Kommt ZEIT, kommt Rat?

„In Südafrika erleben wir, wie der Glaube die Herzen der unterschiedlichsten Menschen verknüpft.“ So schreiben Elke Naters und Sven Lager in dem ZEIT-Artikel „Ihr glaubt echt an die Bibel?“. Ich empfehle ihn zur Lektüre.

Ich kann ihn von Herzen bejahen, geht er doch in Richtung meiner Erfahrungen. Und ich erinnere mich, die Referentin dieser Tagung ”Heilungsgebet und Gebetsheilung” empfahl uns Migrantenkirchen. Die deutschen Pfingstler seien zu konservativ.

So sehr ich für die eigene Kirche hoffe und bete und ihre Tradition bejahe und weitergelebt sehen will: Mich lässt der Verdacht nicht los, die Zukunft der Christenheit liegt im Süden der Welt. Bei den ekstatisch und charismatisch angehauchten Kirchen. Dort wird gelebt, was bei uns geregelt wird.

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18 Antworten to “Kommt ZEIT, kommt Rat?”

  1. mialieh Says:

    Mh. Ich habe die Geschichte gelesen. Ich hätte sie glaubwürdiger :mrgreen: gefunden, wenn sie weniger einseitig gewesen wäre … Ich muss da an die Zurück-zur-Natur-Bewegung der 70er und 80er denken… ungetrübte Freude, Ursprünglichkeit, Echtheit… das steht für mich für den Wunsch nach einem Leben ohne Zweifeln. Und so liest sich auch der Artikel. Zwar stimme ich dir zu: das Gemeindeleben ist anderswo vielleicht lebendiger und die Gemeindemitglieder nehmen lebhafter teil. Aber der Artikel idealisiert meines Erachtens zu stark.

    • theomix Says:

      Wie sollen Menschen, die begeistert sind, differenziert berichten? Das sind ja keine Urlauber, die mal was aufschnappen und daraus eine Idee zur Rettung der Welt oder des Christentums basteln.
      Klar wird idealisiert, das tun werbende Worte immer.

      Ich neige auch nicht dazu, das eigne schlechtzureden. Ich sehe nur dort Chancen, die wir hier nicht so leicht nutzen können. Ich sehe vieles bei uns auf gutem Weg.
      Mir gibt der Artikel Anlass zu frage, ob langfristig diese Art, sie sie die beiden in ZA gefunden haben, nicht mehr Chancen hat als die unsrige. Ich habe da keine Gewissheit – und bemühe mich zu lernen. (Mein Gott hat jedenfalls Humor.)

  2. tmp Says:

    Wir hatten über mehr als fünfzehn Jahre nur afrikanische Haushaltshilfen hier in Deutschland und alle waren durchweg sehr gläubig. Sie sprachen immer von ihrer Kirche, die sie regelmäßig, auch unter der Woche, besuchten und die Gemeinde half jedem bei seinen Problemen hier in Deutschland. Und das waren so einige. Schon angefangen mit der Sprache usw., usw. …
    Ich habe auch aus der Lebensauffassung dieser Menschen, die ich in vielen langen Gesprächen kennenlernen konnte, gelernt, wie ernst und wie aufrichtig diese Afrikaner ihren Glauben nehmen und leben.
    Ich glaube, allein durch unsere Geschichte über die vielen Jahrhunderte, sind wir heute gar nicht mehr in der Lage, so ursprünglich zu glauben, wie diese an sich einfachen und deshalb viel unbeschwerteren Menschen von diesem riesigen Kontinent.

  3. IWe Says:

    Ich war sehr beeindruckt von diesem Artikel und fand es traurig, daß Deutsche erst in Afrika etwas finden, was sie für sich als authentischen Glauben erleben. Dass sie das in der gesättigten, abgesicherten Kirchenrealität Deutschlands nicht erlebten, fand ich sehr naheliegend.

    So idealisiert fand ich diesen Artikel ehrlich gesagt nicht, denn die Realtität der sehr gegenwärtigen hohen Kriminalität wurde schon deutlich. Aber meine Wahrnehmung des Artikel mag durchaus davon mitgeprägt sein, daß in meiner Synagoge ein Rabbiner amtierte, der viele Jahre in Südafrika gewirkt hat und dort im Gefängnis saß, weil er Nelson Mandela Synagogenasyl gewährt hatte.

    • theomix Says:

      Liegt das am satten und abgesicherten Leben oder an der Tradition und Lebensgewohnheit, die Gefühle in Watte packt? Bedingt das erste das zweite? (Ich frage nicht rhetorisch.)
      Bei der – zugegeben – recht kurzen – Begegnung mit Verantwortlichen in Migrantenkirchen fand ich das auch, authentisch glauben, mit heißem Herzen und klarem Verstand. Dabei lebten einige zumindest materiell abgesichert.

