Die Hütte: Theologie auf dem Weg zum Groschenroman?

Das Buch „Die Hütte“ ist bei vielen höchst beliebt. Bestimmt nicht wegen der ersten dreißig Seiten. Da schleppt sich die Handlung zäh voran. Unnötige Details füllen die Seiten. Mack, das Erzähler-Ich, verliert seine siebenjährige Tochter, sie wird Opfer eines Ritualmörders. Das passiert bei einem Wochenend-Familienausflug an einer entlegenen Hütte, fast vor den Augen der anderen, aber die sind durch eine Lebensrettung am nahen See abgelenkt.
Überhaupt ist der Stil des Ganzen furchtbar amerikanisch. Emotionale Passagen nah am Groschenroman (Nach dem Motto: „Emotionen immer groß herausstreichen!“).

Mack findet Jahre nach dieser Begebenheit einen Brief im Briefkasten – von Gott, der sich mit ihm in der besagten Hütte treffen will. Und Mack arrangiert das so, dass seine Familie nichts merkt.

Gott begegnet ihm tatsächlich. Drei-einig ist Gott, also hat es Mack mit drei – sehr menschlichen – Wesen zu tun: „Papa“ tritt meist als afroamerikanische Mami auf, Jesus – ist Jesus, ein mediterraner Typ, ziemlich cool, in Jeans und so, und Suraya eine schillernde Asiatin. Dann beginnt eine Reihe langer Gespräche. Hier wird das Buch dann richtig interessant. Hat auch humorvolle Tendenzen.

Doch noch kurz die weitere Handlung: Alles Mögliche hat Mack erlebt, sogar sein Töchterlein auf einer Himmelswiese tanzen sehen, da ist das Wochenende schon vorbei. Er steigt ins Auto, fährt zurück und stößt mit einem anderen Auto derart zusammen, dass er im Krankenhaus tagelang im Koma liegt. Er geht davon aus, er wäre am Sonntag zurückgefahren, der Unfall passierte aber am Freitag. War doch alles nur Phantasie, im Koma geträumt? Es bleibt offen. Doch Mack ist nun von seiner Botschaft beseelt, denn er hat innere Heilung erfahren.

Für mich war wenig Neues drin. Die Gespräche mit Gott fand ich sehr interessant. Sie nehmen den größten Raum im Roman ein. Viele Themen werden angeschnitten, es ist fast ein theologisches Kompendium im Erzähl- und Gesprächsstil. Wobei ich dann oft gemerkt habe, aha, hier soll ein Gespräch geführt werden, es ist so deutlich Schreibe und nicht Sprache. Und an manchen Stellen ist mir einfach  zu viel Pathos: Manche Gedanken, die geistesgeschichtlich  wirklich keine Neuheit sind, kriegen den Fanfarenstoß einer Sondermeldung.

Das Buch hat einen us-amerikanisch evangelikalen Hintergrund. Wer unter einem autoritären Gott und/ oder zu strengem Glauben zu leiden hatte, findet hier einen Schlüssel zu einem neuen Verständnis. Wer zur genannten Zielgruppe gehört, sollte es unbedingt lesen. alle anderen können, wenn sie die genannten Nachteile beachten und ihre Erwartungen nicht zu hoch schrauben. Alles in allem, es hat sich gelohnt. In die Liste der Verschenkbücher kommt es nicht.

Schönes Zitat: „Der Glaube wächst nicht im Haus der Sicherheit“ (Im 13. Kapitel).

William P. Young, Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott

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47 Antworten to “Die Hütte: Theologie auf dem Weg zum Groschenroman?”

  1. sweetkoffie Says:

    Interessant, dass du dieses Buch erwähnst, lieber Theomix, es wurde mit gerade bei meinem Klosteraufenthalt empfohlen und ich weiß nicht, ob ich es lesen will.
    Grüßle
    sk

  2. moorks Says:

    Hm. Das Zitat erklärt vielleicht auch, warum man zu „Beginn“ immer Angst hat um das Samenkorn, oder?

