Zur Hölle

Zum Teufel“ gab es ja eine interessante Diskussion. Die Kommentatoren sind Schuld, wenn ich kurz zur Hölle ergänze. (Und an den vielen Unterbrechungen liegt es, dass es so lange gedauert hat.)

Die Themen liegen nah beieinander, wie ich einigen Kommentaren entnahm. In meinen Augen ist die Nähe nicht zwingend. Woher kommt sie? Vermutlich aus der darstellenden Kunst, da tauchen die Teufelchen am liebsten in der Hölle auf. Schauen wir mal ins „Quellenbuch“:

In der hebräischen Bibel ist das Jenseits noch „höllenfrei“. Wem es vergönnt ist, der stirbt „alt und lebenssatt“. Friedlich gestorbene Könige werden „zu ihren Vätern versammelt“. Die Psalmen sprechen von der Grube, in die jemand nach dem Tode fährt, also in die Erde. Wenig Interesse daran, was danach kommt. Die Propheten drohen Strafen an, aber die sind irdisch, innerweltlich gedacht.

In der weiteren Entwicklung des Judentums wird dann die „Hölle“ ein Thema.

Deshalb sagt dann auch das Neue Testament etwas zur Hölle: Sie ist der Ort, wo Heulen und Zähneklappen herrschen. Vor allem in der Offenbarung (des Johannes) wird ein wenig angedeutet – der feurige Pfuhl, in der dann der Teufel mit allen seinen Genossen gestoßen wird.

Eine apokryphe Schrift, die Offenbarung des Petrus, malt die einzelnen Höllen und ihre Qualen aus. Es ist gut, dass dieses Werk nicht in den Bibelkanon aufgenommen wurde. Schlecht ist: Diese Schrift war bis in die Renaissance beliebte Lektüre. so prägte sie die darstellende Kunst, in Malerei und Literatur (Dantes Göttliche Komödie zum Beispiel.)

Bilder prägen das Denken – so auch hier. Breughel oder Riemenschneider haben Höllenorte ausgemalt, die wir lieber nicht gesehen hätten. Und die sich dann doch in der Welt hinter  der Leinwand wiederfinden. Das traurige Jubiläum 1914 – 2014 erinnert an die „Hölle von Verdun“ und die Schlachtfelder bei Ypern und anderswo.

 

 

 

 

 

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34 Antworten to “Zur Hölle”

  1. Susanne Haun Says:

    Danke für die Ausführungen, Jörg. Vielleicht sind die Bilder auch deshalb so dominant, weil gerade zu Zeiten Dantes die wenigsten Menschen lesen konnten und so beim Verstehen der Bibel auf das Bildprogramm der Kirchen und Klöster angewiesen waren.

    • theomix Says:

      Sicher war es früher stärker als heute. aber heute noch immer. Und manchmal geht bei der heutigen Bilderflut mancher historische Hintergrund verloren, da wird die religiöse Symbolik hineingebracht und nur wenige erkenen diesen Hintergrund.

  2. hohesundtiefes Says:

    Heulen und Zähneklappern, weil es ein feuriger Pfuhl ist – also wirklich: in der Hölle muss es doch eisig-kalt sein. Und einsam. Ich geh‘ da nicht hin – werde lieber zu meiner Oma versammelt; da bekomm‘ ich garantiert was zwischen die Zähne…

    • theomix Says:

      Das eine sind die Evangelien, das andere die Offenbarung. Die Evangelien lassen sehr gut die eisgekühlte Isolation assoziieren.
      Omas Leckereien sind bestimmt in höllischer Hitze entstanden, weil Omas meist Backwerk produzieren… 😉

  3. minibares Says:

    Mal wieder ein höllischer Artikel.
    Stimmt, diese finsteren Bilder oft mit Feuer unterlegt, sozusagen. Die haben sich im wahrsten Sinn des Wortes eingebrannt.

  4. tmp Says:

    Ich weiß nicht, was die Menschen immer mit der Hölle haben.
    Für mich steht schon immer fest, dass ich in den „Himmel“ komme, wenn´s hier auf der Erde vorbei ist mit mir.

  5. Hase Says:

    danke für deinen Beitrag, der ja „höllisch“ interessant ist….

