Verbindlichkeit

– Gedankensplitter, zur Diskussion gestellt –

Für manche Menschen ist Verbindlichkeit kein Fremdwort. sondern Lebenselexier. In Kirchengemeinden oder anderen Stellen freiwilligen Engagements.

Ungebrochen ist seit ein paar Jahrzehnten, sich an der eigenen Befindlichkeit zu orientieren. („Ich kann jetzt nicht, mir ist nicht danach.“ „Ich würde ja gerne helfen, aber im Moment bin ich von XY so betroffen, da geht das nicht.“)
Sicher war das ursprünglich ein Gegenschlag zu übersteigerter preußischer Disziplin.
Ob mittlerweile Befindlichkeit und Betroffenheit der Schutzmantel des Egoismus geworden sind?

Der positive Wert hinter der Disziplin ist die Verbindlichkeit: Zusagen machen und halten, einstehen für eine gute Sache um der Sache willen. Egal, wie es mir und meinem Seelenleben geht. Außer ab 40° Körpertemperatur oder mit gebrochenen Gliedmaßen.

Und dann machen diese Menschen das auch noch gerne.

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20 Antworten to “Verbindlichkeit”

  1. Wolfgang Vögele Says:

    Ich bin um jeden Menschen in der Gemeinde dankbar, der solche Verbindlichkeit für sich – und damit für andere – praktiziert.

  2. Hase Says:

    Lieber Jörg,
    danke für Deinen Beitrag. Ich habe einmal einen mich ansprechenden Satz herauskristallisiert, auf den ich eingehen möchte:

    „Der positive Wert hinter der Disziplin ist die Verbindlichkeit: Zusagen machen und halten, einstehen für eine gute Sache um der Sache willen. Egal, wie es mir und meinem Seelenleben geht.“

    Wenn ich mich für eine Sache engagiere und es gerne tue, kann ich vollen Einsatz bringen. Aber egal ist es m.E. nicht, dass ich mein Seelenleben ganz außer Acht lasse. Kleine Unpässlichkeiten zähle ich nicht dazu. Wenn man schon einmal in seinem Leben an Grenzen gestoßen ist, lernt man, auch Alarmzeichen der Seele ernst zu nehmen. Ich für mich entscheide mich immer so, dass ich dabei bestehen bleiben kann. Was nützt es mir, mich für eine gute Sache einzusetzen, wenn ich dann am Ende kraftlos am Boden liege oder in einer Klinik. Vielleicht sind das meine persönlichen Erfahrungen. Aber ich bewundere Menschen , die mit vollen Kräften Ehrenamt betreiben und ohne Erwartungen das gerne machen. Aber es gibt immer zwei Seiten.
    Entscheide ich mich für etwas, gehe ich natürlich eine Verbindlichkeit ein. Das muss vielleicht jeder selbst entscheiden, m.E. gibt es da kein Maßstab, der füf alle gilt. Jeder Mensch ist verschieden. Aber nur immer an sich selbst zu denken, ist bestimmt auch nicht der richtige Weg. Hoffentlich kommt das, was ich ausdrücken wollte, auch so an , wie ich es gemeint habe.
    Liebe Grüße
    Erika 🙂

    • theomix Says:

      Liebe Erika,
      „Wenn ich mich für eine Sache engagiere und es gerne tue, kann ich vollen Einsatz bringen.“ Ich denke, das ist der Ansatz. Wo ist die Grenze? Klar, in einer Klinik bin ich aus allem raus, wie bei Fieber und Knochenbruch. Für alles andere: Da haben die von Disziplin geprägten „die A****backen zusammengebissen“ und weitergemacht. Vielleicht, weil das Bewusstsein da war: die Sache ist besser und größer als ich.
      Ich sage nicht, dass alle so sein müssen. ich habe nur eine große Achtung vor denen, die so handeln. Und davon gibt es einige.
      Herzlichen Gruß, Jörg

      • Hase Says:

