Gedanken Friedrich Rückerts

Wir verbitten uns Beileidsbezeugungen,
seufzende Worte, stumme Verbeugungen,
förmlich in Falten gelegtes Gesicht,
das hilft uns nicht und tröstet uns nicht.

Wir erbitten uns leichtere Spendungen,
fein gleichgültige Mienen und Wendungen;
denn gleichgültig ist doch der Welt,
was ein Herz für so wichtig hält.

Jeder hat in dem eigenen Herzen
eine Kammer für seine Schmerzen,
aber im Weltgesellschaftshaus
tauscht man nur Unterhaltung aus.

Ich will und kann dein Weh nicht heilen,
und du sollst nicht das meine teilen;
wir wollen uns nur mit Anstand verstehn,
wie sonst miteinander umzugehn.

Hier zuerst gesehen.

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6 Antworten to “Gedanken Friedrich Rückerts”

  1. Hase Says:

    Danke für das Gedicht, das zum Nachdenken anregt und auch
    passend ist zum gestrigen Beitrag.
    Ich kannte es nicht…..

  2. minibares Says:

    Huch, das ist ja fast rabiat.
    Wenn man seine Schmerzen und Trauer nicht mit anderen teilt, werden sie bestimmt nicht kleiner.
    So eine Abwendung von den Menschen gefällt mir nicht.

    • theomix Says:

      Das Gedicht stammt aus einer Zeit, in der Konventionen und Normen mehr galten als heute. Ich frage mich, ob heute das „Immer offen sein“ und das „Über alles reden“ zu einer Norm geworden sind. Manchmal braucht es die Abwendung. Wenn man Zuwendung nur als Heuchelei sieht, ist Abstand von Nöten.

  3. Hase Says:

    ich lasse noch ein paar Gedanken hier, bevor ich zum Probewochenende mit dem Chor fahre:

    Mitfühlen ist oft auch besser als mitleiden, wenn man das Leid der anderen sich selbst auch noch auferlegt, dann hilft es dem Leidenden nicht, weil dann zwei Leidende das Leid tragen. Wenn man mitfühlt und dem anderen nahe steht in Gedanken und Gebeten, dann kann man ihm auf diese Art zeigen, dass es einem wichtig ist um diesen Menschen….. . Das Leid kann man keinem abnehmen, aber den Menschen kann man ins Herz schließen, ihn begleiten….
    ein Thema, zu dem viel zu sagen ist…. es hat mich auch schon beschäftigt. Wenn es einem selbst nicht sehr gut geht, ist es manchmal sehr sehr schwer, das Leid der anderen mitzutragen. Wenn man wieder bei Kräften ist, kann man auch etwas abgeben an Menschlichkeit und Wärme. Ich spreche aus eigener Erfahrung, habe oft Hilfe benötigt. Dankbar gebe ich jetzt vieles weiter und ernte viel Freude, die mich erfüllt. Menschen zu begegnen, ihre Geschichten anzuhören, sie zu verstehen, sich in sie hineinversetzen, das ist eine wunderbare Gabe.

    ein schönes Wochenende und einen guten Sonntag wünsche ich

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