  6. nandalya Says:

    Der Buddhismus kennt weder Himmel noch Hölle. Aber zeig mir den Japaner, der nicht doch noch heimlich seinen Hausgott hat 😉 Trotz allem bleibt die jüdisch-christliche Sicht der Dinge spannend für mich. Das Thema macht sich auch gut in diversen (Horror)Filmen.

    Wann hat sich das Bild des Satans mit Pferdefuß und Hörnern geprägt? Auch durch die Maler des Mittelalters?

  7. Mirjam Marschall Says:

    Durch eine Höllenvorstellung wird man zu einem Glauben der ‘Angst’ verführt.
    Wer sich an Jesus wendet erlebt etwas ganz anderes..

    • theomix Says:

      Im Grunde sehe ich das auch so. ‚Heulen und Zähneklappen‘ kommt aus den Evangelien und wird als Ausspruch Jesu überliefert. Mit Jesus erlebt man auf alle Fälle Überraschungen.

  8. Tausend Says:

    Findest Du, dass Dantes Göttliche Komödie schlecht oder schlechter gedanklicher Einfluss war?
    Lässt sich irgendwo nachvollziehen, inwiefern die Vorstellung von Bestrafung in der Unterwelt und von einem Herrscher der Unterwelt in der griechisch-römischen Antike auf das Höllenbild im Christentum Einfluss genommen haben könnte? Oder hat wirklich erst Dante dieses Bild geprägt?
    Wenn Du irgendwas dazu weißt – mich interessierte es brennend. 😉

    • theomix Says:

      Dante spiegelt für mich nur etwas wider.
      Da sich die christliche Theologie von 100 bis 500 um das Gespräch mit der griechischen Philosophie bemüht hat, gehe ich von Einflüssen aus.
      Und die Prägung war durchs Mittelalter hindurch. Dante hat ihr nur ein poetisches (oder episches?) Denkmal gesetzt.

      • Tausend Says:

        Schade, dass man in die Zeit nicht reingucken kann, ich meine mehr als durch Schriften. Trotzdem, solche Berührungspunkte zwischen Literatur und Religion und die Entwicklung von den Anfängen her finde ich sehr interessant.

        • theomix Says:

          Ist sehr interessant, ja. wir wissen gar nicht genau, wie das vor der Zeit der Klöster organisiert wurde. Oder? Wie Autoren ihre Schriften kopiert bekamen…
          Es gibt ja die These, dass in der Antike (noch) alles laut gelesen wurde, was geschrieben stand…

        • Tausend Says:

          Über das Wie bzw. Wer weiß ich nicht viel, aber in den großen Bibliotheken der Antike gab es ja auch schon Abschriften aller Art, und die ältesten literarischen Texte (Gilgamesch) auf Tontalfeln sind immerhin auch schon Schriften, in denen es um Tod und Sterben geht, wenn auch ohne Hölle und Unterwelt. Fleißige Schreiber gab es also vorher schon lange. Ich hab sogar letztens irgendwo (an der präzisen Quellenangabe ist mir hier sehr gelegen) gelesen, wann der Übergang vom lauten zum stillen Lesen sich in etwa vollzogen hat. Natürlich habe ich es wieder vergessen. Aber soweit ich weiß, wurden auch die griechischen Epen, nachdem sie ab dem 8. Jh. aufgezeichnet wurden, nicht mehr nur vorgetragen, sondern auch gelesen, sie waren z. B. Unterrichtslektüre. Wie es mit Jenseitsvorstellungen im antiken Ägypten aussieht, weiß ich auch kaum. Wie die alttestamentarischen Schriften überliefert wurden, weißt Du besser. Aber da scheint es ja noch keine „Jenseitsvermischung“ gegeben zu haben. Bei solchen Themen würde ich manchmal gerne alles hinlegen und solange nachlesen und nachforschen, bis das Bild deutlicher ist. Aber man kann sich eben nicht allen Themen zugleich widmen…

        • theomix Says:

          Danke für die Hinweise.
          Ja, „alles hinlegen und solange nachlesen und nachforschen, bis das Bild deutlicher ist“ – das wäre was… Kann ich leider auch nicht.

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