecher“, wenn er von den Nazis sprach. Niemand hat ihn denunziert.

Im 1. Weltkrieg  hat er das Eisernes Kreuz 2. Klasse und die Württembergische Militärverdienstmedaille in Silber bekommen (als Rheinländer!). Doch sein Herz schlug links und er wusste, für wen er den Kopf hinhalten durfte: Für Kaiser und Industrie.

Im Nachlass fand sich dieses Foto.

Wir haben den Krieg satt

Die Inschrift an der Wand ist nachträglich eingefügt worden, wie man bei genauerem Nachsehen entdecken kann. (Analoges Photoshop des frühen 20. Jahrhunderts, sozusagen.) Anders wäre es zu riskant gewesen.

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12 Antworten to “Friedensdemo im Fotolabor”

  1. OneBBO Says:

    Fesch irgendwie. Kam er aus Württemberg oder warum bekam er diese Landesmedaille?

    • theomix Says:

      Die Aussagen in Klammern gehören auch zum Text.
      Warum, weiß ich auch nicht.

      • OneBBO Says:

        Du hättest uns ja auch verraten können, ohne Persönlichkeitsrechte zu verletzen, wo genau dein Großvater steht. Oder willst du ein Preisrätsel daraus machen? Dann suche ich den Blondesten raus 😉

        • theomix Says:

          Stimmt, ich will es nicht verraten. Wäre ich ein Archiv, könnte ich es tun.
          Dann vielleicht doch ein Preisrätsel? Um welchen Preis?
          Jedenfalls: er hat eine Flasche in der Hand und trägt ein Hemd, an dem die Ärmel hochgekrempelt sind.

  2. minibares Says:

    Vor allem wäre die Schrift selbst völlig anders gewesen, mehr wie Sütterlin.
    Aber ihre Gedanken waren wohl dementsprechend.
    Schön, diese alte Foto.

  3. Hase Says:

    danke, dass du das Foto mit uns teilst !

    • theomix Says:

      Gerne, es war mir ein Anliegen – wegen des Gedenkens zum Beginn des 1. Weltkriegs und weil es weiterhin kriegerisch ist auf der Welt.

  4. emhaeu Says:

    Rätsel: „Wir sind den Krieg satt“, sagt man doch so nicht, sondern „Wir haben den Krieg satt“ (die Formulierung mit „sind“ findet Google nur 1 einziges Mal, die andere über 1500 Mal. Rätsel 2: Um 1915 hat eigentlich niemand diese Schriftart benutzt, sieht nach nach 1945 aus (ok, das hat schon jemand geschrieben, pardon). Rätsel 3: Was tragen die saufenden Herren für seltsame Hüte?

    • theomix Says:
      • Die Grammatik: Die Herren waren alle keine Akademiker. Es handelt sich um gesprochen Sprache.
      • Die Schrift wurde bei der Entwicklung aufgetragen. Druckschrift (in Antiqua) gab es natürlich damals und hat sich fürs geschwinde Schreiben auf Negativ oder Fotoplatte besser geeignet.
      • Nach 1945 sah mein Großvater anders aus, da war über 50. 1915 war er Mitte 20. Passt. Und andere Bilder aus der Zeit zeigen ihn auch so. ich zweifle nicht an der Authentizität des Bildes. Zumal es noch ein ähnliches gibt. Das ist eine Karte, die aus Straßburg 1916 abgeschickt worden ist.
      • Über die seltsamen Hüte kann ich nichts sagen. Die haben sie irgendwie zusammengesucht. Die jeweils mittleren sind Damenhüte, oder?
  5. freiedenkerin Says:

    Danke, daß du uns dieses Foto zeigst…

    • theomix Says:

      Gerne. Wie ich dem Hasen schon schrieb: „es war mir ein Anliegen – wegen des Gedenkens zum Beginn des 1. Weltkriegs und weil es weiterhin kriegerisch ist auf der Welt.“

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