Gemütliche Gottesdienste?

Passen die beiden Begriffe zusammen – „Gemütlich“ und „Gottesdienst“?

Ich meine: Gemütlichkeit im heutigen Sinn, verbunden mit der Geselligkeit, ist keine Auszeichnung für einen Gottesdienst. Außer es geht um Wohlfühlen, Geborgenheit oder Heimat. Diese Begriffe verbinde ich positiv mit Gottesdienst.

Vor ein paar Tagen hatte eine katholische Gemeinde in einem Heimatblatt zum Pfarrfest eingeladen. Dort hieß es dann: „Den Sonntag beginnen wir mit der Familienmesse um 11.00 Uhr; im Anschluss daran findet der gemütliche Teil auf dem Kirchplatz und im Pfarrzentrum statt.“ Wie bitte? Stolperfalle?.

Es gibt auf der einen Seite die Messe und auf der anderen den „gemütlichen Teil“. Das klingt so, als ob die Messe (Familienmesse!) ungemütlich sein müsse. Jedenfalls sind beide deutlich getrennt.

Eine Familienmesse versucht ja wohl, Familien mit Kindern zu integrieren. Das heißt, es geht etwas lockerer zu? Ich habe keine Erfahrung damit. In Familiengottesdiensten bei uns ist die „normale“ Liturgie deutlich gelockert.

Gemeint ist es sicher anders: Die Messe ist etwas Offizielles, Feierliches, der Priester trägt Gewänder, die Gemeinde Sonntagsstaat. Und danach Krawatte aus, Sakko über die Stuhllehne und Ärmel hochkrempeln. Die Menschen sind nicht mehr distanziert, sondern dicht beieinander.

Ich kann feierlich und locker nicht so trennen. Es schadet beiden.  Gemütlich soll es nicht werden im Gottesdienst. Aber etwas zum Freuen muss der Mensch haben, wenn er die Nähe Gottes feiert. Wenn man sich nach Kaffee oder Kaltgetränk sehnt, stimmt etwas nicht.. Ist der Gottesdienst kurz genug und fröhlich, dann wird, meine ich, das Gemeindefest zu einer runden Sache. Wer will, darf das auch „gemütlich“ nennen – wenn es nur „schön“ ist… 😉

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33 Antworten to “Gemütliche Gottesdienste?”

  1. OneBBO Says:

    Die Lösung ist so einfach: In Kirchen ist es bekanntermaßen immer lausig kalt. Gemütlichkeit beinhaltet als Wort die Wärme. Und so kann eben, ohne die Kirche als Ort der Kälte zu diffamieren, zu warmem Ambiente eingeladen werden.

    • theomix Says:

      Die genannte Kirche ist jüngeren Datums und schlecht isoliert. Im Winter zu kalt, im Sommer zu warm.
      Hier kann es also nicht daran liegen.

  2. Frau Momo Says:

    So ein bißchen verstehe ich die katholische Ankündigung… mir taten jedenfalls nach meinem letzten katholischen Gottesdienst die Knie weh. Ich bin ein seltener Gottesdienstgast, das muß ich zugeben. Ich wollte das hier ja wieder ändern, aber ich kann mich nicht dazu überwinden, immer nur Lithurgien runterzuleiern und mich eher an eine Trauerveranstaltung erinnern zu lassen als Gottesdienst zu feiern.
    Gemütlich soll er nicht sein, aber auch keine trostlose Trauerveranstaltung. Es heißt doch immer „Wir feiern Gottesdienst“. Ich will mir demnächst mal mit einer Kollegin einen afrikanischen Gottesdienst angucken und mitfeiern. Die sind allerdings auch nicht gemütlich, alleine schon ihrer Länge wegen.

    • theomix Says:

      Afrikanisch: das wird vermutlich lang. Ja. Und über Kälte muss man da auch nicht jammern.
      Das Katholische wäre gewiss nichts für deinen Protestantinnen-Kopf. :mrgreen:

  3. Dr. Ehrlich Says:

    Genau das, die Freude, kommt in den meisten Gottesdiensten zu kurz. Und wenn ich dann den leiernden „Gesang“ der Gemeinde höre, wundert es mich regelmäßig, dass nicht viel häufiger der Blitz in Kirchen einschlägt.

    • theomix Says:

      Du sollst den Gesang nicht hören, sondern mitsingen. Und jetzt nichts mit ‚unmusikalisch‘ und ‚Ich kann nicht singen‘. Wer nicht mitmacht, darf sich an der Stelle nicht beklagen. Munter jaulen und aufpeppen.
      Soweit der spaßige Teil der Antwort.
      Freude ist in unserer Kultur etwas sehr Verhaltenes. Und kommt sie öffentlich, ist sie keine Kultur.

      • Tausend Says:

        Wie ist das gemeint? Meinst Du, es gibt in unserer Kultur keinen angemessenen Ausdruck für Freude oder dass öffentlicher Ausdruck von Freude irgendwie als „off“ wahrgenommen wird?