  4. Wolfram Says:

    Ich habe zwei Jahre lang recht eng mit einem afrikanischen Kollegen zusammengearbeitet, so eng das in der extremen Diaspora hier in Frankreich eben möglich ist, der – wenn er nicht als Missionar nach Frankreich gekommen wäre – möglicherweise Präsident seiner Kirche in Kamerun geworden wäre. Ich kann mir vorstellen, wie er einige liberale Kollegen schockieren mußte. Warum leben wir nicht oder nur so schwer aus dem Vertrauen heraus, daß Jesus das hält, was er verspricht? Warum müssen wir Jesus zu einem guten Rabbi herabstilisieren? An der wirtschaftlichen Situation wirds nicht liegen, vielleicht eher an der irrigen Annahme, wir wären selbst Herren unserer Lage.
    Ach, könnten wir doch so klar bekennen wie der Heidelberger Katechismus, daß es nur EINEN Halt im Leben und im Sterben gibt…

    • theomix Says:

      Wir (in Mittel- und Westeuropa) haben in den Großkirchen den Kopf überbetont und mit ihm den Weg zum Herzen versperrt. Es ändrt sich allmählich.
      Und das Kunststück beherrschen wenige, Herz und Kopf so zur Geltung zu bringen, dass… Gott in allem gelobt wird.

      • tmp Says:

        Ich glaube, es liegt gar nicht so sehr am Überfluss in unserer Zeit und Gesellschaft, sondern viel mehr daran, dass so viele Menschen irgendwie abgestumpft sind gegenüber dem anderen…
        Und da ist es eben eine sehr schwierige Aufgabe, den Kopf und das Herz im Einklang schwingen zu lassen… und das jeden Tag…

        • theomix Says:

          Ne, jetzt nicht die kulturpessimistische Schiene. Wir haben einfach nur gelernt, sich positiven Gefühlen selbst in den Weg zu stellen.

        • OneBBO Says:

          Warum müssen „wir“ uns selbst immer so negativ erklären? Könnte es nicht sein, dass wir einfach vom Temperament her anders gestrickt sind? Hier weinen und schreien ja auch die Frauen nicht tagelang, wenn jemand in der Familie gestorben ist…. Wir äußern Freude dezenter, und wir äußern in der Regel (bis es von den Medien als Wut und Bestürzung nach draußen gezurrt wurde) auch Trauer gedämpfter.

        • theomix Says:

          Klar haben wir in Mittel- und Westeuropa meist ein anderes Temperament. Oder ist es ein Defizit, das viele empfinden, weil die eigene Kultur keine Mittel und Wege bietet? Gospels liegen im Trend. Das hat doch was zu sagen…
          Ich bin da nicht zu negativ. Nur skeptisch im Blick auf die Zukunft.

  5. Frau Momo Says:

    Wenn ich mir afrikanische Gottesdienste angucke, denke ich oft, die FEIERN Gottesdienst, wir nennen das nur so und nicht selten komme ich mir vor wie auf einer Trauerveranstaltung. Ich gehe selten in die Kirche, aber ich will mich jetzt versuchsweise in unserer neuen Gemeinde mal wieder darauf einlassen.

    • theomix Says:

      Ich sag mir das so: die erleben, wir erklären 🙂
      Schau dich um. (Vergiss die Reformierten nicht.)Ich finde, „unser Laden“ ist schon o. k.. Aber die Zukunft? So in 20 oder 30 Jahren?

      • Frau Momo Says:

        Bei den Reformierten war ich jeden Sonntag, als ich vier Monate im Allgäu war. Oh, ich finde auch „unseren“ Laden ganz okay, war ja nicht umsonst jahrelang aktiv mit dabei. Ja, ich werde mich wieder umgucken. Mir fehlt auch was.

        • theomix Says:

          Ja, der Allgäu ist nicht der gute Norden.
          wobei ich weder die einen noch die anderen kenne. Richtig kennen tu ich die Bergischen, da sind sie manchmal jenseits der Grenze des guten Geschmacks (gewesen). Neulich in Nürnberg auch, ja, ganz okay.
          Hier ist man ja eher uniert, alles unter einem Dach… 😉

  6. Hase Says:

    danke für den interessanten Bericht
    und Deine Gedanken
    manche Menschen leben ihren Glauben
    und manche glauben zu leben….. ?
    und manche leben am Leben vorbei

    und einige wenige glauben und leben
    ich bekomme meine Lebenskraft aus meinem Glauben

    das waren gerade meine Gedanken

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