Feind-Bilder

Das beste Mittel gegen Feindbilder: Direkt ran an die vermeintlichen Feinde.

Zwei Erfahrungen:

1. In den Neunzigern: Die Russlanddeutschen: Angeblich fleißig, aber reaktionär und verkorkste Frömmigeit.

Bis mir dann manche ihre Geschichte erzählten, von der Vertreibung 1941, vom Ankommen in Kasachstan oder Sibirien. Und: In Russland waren sie „die Deutschen“, hier sind sie „die Russen“. Und mittlerweile haben Russlanddeutsche ein breites Spektrum eingenommen: Von frommen, rigiden (tatsächlich) Baptisten bis zu den säkularen, gänzlich Unbeleckten…

2. Seit einigen Jahren: die Pfingstler: laut den meisten Medien von den USA ferngesteuerte Reichtumschristen. Stockekonservativ, fundamentalistisch.

Und dann: Vertreter von pfingstlerischen Migrantenkirchen. Offen, klar im Kopf. Sitzen mit uns Volkskirchenleuten zusammen und lesen einen Bibeltext, kommen mit unserer Art der Exegese klar. Keine einengende Theologie.

Das beste Mittel gegen Feind-Bilder: Direkt ran, anschauen, fragen, ins Gespräch ziehen.
Aber Vorsicht: Das könnte die eigenen Vorurteile abbauen! 😉

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20 Antworten to “Feind-Bilder”

  1. Hausfrau Hanna Says:

    Vorurteile sind da,
    lieber Jörg-theomix,
    um sie abzubauen und wegzuräumen 🙂

    Herzlich in einen offenen Tag,
    Hausfrau Hanna,
    (die kürzlich radikal ihr langjähriges Vorurteil über Bord warf, dass nur Spiessbürger einen Schrebergarten haben…)

    • theomix Says:

      .. erst ein Mal: „sie zu überprüfen“. Wenn sie sich bestätigen, sind es dann natürlich keine VOR-Urteile mehr.
      Dir einen klaren Blick an diesem Tag!

  2. IG Says:

    Neulich kam ein interessanter Beitrag im dradio, in dem das Museum in Detmold vorgestellt wurde. Das sprengt sicher aller vorgefassten Bilder. „Feind“ wäre zu heftig.

    Das will ich mir unbedingt inm Detail anschauen:
    http://russlanddeutsche.de/menu/veranstaltungen/das-gras-unter-unseren-fuessen.html

  3. Hao Says:

    Als berenteter Diakon für Russlanddeutsche konnte ich bei meiner langjährigen Arbeit viele Feindbilder bei Einheimischen abbauen.

    Schwerer wird es da schon bei den (Hardcore)pfingstlerin. Reden mit ihnen bringt aus meiner Sicht nicht viel, weil sie auch nicht im Ansatz mein Hinterfragen verstehen. Wir sind doch nur das „Fußvolk und Babychristen“, welche höchstens nur wie „durchs Feuer gerettet werden.“

    • theomix Says:

      Eine gute Arbeit. 🙂

      Migrantenkirchen – das war der Referentin wichtig. Die entsprechen dem nicht, was ich als Vorurteil genannt habe.
      Es klang auch nicht nach sytsematischer Vorbereitung auf ein ekstatisches Erleben… Klar, nüchtern, mit Liebe zur Schrift.

  4. Hase Says:

    Ein guter Beitrag ! Danke.

    Ja, wie schnell ist man mit Vorurteilen behaftet. In unserem Ort waren auch viele Russlanddeutsche. Die „Pfingstgemeinde“ war ansässig und baute in einem Wohngebiet Häuser mit günstigen Krediten und eine eigene Kirche. Das war damals vielen älteren Einwohnern ein „Dorn im Auge.“
    Die meisten sind mittlerweile ausgewandert nach Kanada, die Häuser wurden verkauft. Andere, die hiergeblieben sind, feiern ihre Gottesdienste mittlerweile im ev. Gemeindehaus.
    Private Gespräche und Kontakte helfen, Vorurteile abzubauen. So hat z.B. unser Sohn von einem hier geborenen, fleißigen jungen Mann viel gelernt auf seiner Arbeitsstelle.

