Ein schönes Wochenende und einen guten Sonntag!

Der Wunsch „Ein schönes Wochenende!“ Dieser Wunsch will mir nicht immer gefallen. ich habe hier im Blog manchmal geantwortet: „Und einen guten Sonntag!“ Gehört der Sonntag nicht zum Wochenende?

Der Sonntag ist gefühlt der letzte Tag der Woche, und die Kalender sagen es so. Nach jüdischer und christlicher Tradition ist er der erste Tag der Woche, der letzte ist der Samstag, der Sabbat.

Bis 1976 waren die deutschen Kalender noch so geeicht, seither folgen sie den Maßgaben der UNO: erster Tag der Woche ist der Montag.

Ich erinnere mich an meinen Religionsleher, hauptberuflich Pfarrer, der nach dem Jahreswechsel 1975/ 76 losschimpfte (nicht wahr, Hao, das konnte er…) Seine ganzen Kalenderübersichten seien für ihn unbrauchbar, weil der dicke Strich jetzt NACH und nicht mehr VOR dem Sonntag lägen. Ihm wäre das wichtig, dass der Sonntag der ERSTE Tag der Woche sei. Immerhin sei er der ERSTE Tag, den der Mensch laut Schöpfungsgechichte erlebe, der Sabbat: ein freier Tag.

Überhaupt Sabbat: Nach Schöpfungsgeschichte ist es der siebte Tag, an dem Gott ruhte. und die ersten Christen feierten in Korinth die Gottesdienste am ersten Tag der Woche – am Sonntag.
Das erste Durcheinander brachten Kaiser Konstantin, der den Sonntag zum staatlichen Feiertag erklärte.

Das Lebensgefühl machte dann aus dem ersten Tag den letzten Tag der Woche. Denn mit dem (für die meisten arbeitsfreien) Samstag entsteht ein Zeitraum von 2,5 freien Tagen, das „Wochenende“. Und am Montag beginnt dann die Arbeitswoche.

Damals erschien mir das viel sinnvoller und moderner. Meinen Religionslehrer fand ich etwas albern.

Heute, im selben Beruf wie er, ist der Sonntag für mich herausgehoben aus der restlichen Woche – ob nun letzter oder (für mich eher) erster Tag: Er ist die Krönung. Deshalb erlaube ich mir, auf den Wunsch „Ein schönes Wochenende!“ hin und wieder (vor allem samstags) zu erwidern: „Und einen schönen Sonntag!“  Vielleicht erinnert sich der eine oder die andere an die alte Zählung oder nimmt den gekrönten Wochentag bewusster wahr. .Dicke Striche im Kalender stören mich weiterhin nicht.

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32 Antworten to “Ein schönes Wochenende und einen guten Sonntag!”

  1. elsuho Says:

    Da war ich gerade 10 Jahre alt, als die Kalender umgestellt wurden, weiß ich noch, weil mich das total irritierte, als Kind. 😉

  2. Susanne Haun Says:

    Immer weniger Menschen beschäftigen sich mit dem Christentum, obwohl es die Grundlage der westlichen Kultur ist. Vieles können wir erst verstehen, wenn wir unsere Vergangenheit können.

  3. allemeineleidenschaften Says:

    dicke Striche stören mich auch nicht weiter, egal wo und in welcher Beziehung, lächel 🙂 Im Notfall hüpfe ich einfach drüber.
    Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, dass der dicke Strich VOR dem Sonntag lag. Ist jetzt völlig neu für mich und daher sag ich mal danke lieber Theomix, nun bin ich „auf meine alten Tage noch“ wieder ein wenig schlauer geworden.
    Liebe Grüße aus OWL und ein schönes Wochenende wünsche ich, einschließlich dem Sonntag 😉

  4. Monika Says:

    Guten Morgen,

    das ist eine schöne Antwort. Und es wird immer aktueller, da mehr und mehr Menschen am Samstag arbeiten müssen. Sie haben also auch nur den Sonntag zum Erholen quasi. Die Geschäfte haben samstags offen und somit sind auch viele andere daran gekoppelt, am Samstag auf zu haben und zu arbeiten.
    Der Sonntag dagegen ist ein Tag, an dem nur die nötige Versorgung geleistet werden darf und das ist auch gut so.

