Weisheit im Espresso: Pläne und so

Eine meiner Lieblingsstellen in der Bibel ist die heutige Tageslosung:

In eines Mannes Herzen sind viele Pläne;
aber zustande kommt der Ratschluss des HERRN.
Sprüche 19,21

Das war für mich das Resümee der biblischen Weisheit, ich habe es am Schluss einer Examensarbeit stehen, in einer eigenen Übersetzung:
Ein Mensch hat viele Pläne im Kopf; aber zustande kommt, was GOTT will.

Damals war ich eben ganz Kopfmensch, da konnten Pläne nur im Kopf entstehen. Dass auch das Herz etwas in Bewegung setzen will und sich vornimmt, habe ich nicht gesehen.Die Schlachter-Übersetzung (von 1951) [so hieß der Übersetzer, es ist keine Berufsgruppenbibel…] ist nah dran bei der Luther-Revision:
Ein Mensch macht vielerlei Pläne in seinem Herzen; aber der Rat des HERRN besteht. Vermittelnd zwischen Kopf und Herz klingt die Neue Evangelistische Übersetzung:
Viele Dinge nimmt ein Mensch sich vor, / doch zustande kommt der Ratschluss GOTTES.

„Der Mensch denkt, Gott lenkt“, sagt der Volksmund – und im 20. Jahrhundert hat er ergänzt: „Der Mensch dachte, Gott lachte.“

Das Erfahrungswissen sagt auch: Die Pläne des Menschen und der Ratschluss des Höchsten müssen sich nicht widersprechen. Das lässt hoffen. Vom blinden Huhn spricht der Volksmund auch…

Gutes Gelingen wünsche ich, gerade heute.

Und dass nicht jedes Gelingen von Gott gutgeheißen wird, ist auch so eine Sache: Wann merke ich, dass etwas gelungen ist?

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35 Antworten to “Weisheit im Espresso: Pläne und so”

  1. mialieh Says:

    Ich verstehe das Wort „Ratschluss“ nicht. Ist es ein „Rat“ oder eine Entscheidung, die stellvertretend gemacht wird. Wieso soll der Mensch dann noch Pläne machen? Das finde ich überhaupt nicht entlastend, sondern nur frustrierend. Anderswo heißt es immer, dass der Mensch selbst mal an seine Nase packen soll und die Welt verbessern soll. Da denke ich: es steht auch nur so geschrieben, wie die Religion den Menschen braucht.

    • theomix Says:

      Nun verstehe ich den Einwand nicht, nicht hier an der Stelle. Die alttestamentliche Weisheit geht deskriptiv vor, nicht normativ.
      Etwa so:
      1. Nicht alle Pläne gelingen.
      2. Statt zu scheitern, erreichen Menschen dennoch etwas Positives.
      3. Dahinter steckt Gott.

  2. hohesundtiefes Says:

    Hat dies auf Hohes und Tiefes rebloggt und kommentierte:

    Amen. :)

  3. magguieme Says:

    Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, dann erzähle ihm von deinen Plänen :)

  4. Claudia Weidt-Goldmann Says:

    Hat dies auf DENK-BAR?! rebloggt.

  5. Tausend Says:

    Hinter die Art Logik bin ich bisher nicht hintergekommen. Irgendwie fehlt die Verknüpfung.

    • theomix Says:

      Mir jetzt auch, von meinem Beitrag zu deinem Kommentar… :shock:

      • Tausend Says:

        Vielleicht wegen fehlender Präzision. Ich meine, dass mir nicht klar ist, wie genau der Zusammenhang zwischen den Plänen der Menschen und denen des Gottes zu vestehen ist. Und vieles andere eigentlich auch nicht. Aber das ist zu viel zum Fragen.

        • theomix Says:

          Ich verstehe die Denkschritte (nicht die Logik!) des Autors so:
          1. Nicht alle Pläne gelingen.
          2. Statt zu scheitern, erreichen Menschen dennoch etwas Positives.
          3. Dahinter steckt Gott.
          (Vom Kommentar an Mialieh abgekupfert.)

          Aus manchen Fragen sind schon gute Blogbeiträge entstanden. Versuch es einfach, wenn du magst.