    • theomix Says:

      In einem westerwälder Ort hat man eine mennonitische Gruppe vergrault. Ich finde so etwas schlimm. Da werden Vorurteile eben nicht abgebaut, aus Feindbildern werden Feinde.

  5. Auf daß alle eins seien | Die Nacht ist vorgedrungen Says:

    […] Bei Jörg stieß ich auf einen Artikel, in dem es um Feindbilder geht. Und darum, wie diese oftmals unser Denken auf völlig falsche Bahnen lenken. Konkret spricht er von Wolgadeutschen und Pfingstlern, und beim Lesen merke ich: Ja, ich habe auch so das ein oder andere Feindbild, wobei, nein: Feind ist ein zu starkes Wort, aber trotzdem: Vorbehalte gegen gewisse Gruppen sind es mindestens. […]

  6. Auf daß alle eins seien | Says:

    […] Bei Jörg stieß ich auf einen Artikel, in dem es um Feindbilder geht. Und darum, wie diese oftmals unser Denken auf völlig falsche Bahnen lenken. Konkret spricht er von Wolgadeutschen und Pfingstlern, und beim Lesen merke ich: Ja, ich habe auch so das ein oder andere Feindbild, wobei, nein: Feind ist ein zu starkes Wort, aber trotzdem: Vorbehalte gegen gewisse Gruppen sind es mindestens. […]

  7. OneBBO Says:

    Wie ist das denn mit anderen Feindbildern, die heute so beliebt sind? Reiche Menschen. Privat Krankenversicherte 🙂 Fahrer von schnellen Autos…. Raucher…. Politiker…. ❓

  8. Lichtkind Erde (@erdlicht) Says:

    Feinde habe ich nicht. Spektakel sah ich von nah. Menschen mit ilegalen übernatürlichen Steuerbetrüger, ohne Urkunden, Meldeanschrift unter ihrem Dach, verwenden sie gegen Überfeuerung, Mangel an Wasserleitung, Staudämme, Abwasserkanal, sanitäre Anlagen. Im Weiteren haben sie gegen Rattenfloh Pyrethrum (Nervengift) in Chrysanthemum (goldene Kaiserblume) Sie putzen ihre Tupperware und Amwaytöpfe auf das Feinste, Sie reden, singen, beten für Geld in Schulen und in Straßen, um gesehen zu werden. Von Ackerbau keine Ahnung. Oft wollen die auch noch Frauen zum Eigentum, welche die Klappe halten und dann auch noch Kinder züchtigen. Unendlich Friede, Freude, Eierkuchen.

  9. theolunke Says:

    Leider funktioniert unsere Gesellschaft so, dass man Feindbilder aufbaut. Politik, Medien, das Umfeld, alle sagen uns, warum welche Menschen wie genau schuld an allem sind.
    Die Banker, die Ausländer, die Beamten, die Arbeitslosen, die Raucher, die Asylwerber, die …
    Diese Liste lässt sich beliebig verlängern. Kein Wunder, dass man dasselbe Schema auch im christlichen Bereich findet! 😦

  10. Frau Momo Says:

    Feindbilder sind wieder schwer gefragt und leider machen sich die, die sie schüren, natürlich nicht die Mühe, sie auch mal zu hinterfragen und viel zu viele schließen sich blind an. Als ich hier neulich abend auf unserem Balkon saß wur dei ch unweigerlich Zeugin eines Gesprächs auf dem Nachbarbalkon…. „ich mag keine Zigeuner, die sind so respektlos“ Ich konnte nur schwer an mich halten und gehe jede Wette ein, das der, der das gesagt hat, noch nie wirklich mit einem Sinti zu tun gehabt hat.

    • theomix Says:

      Ich habe bewusst mich selbst befragt. Die besten Änderungen beginnen bei mir.
      Natürlich Augen auf bei geschürten Bedenken. Und wo gibt es sie bei MEINEN Lieblingsmedien? Augen auf…

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