  3. hohesundtiefes Says:

    Ja, läuft unter „irgendwie tröstlich“, aber passagenweise müsste man dann doch zu unkritisch sein, um es genießen zu können… Hat an anderen Stellen aber auch eindeutig Stärken. Verschenken würde ich es auch nicht.

  4. interplanetar Says:

    Sondermeldung:Personifiziert keine Sachen und macht keine Menschen zum Eigentum. Redet mit greifbaren kompetenten Personen, die Autorität haben, nicht mit denen, die autoriär sind. Biometrisch nicht greifbare Person Got-T, ist offensichtlich illegaler Schwarzarbeiter, Steuerbetrüger. Sowohl der Person Got-T, wie der Halter sind der Straftat bezichtigt. Knallzeuge, zu dem was aus der sakraler Gesäßfalte kommt, waren viele. Silikonpuppe, für den Sex, als Sorgenpuppe, ist Notbehelf für Sehnsuchtskranke.

    • theomix Says:

      Liebe Mitkommentatoren, der Redakteur darf sinngemäß kürzen. Wem gemäß könnte ich das jetzt tun?

    • OneBBO Says:

      Ich bemerke hier eine große Unaufmerksamkeit. Sollte es dir wirklich entgangen sein, dass GOT-T für glutamate oxaloacetate transaminase steht? Manche sagen auch ASAT dazu…. es handelt sich aber um dasselbe, förmlich eine Zweifaltigkeit.

      Na, kannste das noch toppen?

    • Tausend Says:

      Liest Du eigentlich die Beiträge, die Du kommentierst, oder nimmst Du nur die schönsten Wörter raus und plapperst dann expressionistisch vor Dich hin?

  5. OneBBO Says:

    Irgendeine Verbindung zu Onkel Toms Hütte?

  6. sylvia Says:

    ujee, mir ist beim lesen dieses werks so schwummrig geworden als hätt ich aufm rummel tonnenweise zuckerwatte geschleckert… ich las es, weil mir viele menschen so begeistert davon erzählt haben aber – nee. ich seh’s so ähnlich wie theomix, muss nicht.

    • theomix Says:

      Das ist wohl das, was ich mit „Groschenroman“ meine: Manches einfach sehr dicke…

    • hohesundtiefes Says:

      Zuckerwatte ist gut! 😉
      Ich hab sie als Kind für mein Leben gern gegessen, doch als ich neulich wieder eine Portion probiert hatte…
      Nun ja: „Als ich ein Kind war, glaubte ich, wie ein Kind…“
      Hmm…jetzt krieg ich die Kurve, was mein Problem mit dem Buch war: es ist einfach… Es nimmt dich als kritisch denkenden Erwachsenen nicht wirklich wahr…. irgendwie….

  7. schlafmuetzenkommentare Says:

    Hallo Theomix 🙂
    Ich habe das Buch schon vor einiger Zeit – wenn nicht sogar schon vor Jahren – geschenkt bekommen, aber leider immer noch nicht gelesen 😦
    Manchmal braucht der Mensch Zuckerwatte, Groschenromane und Schmalziges 😉 Da ich jetzt den Inhalt in groben Zügen kenne, werde ich mir das Buch für solche Momente aufsparen. Aber lesen werde ich es ..
    Grüßli 🙂

    • theomix Says:

      Das ist mal eine Ansage. 😀
      Kannst es jederzeit lesen. Es schadet ja nicht… 🙂

      • schlafmuetzenkommentare Says:

        Mir ist wieder eingefallen, wer mir das Buch geschenkt hat … und warum. Meine Schwägerin schenkte es mir zu Weihnachten, ungefähr 9 Monate nach dem unerwarteten Tod ihres über alles geliebten, jüngeren Bruders.
        Ein Grund, warum solche Bücher nämlich auch gelesen werden, ist der, mit ihrer Hilfe den Verlust eines geliebten Menschen zu verarbeiten. Zu Zeiten da ich damit fertig werden mußte, habe ich nur noch Bücher gelesen oder Filme gesehen, die dieses Thema in irgendeiner Weise aufgriffen.
        Da mag man solche Bücher zu anderen Zeiten vielleicht auch für schmalzig halten .. sie helfen einem aber auch ein Stückchen weiter.
        Denn das nähere und weitere Umfeld mag irgendwann nichts mehr zu dem Thema hören.
        Grüßli 🙂