        Danke für Deine Antwort, lieber Jörg.
        Oh ja , die gibt es . Es einen Menschen bei uns in der Kirchengemeinde, der über das Maß hinaus und jahrelang schon ehrenamtlich tätig ist und war. Er hat keine Familie, die Eltern leben noch, er ist im Kirchenvorstand immer zur Stelle, beim Abendmahl , bei der Jugendarbeit , schreibt Protokolle, er ist wirklich immer da. Auch er war schon im KH, er macht immer weiter. Manche sorgen sich fast um ihn, dass er zuviel macht und nicht NEIN sagen kann. Ich habe auch großen Respekt vor ihm. Vielleicht liegt da auch noch ein Unterschied, ob Menschen, die sich voll engagieren eine eigene Familie zu versorgen haben oder alleinstehend sind. Dieser Aspekt könnte überdacht werden…….
        Ich selbst habe jahrlang bei der Kinderbibelwoche mitgeholfen und mich dieses Jahr darüber gefreut, dass so viele Jugendliche den Part der Erwachsenen übernommen haben. Mein Vater hat aus vollstem Herzen dem Besucherkreis angehört. Er hat Menschen besucht zu Geburtstagen und Ehrenfesten mit dem Gruß der Kirchengemeinde. Unser neuer Pfarrer möchte dieses Amt lieber selbst annehmen, damit er seine Gemeindemitglieder persönlich noch besser kennenlernt.
        Ein schöner Gedankenanstoß war Dein Beitrag heute wieder , vielen Dank dafür !
        liebe Grüße
        Erika 🙂

        • theomix Says:

          Liebe Erika,
          vielen dank für die Antwort. Das „Nicht nein sagen können“ – das ist dann für die pflichtbewusste Generation oft zum Problem geworden. und da Türen zu öffnen, ist auch wichtig.
          Herzlichen Gruß, Jörg

  3. Dietmar Says:

    Du glaubst mir sicherlich, dass ich hier ein gewisses Schmunzeln im Gesicht stehen habe.Verbindlichkeit bedingt selbstredend auch Gegenseitigkeit denn nur so kann die Arbeit an einer gemeinsamen Sache funktionieren. Es gibt sie nämlich noch, die die ihre persönlichen Befindlichkeiten hinten an stellen und sich trotzdem voll und ganz der Sache widmen.

    Mag ja auch sein, dass die mit den Befindlichkeiten auch ihre Gründe haben. Mag vielleicht alles eine Vorgeschichte haben. Wenn von den „Ehrenamtgebern“ viel versprochen und gefordert aber nichts gehalten wird. Niemand hat seine Zeit gestohlen und so mögen Befindlichkeiten eine Form non verbaler Kommunikation im Sinne von „dann macht euren Kram selbst!“ sein.

    Alles und manches. Beides hast seine eigene Geschichte UND Wahrheit.

    • theomix Says:

      Glaube ich gerne.
      Die Leute, die von der Pflicht herkommen, fragen erst sehr spät nach Gegenseitigkeit. Ich habe auch die vorige Gemeinde vor Augen, in der der Amtsinhaber durchaus fies sein konnte. Und da gab es Engagierte, die sich davon nicht abhalten ließen, sich weiterhin zu engagieren.
      Ich will nicht, dass das so wiederkommt. Heute geht es nicht mehr ohne dass sich beide Seiten (also hier wohl Ehren- und Hauptamtliche) gegenseitig ernst nehmen und die jeweiligen Bedürfnisse kennen und annehmen lernen.
      So ist das eben heute. Ohne die Vergangenheit zu vergolden oder die Gegenwart abzuwerten.
      Der Vorteil von heute ist eine größere Mündigkeit. Auch gegen fremdbestimmte Ziele.

  4. minibares Says:

    Na klar ist es wichtig, dass ich das gegebene Versprechen auch einlösen kann. Daher habe ich die Freiheit, auch mal was abzulehnen.
    Es gibt immer noch zu viele, die nicht Nein sagen können. Und die verzetteln sich dann.
    Ich war 16 Jahre lang die Kassiererin unseres Kirchenchores. Das war manchmal ganz schön aufwendig. – Im wahrsten Sinn des Wortes.
    Für ein Konzert, es war „Die Schöpfung“ mussten 8.000 Euro von der Bank geholt werden, nur für die Musiker und Solisten.
    Ein ungutes Gefühl, also holte ich es in zwei Teilen jeweils von der Bank. Und meinen Mann habe ich auch mitgenommen.
    Denn wenn einer mitbekommt, wie die da am Schalter laut zählen…. heute muss man leider mit allerlei rechnen….
    Alles ist gutgegangen, die Musiker haben ihre Quitttungen auch alle einzeln unterschrieben. Da musste ich dann auch noch aufpassen, jeden zu erwischen.
    Und die Schöpfung war ein großer Erfolg. Der Chor gibt sich mit dem Applaus zufrieden und ist stolz und glücklich, dass alles geklappt hat.