    Viele Grüße

    Monika

    • Werner Says:

      Allerdings ist das gar nicht so eindeutig, was als „nötige Versorgung“ angesehen wird.
      Ist es denn – um nur ein kleines Beispiel zu nennen, wirklich „nötig“, dass wir uns am Sonntag mit frischen Brötchen versorgen können?

      Werner

    • theomix Says:

      Diese Probleme habe ich gar nicht einbezogen, der Samstag war ja früher mal für die meisten frei, die Geschäfte schlossen um 14:00 Uhr, dann war Ruhe. Allmählich wird die Woche zum Zeitbrei.
      Das habe ich nicht berücksichtigt, weil der Beitrag sonst zu lang geworden wäre. Danke, dass du es erwähnst!

  5. Hao Says:

    Ja, das konnte der Mann von der anderen Talseite. Aber ich werde nie vergessen, dass dieser Mensch, vor dem alle zitterten, unter meiner zweiten Probepredigt geschrieben: „Ich habe sie mit innerem Gewinn gelesen“. Und darauf bin ich heute noch sehr stolz.

  6. minibares Says:

    Aber es ist doch so, dass Gott am siebten Tag ruhte, und das ist für mich der Sonntag.
    Wir kaufen auch am Sonntag keine Brötchen, neee, am Samstag und am Sonntag werden die für den Sonntag bestimmten aufgewärmt.
    Ich könnte aus der Haut fahren, wenn Leute am Sonntag ihr Auto waschen.
    Dir ein gutes Wochenende 😉

  7. Hase Says:

    Danke für Deinen interessanten Beitrag. Ich kann mich gar nicht mehr genau daran erinnern , dass der Kalender umgestellt wurde. Aber der Sonntag soll ein besonderer Tag sein und bleiben. Zum Gottesdienstbesuch , zum Innehalten in der Familie…. Wenn es aus beruflichen Gründen nicht möglich ist (Schichtdienst in Krankenhäusern z.B.) heißt das aber nicht, dass auch Geschäfte offen sein müssen. Dagegen wehre ich mich auch.
    Ich werde einmal darauf achten in Zukunft , wenn ich Dir auch einen schönen Sonntag wünsche 🙂

  8. freiedenkerin Says:

    Für mich ist der Sonntag oft genug ein Arbeitstag wie jeder andere auch. 😉 Dafür werden dann andere Tage, oft völlig unvermutet, irgendwie zu Sonntagen. 😉

  9. tonari Says:

    Oh, wieder was gelernt.
    Ich wundere mich seit Jahren, warum die Woche in japanischen Kalendern mit einem Sonntag beginnt.
    In meinem selbstlesenden Leben haben Kalender immer mit einem Montag begonnen. Oder war das tatsächlich nur im Osten so? Hm.

  10. haushundhirschblog Says:

    Natürlich ist der Samstag der Sabbat. Aber ich finde es immer noch schwierig, dass dieser verkaufsoffene Sonntag eingerichtet wurde. Nicht nur für die Menschen, die dann im Verkauf arbeiten müssen, sondern auch, weil dadurch manchmal diese Zäsur wegfällt …
    Wünsche Dir einen schönen Sonntag! 😉
    mb

    • theomix Says:

      Danke, dir auch!
      Was aus dem Sonntag geworden ist in den letzten 30 Jahren, das wäre noch ein eigenes Thema. Ich finde es auch schlimm, dass manche Kommunen und Geschäfte auf Deubel komm raus das Maximum an verkaufsoffenen Sonntagen ausnutzen.

  11. Elisabeth Says:

    Das ist nicht nur eine schöne Vorstellung, lieber Jörg, ich praktiziere es auch so, als Start in die neue Woche. Das fühlt sich für mich auch gleich ganz anders an ~ und ziemlich entspannt 🙂

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