        • theomix Says:

          Ich kann mir vorstellen, dass manche Hilfe aus diesem Buch ziehen. Und dann ist es auch gut so. Zugleich gibt es andere, denen sind auch diese Antworten nicht genug.
          Wie löst sich’s auf? Am besten ein eigenes Urteil bilden…

  8. wholelottarosie Says:

    Von diesem Buch habe ich noch nie gehört….
    Ich weiß auch nicht, was ich davon halten soll, was Du im Absatz 3 erwähnst – Gott wird in dem Buch mit „Papa“ angesprochen ( das widerstrebt mir). Die Dreieinigkeit sind buchstäblich (!) drei (!) Personen…habe ich da generell etwas falsch verstanden?
    Wie gesagt, gelesen habe ich es bisher nicht.
    Sollte ich?
    LG von Rosie

    • theomix Says:

      Es kann in Büchereien ausgeliehen werden… 🙂 Sollte es nerven, geht es halbgelesen zurück.

      Die Dreiheit ist nicht buchstäblich drei Personen, es schillert, mal sind sie’s, mal sind sie’s nicht.
      Und Gott als Papa ist nicht originell, vom Vater unser bis zur Anrede „Abba“ – was eben Papa auf aramäisch ist.

  9. Hase Says:

    ich habe von dem Buch schon gehört, manche schwärmten geradezu …
    Ich habe es trotz allem weder gekauft noch gelesen…….
    Danke für deinen Beitrag….zu diesem Buch
    😉

  10. Hao Says:

    Wenn Theomix dieses Buch empfehlen würde, hätte ich ein massives Problem. Auch ich wurde vor zwei Jahren massiv mit dem Tobak aus dem Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten konfrontiert. Die Überschrift sagt schon alles aus. Ein amerikanischer Bestseller, der leider den Sprung über den großen Teich geschaff hat. Da ist mir ein alter Busch oder ein Pater Leppich um ein Vielfaches lieber.

  11. nurmalich Says:

    Ichhabe das Buch kennen gelernt bei einer Veranstaltung, bei der Ausschnitte draus gelesen wurden, die – laut Veranstalter – so ausgewählt waren, dass die ganze Geshcichte erkennbar und nachvollziehbar war.
    Überzeugt hat mich das nicht. Und zum Kaufen / Lesen des ganzen Buches hat michs auch nicht animiert.

  12. Theolunke Says:

    Das von dir erwähnte „Amerikanische“ muss beim Lesen mühsam gefiltert werden – dann ist es ein durchaus lohnendes Buch, dass mich persönlich damals auch herausgefordert hat, eigene Gottesbilder zu überdenken … überhaupt ist das ja so ein Problem mit den Gottesbildern (und das war für mich so eine zentrale aussage) egal welches Bild du von Gott in deinem Kopf hast – es ist definitiv zu kurz gegriffen, zu klein – und daher fehlerhaft … keine sehr tröstliche erkenntnis, aber hilfreich! 🙂

    • theomix Says:

      Ich finde das Buch aufbauend.
      Hilfreich wird die Erkenntnis, wenn du die Bewertung als „fehlerhaft“ streichst. Meinetwegen „unvollkommen“. Und das sind wir Menschen eh. Wir denken (fast) immer zu klein, wenn es um die Erkenntnis geht. Es muss den Mosaikstein nicht drücken, dass er Teil eines Größeren ist. 😉

  13. Theolunke Says:

    Na gut – dann „unvollkommen“ … wobei das (für mich) fehlerhaft bedeutet. Aber wir müssen hier nicht um formulierungen streiten 🙂

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