  5. Wolfram Says:

    Meine Oma hatte so einen Spruch:
    Sage nicht: das kann ich nicht.
    Vieles kannst du, will’s die Pflicht.
    Alles kannst du, will’s die Liebe.
    Folge drum dem edlen Triebe!

    Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte. Ein Ja sei ein Ja und ein Nein sei ein Nein – das erlaubt auch, „nein“ zu sagen. Aber wenn man mal ja gesagt hat – das ist für mich Verbindlichkeit – dann steht man auch da, wenn man gefordert ist. Und Verbindlichkeit ist auch, wenn mir jemand nein sagt, dann nehme ich das ernst und frage nicht noch mal nach.
    (Es gibt Ausnahmen. Eine Frau aus der Gemeinde hatte ich vor drei Jahren auf ein Presbyteriumsamt angesprochen, sie hatte abgelehnt; vor einem halben Jahr habe ich das Thema noch einmal angesprochen, und jetzt ist sie seit drei Monaten gewählt. Die Amtszeit endet im November, dann wird neu gewählt; vielleicht hat das ihre Entscheidung erleichtert. Hätte sie jetzt aber wieder abgelehnt, hätte ich das auch mit Bedauern akzeptiert.)

  6. Zugespitzt « Theomix Says:

    […] Das berührt sich mit der Diskussion vom Freitag. […]

  7. Frau Momo Says:

    Ich habe mich jahrelang mit Verbindlichkeit im Kirchenvorstand engagiert, davor im Eine Welt Laden der Diakonie, zeitweise beides parallel. Aber ich habe dann auch erlebt, was wohl viele Ehrenamtliche kennen… reicht man den kleinen Finger, reißen sie enem den Arm aus, packen einen am Gewissen und nutzen die Verbindlichkeit aus.
    Und inzwischen kann ich auch nicht erst ab 40 Grad Fieber Nein sagen und halte das für durchaus legitim. Mir ist nämlich auch mein Seelenleben wichtig und wenn das in Schieflage gerät, muß das Ehrenamt auch mal ruhen. Ich reibe mich nicht mehr auf, schon gar nicht, wenn das ausgenutzt wird.

    • theomix Says:

      Legitim ist das, und ein verantwortungsvoller Umgang mit sich selbst. Es gibt eine Generation (und seit ein paar Tagen denke ich, es ist eine Frage des Alters), die stellt(e) das Seelenleben hintan, weil ihnen die Sache wichtig war.
      Und seit ein paar Tagen denke ich auch, wir wohlstandsgeprägte Mitteleuropäer sollten unser Seelenleben nicht ganz so wichtig nehmen. wir haben Mittel und Wege für uns selbst zu sorgen. Und wir haben de Kraft, einen Teil unsere Energie zu opfern, ohne uns ausbeuten zu lassen. Ich bin mir sicher, das geht.
      Die Verantwortlichen haben dann auch die Aufgabe Ausbeutung und Ausnutzen zu vermeiden. Das ganz sicher.

      • Frau Momo Says:

        Doch, ich erlaube mir den Luxux, mein Seelenleben wichtig zu nehmen, vielleicht weil es so lange in Unordnung und ich sehr krank war.
        Ich bin dennoch niemand, der mit Scheuklappen durch die Welt rennt und ich engagiere mich auch nach wie vor. Und nicht jeder hat Mittel und Wege für sich selbst zu sorgen, viele kriegen die Balance nicht hin und flüchten sich dann auch in Arbeit, welcher Form auch immer.
        Schön wäre es, wenn jeder ein bißchen Energie und Zeit aufbringen würde, tut nur nicht jeder und die die es tun, tun es auch nicht immer mit Augenmaß, was weder ihnen selber noch dem Ehrenamt gut tut.

        • theomix Says:

          Nach Krankheitszeiten ist es kein Luxus. Ich habe nur den Eindruck, von Krankheiten abgesehen gibt es heute viele Luxus-Wehwehchen. Ich will weiß Gott nicht die alten Zeiten zurück, nur etwas mehr Bescheidenheit mit sich selbst täte allen gut.
          Ich bastele noch an einer Fortsetzung, damit ich nicht hinterher noch Vorwürfe bekommen, ich wär ein alter Preuße :mrgreen:

  8. Mündigkeit « Theomix Says:

    […] Gedankensplitter, in Fortsetzung […]

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