Kribbeligkeiten vor dem Fest

2011 verfasst, es passt aber erst jetzt.

Wer es noch nicht weiß: Der Dezember ist Hochsaison für Menschen in Kirchengemeinden. Im Grunde – und vielleicht wissen das viele wirklich nicht – schon der November, weil da die trüben Feste kommen, der Haushaltsplan beraten werden muss, eine Kreissynode stattfindet und die Menschen vorzugsweise bei grauem Regenwetter aus der Welt gehen. Obwohl letzteres nicht zutraf dieses Jahr, die Nerven sind etwas angeraut.

Was mich auch noch kribbelig macht:

1. Die Weihnachtszeit: Überall Hinweise, wie es jetzt in der Weihnachtszeit so wäre. Hm. Ich hab  mal gelernt, die Weihnachtszeit beginnt am 25. Dezember, frühestens am 24. mit Einbruch der Dunkelheit. Die Phase vorher heißt Advent,  Adventszeit oder vielleicht noch „Vorweihnachtszeit“.
Die Weihnachtszeit endet dann evangelischerseits mit dem 6. Januar, dem liturgisch so genannten „Epihanisasfest“, volkstümlich „Heilige Drei Könige“, aber es waren  weder drei noch Könige, aber das nur am Rand.

2. „Immer ein Lichtlein mehr“ – eine echte Zitatefalle. „Sieh da, welch schönes Gedicht von Matthias Claudius“, bloggen viele. Aber wenn ich so in Claudius‘  Gesammmte Werke schaue, hinauf und herunter, findet sich dieses Gedicht gar nicht.  Es besingt ja auch den Adventskranz, der meines Wissens von J. H. Wichern im „Rauhen Haus“ in Hamburg eingeführt hat, in den dreißigr Jahren des 19. Jahrhunderts. Da war der Matthias Claudius schon eine ganze Weile tot.
Das Gedicht stammt von Hermann Claudius. Der Urenkel von Matthias, und weil den keiner kennt, hat man es dem Uropa angeheftet. Und weil mir das neulich jemand nicht glauben wollte, habe ich beim Webmaster der Seite http://www.hermann-claudius.de/ angeklopft und gefragt, wann denn das vermeintliche Matthias-Gedicht zum ersten Mal veröffentlicht worden ist. Er antwortete mir: Es erschien zum ersten Mal „in einem Schulbuch: Bertram, Heinrich u.a. (Hg): Schroedels Lesewerk 12/1952“.
Streng genommen ist dann eine Veröffentlichung sogar bis 2050, na ihr wisst schon…

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36 Antworten to “Kribbeligkeiten vor dem Fest”

  1. Susanne Haun Says:

    Ich bin auch erstaunt, wie wenig wir wissen.
    Aber das ist in allen Bereichen so.
    Wir haben ein 1/8 Wissen und das ist schon hoch gegriffen.
    Leider können wir nicht alles Wissen der Welt aufnehmen, es ist einfach zu groß geworden.
    Ich möchte so viel mehr lernen aber die Zeit dafür ist begrenzt.
    Einen schönen Tag wünscht dir Susanne

    • theomix Says:

      Ebenso einen schönen Tag.
      Oft fehlt die Gründlichkeit oder insgesamt der Wille, Dingen auf den Grund zu gehen. Da übernimmt man gutgläubig eine Information. Das war wohl immer so, aber im Internet fällt es mehr auf, wenn es nicht stimmt.
      Und das andere (eigentlich das erste) ist der Verlust der Tradition. Der ist nicht schön. Da auch im Moment nichts Besseres nachkommt.

  2. Hase Says:

    Danke für die vielen interessanten Hinweise….
    hoffentlich strapaziert dich das Kribbelige nicht allzu sehr

    alles Gute für Dich durch die Adventszeit

    • theomix Says:

      Es war die Kribbeligkeit des letzten Jahres. Das sollte kurz vorm Fest ins Netz. Und dann brannte es im Kindergarten. Da waren die Nerven platt, von Kribbeln keinen Rede mehr. Jetzt ist alles wieder normal kribbelig. 🙂

  3. Werner Says:

    Zu 1.
    Und dann überall die Weihnachtsfeiern… neuerdings shcon manchmal vor dem 1. Advent.
    Mich hat das auch schon seit langem genervt, aber inzwischen versuche ich einfach, drüber weg zu sehen. So nach dem Motto: Ärgere dich nur über das, was du ändern kannst und ändere es.

    und zu 2.
    Das Claudius-Gedicht begegnet mir heute zum ersten Mal.
    Ist ganzz nett, auch wenn es nicht von Matthias C. ist.