        • theomix Says:

          Ich bedaure es, wenn Gottesdienste als freudlos und distanziert wahrgenommen werden. Schlimmer noch, wenn sie wirklich so „gefeiert“ werden.
          Was das für unsere Kultur heißt, habe ich noch gar nicht erwogen.

        • Tausend Says:

          Aber geschrieben. 😉

        • theomix Says:

          Im weiteren Sinne?
          Danke!

        • Tausend Says:

          Ich weiß nicht, wie weit der Sinn dabei war. Aber das Wort Kultur kam im sehr engen Sinne vor:
          „Freude ist in unserer Kultur etwas sehr Verhaltenes. Und kommt sie öffentlich, ist sie keine Kultur.“ (Theomix)

        • theomix Says:

          *räusper* Im Kommentarbereich des Dashboards und auch der Seite Kommentare ist die Baumstruktur nicht mehr zu erkennen.
          Noch mal von vorn per Zweig und Äste:
          Öffentlicher Ausdruck von Freude ist kein Teil der Hoch-Kultur. Gelächter und Applaus sind da gelitten. (In manchen Gottesdienstkulturen aber schon nicht mehr!) Mitsingen ist schon schwieriger. Gar aufstehen und tanzen? Ekstase? Ist doch vulgär…

        • Tausend Says:

          Ah, verstehe. Verstehe 2. (Einmal die Technik und einmal die Kultur) Danke. 🙂

        • theomix Says:

          Technik: Danke fürs stupsen. Und dann: Gerne!
          Kultur: Gerne.
          Hin und her, her und hin. So geht lernen… 🙂

      • Dr. Ehrlich Says:

        – Wenn ich am Gottesdienst teilnehme, dann singe ich auch mit – eben deshalb wundert es mich.

        – Wie wahr und welch philosophisch tiefe Erkenntnis. Ich bin schwer beeindruckt.

        • theomix Says:

          – Oha! Ein kräftiger Sänger allein kann die Lage nicht retten. Den Organisten bestechen?
          – Tiefe entsteht nur durch Krater, die der Blitzeinschlag hinterlässt.

        • Wolfram Says:

          Organisten sind arme Menschen, sie machen es immer falsch: sie spielen zu schnell, zu langsam, zu laut, zu leise… und im Gegensatz zu Pfarrern, die es auch immer falsch machen, haben Organisten weder Titel noch Nimbus. Dafür aber einen kritischen Pfarrer… 😉

          Spaß beiseite [sic]: wenn du so spielst, wie die Gemeinde singt, wirds bald leierig, denn irgendwer bremst immer mit cäcilianisch-lyrischem Ton die anderen aus. Wenn du frisch-fröhlich intonierst und zügig begleitest, beschweren sich die Öömchen, die keine Luft mehr kriegen. Spielst du kräftig, hören sie sich nicht singen, spielst du verhalten, singen sie, was sie wollen – aber du bist schuld.

          Mein Organist hat auch so manche Marotten, noch dazu ist er schwerhörig, aber ich lasse ihn machen – wenn ihm wirklich mal was gesagt werden muß, schicke ich andere vor. Die keine Ahnung vom Orgelspiel haben. Das ist in dem Fall besser so.

  4. Netzfunde 24. Woche 2013 - Lechajim Says:

    […] Kann oder sollte ein Gottesdienst gemütlich sein? Wir wollen uns im Gottesdienst wohlfühlen, aber ist das das Gleiche? Mein Blogger- und Pfarrerkollege Jörg macht sich darüber Gedanken. Theomix: Gemütliche Gottesdienste […]

  5. Hase Says:

    interessant , einmal über diesen Ausdruck nachzudenken, lieber Jörg

    „Gemeint ist es sicher anders: Die Messe ist etwas Offizielles, Feierliches, der Priester trägt Gewänder, die Gemeinde Sonntagsstaat. Und danach Krawatte aus, Sakko über die Stuhllehne und Ärmel hochkrempeln. Die Menschen sind nicht mehr distanziert, sondern dicht beieinander.“

    So wird es sein. Ich wurde einmal in der katholischen Kirche ermahnt von dem Pfarrer, der mittlerweile doch in den Ruhestand versetzt wurde, weil ich gelacht habe……. noch bevor der Gottesdienst begann……

    das gemütliche Beisammensein erinnert mich eher an Vereine, die dazu einladen….. oder private Feiern. Sicherlich war das nicht so passend ausgedrückt….
    aber ein Anhaltspunkt für einen interessanten Beitrag…
    Danke Dir !!!

  6. minibares Says:

    Messe ist Messe.
    Aber Familiengottesdienst ist schon erheblich lockerer, das stimmt.