        • Tausend Says:

          Die Denkschrittfolge zielt, wenn ich das richtig verstehe, darauf, die eigenen Pläne nicht als obersten Maßstab zu nehmen. Wenn etwas nicht nach der eigenen Vorstellung geht, könnte ein anderes Prinzip dahinterstecken, und das wäre Gottes Plan.
          Meine Hauptfrage ist: Wie sieht der ganze Zusammenhang aus?
          Ist das „nur“ ein Konstrukt, um so etwas wie Trost möglich zu machen, wenn man an den eigenen Plänen scheitert? Oder ist es eine Art pädagogisches Konzept des Gottes, der seinen Geschöpfen zwar eigene Gedanken erlaubt, sie dann aber zwischendurch immer mal „zurechtweist“, wenn sie seinen Vorstellungen nicht entsprechen? Wo genau greifen diese beiden Ebenen denn ineinander?
          Je mehr ich darüber nachdenke, vermute ich, dass ich gedanklich nicht mitkomme, weil da irgendwo der Übergang zum Glauben ist. Ich glaube nicht an einen lenkenden oder irgendwie persönlichen Gott. Aber mich interessieren die Vorstellungen, also wie das konkret gedacht wird.
          Wenn das zu konfus ist oder den Rahmen des Blogs sprengt, ist das kein Problem, wenn Du es rausnimmst.

        • theomix Says:

          Der Zusammenhang: eine Sprüchesammlung. Teil der Weisheitsliteratur der Hebräischen Bibel. Die Abteilung „Suchen-Forschen-Fragen“ aus der Randzone des Glaubens an den Gott Israels. Welterforschung, Vorstufe zur Philosophie und den ausdifferenzierten Wissenschaften.
          Abgesehen von den ersten Kapiteln sind die Sprüche ebensolche: wie eine Steinsammlung in der Kiste. (Man nimmt ein paar heraus, einer sieht sehr theologisch aus, ein anderer psychologisch, und der – doch nicht etwa naturwissenschaftlich?)
          Das 19. Kapitel beginnt mit „Besser arm und untadelig sein, als ein Lügner und ein Trottel.“ und endet (Vers 29) „Für Spötter stehen Gerichte bereit, und Prügel für den Rücken der Narren.“ (Nicht so sympathisch wie etwa V. 24: „Greift der Faule mit der Hand in die Schüssel, / bringt er sie nicht zurück in den Mund.“)
          „Glaube“ wird inhaltlich nicht so sehr gefüllt wie in den anderen Büchern; Gott, wie er hier begegnet, ist „nicht sehr persönlich“, kein Vater, eher Schöpfer, Welterhalter.

        • Tausend Says:

          Danke, das nehme ich als Lektüreempfehlung. Mehr Fragen ein andermal. :-)

        • theomix Says:

          Gerne. Ich warte dann mal fast geduldig – ungeduldiger jedenfalls als die Warteschlange im Kommentarbereich.

      • Tausend Says:

        Ich habe jetzt die Sprüche gelesen, das ist ja eine recht eigenartige Zusammenstellung. Und ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass „Iß Honig, mein Sohn, denn er ist gut“ irgendwie das Herzstück dieser Unterweisungsweisheiten sein muss. :-)
        Was ich trotzdem nicht so richtig verstehe, ist, wie dieser Zusammenhang zwischen den göttlichen und den menschlichen Plänen gedacht wird. Wenn man sicher wäre, dass Gott schon weiß, was er tut und für jeden einzelnen einen Weg vorgesehen hat, wäre es leichter. Dann wäre ja gewiss, dass man so etwas wie eine Aufgabe hat, und könnte versuchen, seine Pläne so auszurichten oder zurückzunehmen, um das zu treffen, was der Gott vorgesehen hat. (Oder man könnte natürlich auch versuchen, zu entkommen und die Autonomie des Menschen gegenüber allen Göttern zu behaupten, das wäre ja auch keine ganz neue Idee.) Trifft es das? Ich glaube, für mich wird es immer daran haken, wie menschlich dieser Gott ist. Das irritiert mich. Und vor einem Gott, der Menschen macht und dann über sie lacht, auch wenn es ein freundliches Lachen wäre, könnte ich keinen Respekt haben.
        Ok, das war dann wohl das Wort zum Freitag aus der ungläubigsten Feder meines Schreibmäppchens.

        • theomix Says:

          Gott lacht im Ernst MIT den Menschen, nicht über sie.
          Und die Weisheit, neben freundlichen Ratschlägen und hübschen Sentenzen, baut sich um den Tun-Ergehen-Zusammenhang. Also, was ein Mensch tut, so wird es ihm ergehen. Gott kümmert sich darum, wie um die gesamte Ordnung der Schöpfung. Eine distanzierte Beziehung zu ihm genügt der Weisheit.
          Dass das mit dem Tun-Ergehen-Zusammenhang nicht ganz hinhaut, wissen wir heute. Und damals hat man das auch schon hinterfragt. Ich bastele an einem Beitrag über die Weisheitsbewegung in der Bibel. Immer, wenn ich Zeit habe, arbeite ich daran. Ich schätze, in drei Jahren bin ich fertig. Es sei denn, ich kürze ab durch Textbausteine in Antworten auf belangreiche Kommentare. Daher Danke, weiter so!

