Bloggen als Übung

  • Ich möchte eine Sprache lernen. Autodidaktisch. Aus eigenem Antrieb. Was wird mir mehr bringen? Tägliches Üben und Lernen- ODER – ich schau mir in den ersten Tagen die ersten Lektionen stundenlang an. Wenn es mühsamer wird, nur noch alle paar Tage.
  • Die alten Meister empfahlen fürs geistliche Leben tägliche Übung. Sogar dann, wenn man gaaar kein Lust dazu hat. WARUM WOHL?
  • Wer täglich einen Bibeltext liest, trifft überwiegend auf Texte, die die eigenen Gefühle nicht treffen. Soll man aufhören? Ein paar Tage Pause?

Ihr ahnt, worauf es hinausläuft: Regelmäßig und jeden Tag ein kleines bisschen ist besser als unregelmäßig und dann (zu) viel auf ein Mal. Diese Gedanken bewegen mich auch beim Bloggen. Mir hilft es nicht, wenn mir jemand fürs Bloggen rät: „Mach es, wie du lustig bist.“ Das ist nicht mein Motto. Selbstmotiviertes Tun braucht die regelmäßige Übung, Sonst sollte ich es lieber lassen. Ob eine Sprache, ein Instrument oder eine Sportart lernen – ein bisschen Überwindung, ein Hauch Anstrengung gehört dazu. Ich möchte sogar das Wort „Disziplin“ anführen.Wenn ich in Latein richtig mitgekommen bin, ist disciplina die Tugend des discipulus, also des Schülers, des Lernendenden.

Mich hat in der Diskussion über meine Blog-Klage der Gedanke überzeugt: Mein Blog braucht Disziplin.
Selbst bei einem Hobby ist das nötig, damit ich das Gefühl bekomme, es bringt mich weiter. Für mich ist Bloggen Hobby, auch so etwas wie eine geistliche Übung, oft genug Gedankenklärung, kreativer Prozess.
Klärung und Kreativität sind Spitzen, die sich aus dem Alltäglichen hervorheben. Ob sie überhaupt noch kämen, wenn es den mühsamen, alltäglichen Weg durchs Tal nicht gäbe?

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43 Antworten to “Bloggen als Übung”

  1. OneBBO Says:

    Schön ❗ Es wird dich nicht überraschen, dass du hier etwas aussprichst, was ich gerne unterschreibe 🙂

    Das Beispiel mit dem Sprachlernen fidne ich sehr gut gewählt – dieses teils moderne Vorgehen „wir lernen alles spielerisch“ ist nämlich gerade beim Sprachlernen Käse. Das Spielerische kann ergänzen und die Motivation erhöhen, aber am Lernen geht nun mal kein Weg vorbei.

    Im Übrigen kann auch Disziplin genau wie Routine (mein Lieblingsspruch: „Routine macht frei“) letztendilch Zufriedenheit und Freude erzeugen. Alles eine Sache der Einstellung.

    • theomix Says:

      Das Spielerische fördert die Motivation. Lernen kommt dann durch Üben und Wiederholen. Manchmal muss auch Pauken sein. Es ist in Ordnung, wenn das verringert wird. Aber irgendwann führt kein weg daran vorbei.
      Routine hat positive Seiten.Dass ich nicht bei jedem Wort in den Duden schauen muss, hilft mir sehr beim Bloggen. 😉

  2. Hase Says:

    Lieber Jörg,

    danke für Deinen aufklärenden Beitrag, der mich zum Nachdenken anregt.
    Fühle ich mich bei diesem Satz angesprochen ? Hatte es nur gut gemeint…..mmmhhhh
    „wenn mir jemand fürs Bloggen rät: “Mach es, wie du lustig bist.” Das ist nicht mein Motto. Selbstmotiviertes Tun braucht die regelmäßige Übung, Sonst sollte ich es lieber lassen.“

    Vielleicht wirklich eine gute Übung, aber ich wünsche mir trotzdem, dass Dir Dein Blog weiterhin auch Freude bereitet. Ich komme gerne hier vorbei zum Lesen und Kommentieren.

    Alles Gute für Dich und Deinen Blog
    liebe Grüße
    Erika 🙂

    • theomix Says:

      Liebe Erika,
      du hattest das Pech, so zu antworten. Das war nicht der Auslöser für diesen beitrag. Ich habe da eine Haltung karikiert.
      ich glaube auch, dass gemeinschaftliche Hobbys, wie zum Beispiel Ballspiele oder musizieren oder im Chor singen, nicht gelingen können, wenn jede und jeder nur dann kommt, wenn es ihm/ ihr passt. Ein bisschen Überwindung gehört oft dazu.
      Auch nur, weil dein Kommentar der Auslöser ist: Von der eisernen Disziplin ist das Pendel zur Befindlichkeitsanbetung geschwungen. Ich nehme wahr, es schwingt Richtung Mitte zurück, das ist gut. Ich bejahe Verbindlichkeit und Selbstüberwindung. Es gelingt nicht immer, daber damit kämen wir auch zu einem anderen Thema.
      Lässig-verbindlich grüßt 🙂
      Jörg

      • Hase Says:

