Tag der Verbrecherbande

Heute vor 80 Jahren ernannte der damalige deutsche Reichspräsident einen neuen Reichskanzler. Auf ihm ruhten die Hoffnungen von Millionen. Nur wenige durchschauten ihn. Wer sich durch sein Grundlagenwerk gequält hatte, ahnte: Der bringt Terror und Krieg. Nach dem 30. Januar 1933 wurde immer mühsamer ein Schein des Rechts gewahrt. Und schließlich kam es, wie befürchtet.

„Mein Vater hat die Nazis immer nur ‚die Verbrecher‘ genannt“, erzählte eines Abends mein Vater*. Der mit vielen, wenn auch nicht allen Wassern gewaschen war: Klares Taufwasser zur Konfirmation und zugleich braune Brühe in der politischen Erziehung.

Ich, Nachgeborener, wusste, es war leicht, Eltern zu denunzieren – und geschah auch. „Und du hast ihn nicht verpfiffen?“ „Nein.“

Auf die Frage, warum, konnte er nichts sagen. So sieht Familien-Solidarität aus..

* Am Stichtag 12 Jahre alt.

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14 Antworten to “Tag der Verbrecherbande”

  1. mialieh Says:

    Viele aus der Generation über den Soldaten dachten kritisch. Es ist krass, dass dieser kritische Geist sich kaum auf die Jugend ausgewirkt hat.

  2. minibares Says:

    Tja, viele haben verpfiffen.
    Und so Familien entzweit.
    Dieser unwürdige Kerl, es ist immer noch nicht zu fassen, dass er so viel Macht bekommen konnte.
    Aber man denke an diese Neo-n-a-z-i-Zelle, die auch niemand ernst genommen hat… offensichtlich.

  3. tmp Says:

    In der letzten Zeit laufen wieder viele Dokus und Reportagen über die Machtergreifung und es ist für mich immer wieder erstaunlich, dass der Mann mit legalen Mitteln an die Macht gekommen war und später mit denselben legalen Mitteln die Demokratie und den Parlamentarismus abschaffen konnte…
    Für mich ist das immer noch völlig unverständlich… 🙄

    • theomix Says:

      Ich versuche mich hineinzudenken und kann es (sehr begrenzt) nachvollziehen. Je größer der abstand wächst, um so schwieriger wird es. Heutige politische Verführungen arbeiten subtiler.

  4. Hase Says:

    danke, dass Du das schilderst….
    Ja, auf manche Fragen kamen keine Antworten…….
    einfach unvorstellbar , was ein Mensch bewirkt hat …

  5. Gerd Laschefski Says:

    Der Begriff „legale Mittel“ erweckt nach heutiger Vorstellung in einer gewissen Hinsicht einen falschen Eindruck. Wenn man die sog. „Machtergreifung“ nachvollziehen will, muß man vorher die Weimarer Verfassung verstehen. Ohne die geht da nix. Wenn man das verstanden hat, weiß man, daß es für den Kanzler keiner Mehrheiten bedurfte. Hier liegt historisch die entscheidende Verantwortung bei Hindenburg. Entscheidend ist also: Es geht erst mal nicht um Verführung irgendwelcher „Volksgenossen“,

    • theomix Says:

      Nein, darum geht es nicht. Ich suchte mit einem Blitzlicht eine kurze Beschreibung. Sie deutet auch an, warum sein Treiben toleriert wurde.
      Alles weitere: Danke für die Ergänzung!

    • tmp Says:

      Mit „legal“ meinte ich eben diese in der damals gültigen Verfassung vorgesehenen Mechanismen, die letztlich zur Abschaffung des Parlamentes geführt haben… Ein einmaliger Vorgang, bei dem die Volksvertreter, besonders das katholische Zentrum, sogar in der Mehrheit mitgemacht haben…
      Damit wollte ich den Gegensatz zu Hitlers Münchner Putschversuch betonen, bei dem es eben nicht „legal“ zuging…

  6. Wolfram Says:

    Nichts ist einfach, wenn es darum geht, diese (oder auch viele andere) Geschehnisse zu verstehen. Es geht immer alles weiter zurück als man meint…
    und auch Heinrich Albertz hat mal SA-Uniform getragen.

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