        • Tausend Says:

          Danke. Ja. diesen Zusammenhang verstehe ich und sehe ich jetzt auch im Nachhinein in den Spruchsammlungen. Auf den Weiheitsbeitrag bin ich gespannt. Wer mit den Weisen umgeht, der wird weise. ;-p

        • theomix Says:

          Wer mit den Weisen umgeht, der wird weise.

          Das ist mal ein Wort – vor rund 30 Jahren eine Examensarbeit darüber und seitdem ein Lieblingsthema. :D

  6. Hase Says:

    Danke für den heutigen Espresso !

    Auch wenn manchmal nicht alles zu verstehen ist , Gott weiß den Weg für uns und im Vertrauen auf ihn fühle ich mich gehalten in Freud und Leid… Das ist ein großes Geschenk !

    • theomix Says:

      Gern geschehen.
      Was du ergänzt, ist mehr als das, was dieser Spruch sagt. Gehalten zu sein ist aber, so sehe ich’s, auch seine Konsequenz.

      • Hase Says:

        Ja, heute haben wir das Gehaltensein nahe zu spüren bekommen, als wir eine Chorschwester (Ende 40) zu ihrer letzten Ruhestätte begleiteten. Sie hatte sicherlich auch andere Pläne… jetzt hinterlässt sie zwei Söhne und einen Ehemann.

        • theomix Says:

          Traurig. Zu früh.
          In solchen Situationen bin ich sehr vorsichtig, etwas von Gottes Plänen zu erzählen. ich selbst vertraue darauf. Im Moment fällt das auch leicht.

  7. philori Says:

    „Dein Wille geschehe“ ist auch mein Lieblingsteil des Vaterunsers. Aber ich bin mir nicht sicher, ob er stets nur eine Sache will.

  8. Christel Says:

    Ist das nicht gleichzusetzen mit:
    Herr, dein Wille geschehe?
    Worte, die ich sehr wichtig finde (und sehr schwer) für uns Menschen.

    Wie schon wäre es wenn manches in Erfüllung ginge. Jedoch sicher nicht gut für uns. Könnten wir noch wirkliche Freude empfinden, wenn „alles“ immer gut ist?

    Ich fühle mich nicht allein – da Gott da ist.

    LG Christel

    • theomix Says:

      Christel, herzlich willkommen hier bei den Kommentaren!
      Der Spruch beschreibt von außen, was innen das Ringen um „Herr, dein Wille geschehe“ sein kann.
      Es könnte innendrin anders aussehen. Auch über die Freude denkt der Spruch nicht nach. Ich empfinde ihn als sehr nüchtern.
      Wenn ich mich auf das Geschehen des Willens Gottes einlasse, nehme ich deine Gedanken gerne an. Danke!

  9. wildgans Says:

    An einen lachenden Gott will ich noch am ehesten glauben!
    Trotzdem schön, hier zu lesen!

  10. Babbeldieübermama Says:

    Ich glaube Gott lässt uns die Wahl, denn woher kämen sonst die vielen Schrecken in dieser Welt.
    „Der Mensch dachte, Gott lachte“, zutreffender wäre vielleicht; „Der Mensch dachte, Gott schüttelte den Kopf und lachte“.
    Du kannst es bestimmt besser reimen.

    • theomix Says:

      Nein, darauf kann ich mir keinen Reim machen. :mrgreen:
      Wir planen viel und erreichen davon wenig, dafür kriegen wir anderes. Davon geht dieser Spruch aus. Was dann im Rückblick noch freie Wahl ist, stellt sich bescheidener dar als am Anfang des Wegs.

      • Mirjam Marschall Says:

        Man erreicht oft wenig, weil die Orientierung fehlt.
        Das Leben verändert sich ja ständig, und auch die Möglichkeiten sind grenzenlos. Wesentliches wird dabei übersehen, oder sogar vergessen.
        Und da es keine Elle hinzu gibt kann das Leben zu kurz sein um alles zu schaffen.

        • theomix Says:

          Wer sagt, dass altes zu schaffen im Leben gut für den Menschen ist?
          Ich setze voraus, dass die Menschen früher mehr um ihre Grenzen wussten.

  11. Viele Pläne und Gottes Beitrag | Theomix Says:

    […] fiel mir heute wieder ein. Vor fast vier Jahren habe ich das hier […]

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