    Adventliche Grüße
    Werner

  4. tmp Says:

    Für mich beginnt DIE Weihnachtszeit auch erst Heiligabend… Allerdings ist bei mir das Ende ein bisschen offen…
    Alles, was davor liegt, ist dann natürlich nur die VOR-Weihnachtszeit…
    Wir wollen die Kirche ja mal im Dorf lassen, wie das so schön heißt…

    Nur weil man bei Aldi schon Ende September Christstollen kaufen kann, müssen wir nicht gute, d.h. bewährte alte Traditionen mit Füßen treten… 😉

    • theomix Says:

      Das Ende der Weinachtszeit ist katholischerseits Mariä Lichtmess. (Hab ich mal gesagt bekommen.) Da hast du dann bis zum 2. 2. Zeit.
      Und in Holland gibt es Spekulatius das ganze Jahr über. Dafür kommen dort die Geschenke mit dem Heiligen Nikolaus.

      • Werner Says:

        Inzwischen hat sich da die kath. Tradition geändert.
        „Die Weihnachtszeit endet je nach Konfession am Fest der Taufe des Herrn (Sonntag nach dem 6. Januar) oder am Fest der Erscheinung des Herrn (am 6. Januar).“ (wikipedia)
        Die Konfessionensind also auch da einander näher gerückt.

        Werner

      • Werner Says:

        Imübrigen heißt dieses Fest „Mariä Lichtmess“ eigentlich im liturgischen Kalender der kath. Kirche „Fest der Darstellung des Herrn“
        Nach jüdischer Vorschrift gilt die Frau nach der Geburt eines Knaben 40 Tage (7 Tage und 33 Tage „Reinigungsblutung“) und nach der Geburt eines Mädchens 80 Tage (14 Tage und 66 Tage „Reinigungsblutung“) als unrein (Lev 12,1–8 EU). Als Reinigungsopfer hatte sie dem Priester ein Schaf und eine Taube zu übergeben.

        Zudem wurde der erstgeborene Sohn in Erinnerung an die Pessach-Nacht als Eigentum Gottes angesehen (Ex 13,2.15 ) und ihm im Tempel übergeben („dargestellt“), wo er durch ein Geldopfer (Num 18,16) bzw. Tierersatzopfer (Lev 12,6–8) auszulösen war. Das Lukasevangelium berichtet, dass der Knabe Jesus gemäß dieser Gesetzesvorschrift von Maria und Josef zum Tempel gebracht und das vorgeschriebene Opfer gereicht wurde (Lk 2,22–24). Dort erkannten ihn Simeon und Hanna als Erlöser. Simeon stimmte seinen Lob- und Sterbegesang Nunc dimittis („Nun lässt Du, Herr, Deinen Knecht, wie Du gesagt hast, in Frieden scheiden… “ ) (Lk 2,29–32) an.
        (quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Darstellung_des_Herrn )

  5. minibares Says:

    Vor allen Dingen, warum heißen die Weihnachtsmärkte Weihnachtsmärkte? Das will sich mir nicht erschließen.

    zu allem Überfluss haben wir in unserer Kirche am kommenden Sonntag noch eine Fusions-Feier mit besonderer Messe und anschließender Feier im Kolpinghaus.
    Bin gespannt, wie morgen abend die Chorprobe abläuft, mit unserem Chor und dem neuerdings zusammengeschlossenen der beiden Gemeinden, mit denen die Fusion vollzogen werden wird.

  6. Werner Says:

    Auf dem Fischmarkt kauft man Fische, auf dem Viehmarkt Vieh, auf dem Pferdemarkt Pferde usw.usw.
    Und weil man auf dem Weihnachtsmarkt Weihnachten kauft, ists doch klar, warum die Weihnachtsmärkte Weihnachtsmärkte heißen….
    🙂

  7. Wolfram Says:

    „Epiphanias“ ist ein schwieriges Wort…
    Mich nervt es auch ein wenig, daß hierzuland offenbar allgemein die Weihnachtsfeiern für die Kinder schon lange vor Heiligabend gehalten werden (der ja auch noch nicht Weihnachten ist), und die Bäume schon jetzt oft stehen (aber in Dortmund offenbar auch). Am 16. ist eben erst 3. Advent. Aber andererseits verstehe ichs auch, die Kinder haben ab dem 22. Ferien und sind großenteils am 24./25. gar nicht zuhause, sondern bei den Großeltern. Wir haben hier zu Heiligabend auch lauter Auswärtige, aber die einheimischen Familien großenteils eben nicht. Sagte man mir jedenfalls.

  8. Frau Momo Says:

    Wir merken das auch, das wir nicht sehr passend kommen mit unserer Privatquartierkampagne vom Kirchentag, aber ohne die Gemeinden geht es nicht.

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