    Wie ich ja schon öfter bei mir geschrieben habe, ruft unser Pfarrer zum Vaterunser immer die Kinder, mit ihm zusammen um den Altar herum es zu beten. Hand in Hand.
    Die Kinder kommen immer fröhlich wieder zurück zu ihren Eltern oder Großeltern.
    Also gibt es auf alle Fälle Fröhlichkeit bei uns…

  7. schlafmuetzenkommentare Says:

    Hallo Theomix 🙂
    Unsere Gottesdienste sind wie unsere Mentalität: Ernsthaft, geordnet, vorhersehbar.
    Dieses Verhalten spiegelt sich in vielen Lebensbereichen unserer Gesellschaft wieder und gehört warscheinlich zu unserer „Kultur“.
    Spontanität? Unerwünscht. Freude und Fröhlichkeit? Ebenfalls Fehlanzeige. Plappernde Kinder in der Messe? Böse Blicke anderer Kirchgänger, im schlimmsten Fall vom Pfarrer.
    Mit 3 Kindern am Familiengottesdienst teilnehmen war ein Spießrutenlauf für mich als Mutter (seltsamerweise weniger für den Vater). Ich war immer froh, wenn er vorbei war.
    Vermutlich weiß der einladende Pfarrer in deinem Beitrag von diesem Umstand und beschreibt darum den anschließende Teil als gemütlich.
    Damit überhaupt jemand kommt.
    Eine wirkliche Abwechslung und ein Gefühl von Nähe und Miteinander erlebte ich fast nur bei Messen / Gottesdiensten, die gezielt von Schülern und Lehrern bzw. Kindergarten vorbereitet wurden oder bei denen im Urlaubsort.
    Grüßli zur neuen Woche 🙂

    • theomix Says:

      Herzlich willkommen, Schlafmuetze – zu deinem ersten Kommentar hier. Sehr aufgeweckt übrigens. 😉

      Natürlich war es Arbeit, aber ich nehme wahr, die Gottesdienstgemeinde hier hat (seit einigen Jahren) akzeptiert: 1. Kinder sind willkommen; 2. Heiter ist für alle schöner.
      Es stimmt mich traurig von deinen Erfahrungen zu lesen. Ich vermute eher, ein Mensch aus der zitierten Gottesdienstegmeinde hat formuliert – und nicht der Priester, aber vermutlich liegen die Messen dort im steifen Sektor.
      Dir auch alles Gute in der neuen Woche! 🙂

  8. schlafmuetzenkommentare Says:

    Hallo Theomix 🙂
    Danke. Meine „Kinder“ sind schon etwas älter (26-30 J.), darum hat sich das mit der Zeit vielleicht etwas geändert (glaube ich aber nicht). Ich komme aus einer sehr kath. Ecke, Kleinstadt . Da weiß jeder genau, was erwartet wird. Ich war bis zum ersten Kind evangelisch/lutherisch. Mein 1. Mann kam aus einem kath. Dorf. Da war es noch strenger; und ihm war Kirche für alle Zeiten verleidet.
    Alles in allem würde ich sagen, die Kirche ist eine unbewegliche Institution, die auf ihre Schäfchen kaum zu- und eingeht. Gute Pfarrer werden wegversetzt in höhere Ebenen, wo sie mit der Gemeinde nix mehr am Hut haben. Zurück bleiben die schrägen Vögel, die zu einer 86 jährigen Frau- deren Mann eine Stunde vorher gestorben war – sagen: „Ihr Mann ist jetzt natürlich im Fegefeuer ..“ Wirkliche Seelsorge kommt selten vor, gibt es aber auch.
    Meine Erfahrungen sind nicht nur negativ. Und ein Pfarrer allein steht auf verlorenem Posten, wenn die Gemeindemitglieder sich für wichtig halten 😉 und der Dechant ein (all?) mächtiger Mensch ist.
    Ich kann für mich behaupten, dass ich nach wie vor ein gläubiger Mensch bin. Aber ich tue mich schwer mit der Kirche.
    Ach, das läßt sich nicht alles hier posten .. 😉
    Wir sind ja nicht im Beichtstuhl.
    Grüßli zum Abend. Werde jetzt mal Spargel kochen gehen … 🙂

    • theomix Says:

      Danke, werte „Schlafmuetze“, für das Mitteilen deiner Erfahrungen!
      Schade, dass sie nach Enttäuschung klingen. Ich weiß, es gibt Anderes in der katholischen Kirche. Mief und Muff gibt es überall dort, wo eine Konfession seit Urzeiten in der Mehrheit ist. Doch die eigenen Erfahrungen sind unbestreitbar. Aber sie lassen sich verändern.
      Und ich bin froh, dass du dich nicht von der Kirche verabschiedet hast. ich meine ja, ohne diesen unvollkommenen Haufen geht es auch nicht, an ihm führt kein Weg vorbei.
      Grüße zurück! Und der Kopf sitzt aufm Hals, damit er oben bleibt!

  9. Netzfunde 24. Woche 2013 - Lechajim - für das Leben Says:

    […] Kann oder sollte ein Gottesdienst gemütlich sein? Wir wollen uns im Gottesdienst wohlfühlen, aber ist das das Gleiche? Mein Blogger- und Pfarrerkollege Jörg macht sich darüber Gedanken. Theomix: Gemütliche Gottesdienste […]

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