        Lieber Jörg,

        jetzt hatte ich sogar das Glück, dass ich einen so ausführlichen Antwortkommentar bekam 😉 Danke !
        „für Kopf und Herz“ – schön , dass es diesen Blog gibt und gut, dass sich der Kerl so viele Gedanken darüber macht !!!
        Sonst wäre er ja nicht so etwas Besonderes …..

        herzliche Grüße
        Erika 😉

        • theomix Says:

          Liebe Erika,

          es war mir eine vergnügliche Pflicht. 😉
          Die Gedanken sind in Fülle da, leider nicht die Möglichkeiten sie aufzuzeichnen. Und manchmal kommt auch Zeitnot auf.
          Ungehetzt grüßt
          Jörg

  3. Frau Momo Says:

    Ich muß mit Disziplin arbeiten, ich muß soviele andere Dinge mit einer gewissen Disziplin tun, da erlaube ich mir, diese beim Bloggen und bei anderen Hobbys vermissen zu lassen.
    Die mangelnde Disziplin zeigt zwar Wirkung, z-B. wenn es um Erfolge meiner sportlichen Aktivitäten geht, aber ansonsten lebe ich ganz gut damit, das ich mir im Privatleben nicht auch noch eine Disziplin verordne, die mir die Freude am Tun vergällt.
    Ich finde das Leben ist reglementiert genug.
    Aber das ist meins und muß für andere nicht stimmen.
    Und ich werde jetzt mal wieder ganz diszipliniert weiter ausmisten, damit die Zahl der zu schleppenden Umzugskartons noch überschaubar wird 😦

    • theomix Says:

      Auch beim Blog hast du viel Disziplin. oder nach wie vor ein großes Bedürfnis. Aber wenn man bei diszipliniertem Tun Freude hat – ist es dann keine Disziplin mehr?

      • Frau Momo Says:

        Disziplin ist für eher, wenn man etwas tut, weil es nötig ist, man aber nicht unbedingt Lust dazu hat. Mein Job macht mir oft Spaß, fast genauso oft gehe ich hin, weil ich muß und weil ich genug Disziplin habe, dann trotzdem zu gehen (oder auch Schiß davor, das mein Vertrag nicht verlängert wird, weshalb ich auch hingehen, wenn ich krank bin). Ich blogge viel, aber immer, weil ich ein Thema habe, nicht weil ich denke, ich muß es tun.
        Disziplin ist nicht unbedingt negativ, aber für mich nicht unbedingt ein Synonym für Spaß an dem, was man tut.

        • freiedenkerin Says:

          Genau so sehe ich das auch! Ich blogge wann ich will und was ich will. Die Disziplin beim Bloggen besteht für mich darin, nach Möglichkeit niemandem zu kränken oder zu nahe zu treten, sowie geschmack- und pietätlose Posts und Fotos tunlichst zu vermeiden.

        • theomix Says:

          Nicht das Wann, nicht das Was. Aber das Wie.
          Für mich das Wann auf alle Fälle dazu. Das Was: Nö.
          Dazu fällt mir ein: Das Warum ist für mich auch „disziplinlos“, aber nicht das Wohin.
          Und wenn ich das Wohin nicht weiß, ergibt sich aus diszipliniertem regelmäßigem Bloggen manchmal ein Weg. War machmal so. Für mich.

        • theomix Says:

          „weil ich denke, ich muss es tun“. Wenn ich selbst mich um etwas bemühe, geht es um das Erreichen eines Ziels. Sich selbst dazu zwingen ist dann das Überwinden des inneren Schweinehundes. (Kein Drill – der käme von außen.)
          (Selbst-)Disziplin ist nur sehr wenig beim Spaß zu Besuch, versteht sich mit der Freude ganz gut und hat ein recht inniges Verhältnis zur Erfüllung.

  4. pinseljulie Says:

    Ich
    wünsche dir
    von Herzen ein
    wunderschönes Wochenende!
    Julie

    • theomix Says:

      Ja, Danke dir auch!
      Zum Thema, äh, zum Thema? Grüßen finde ich etwas, das in Richtung Selbstdisziplin manchmal Überwindung kostet. Das gehört auch eher zum Thema Höflichkeit. Passt also auch nicht, vor allem nicht zu deinem Gruß. Die Assoziationen laufen halt durch den Kopf. Und das tun sie ziemlich undiszipliniert…

  5. minibares Says:

    Bei Latein konnte mein Vater endlich mal die Vokabeln abhören. Die konnte er ja ohne weiteres lesen, im Gegensatz zu Englisch und Französisch.
    Latein mochte ich sehr gern.
    Immerhin hatte ich es 4 Jahre. Leider ist wenig von hängen geblieben… Schnief, man braucht es halt zu wenig… In der Kirche wird nur noch selten latein gebetet, ok, wir singen lateinische Messen oder Lieder mit dem Chor. Aber das ist es auch.
    Ja, beim Chor ist auch Disziplin angesagt! Da geh ich immer hin, sogar am Geburtstag.

    • theomix Says:

      Latein schult das Verständnis der Muttersprache und ihrer Grammatik. Hab ich mal gehört, leuchtet mir ein. die Humanisten des 16. Jahrhunderts konnten Latein aus dem ff und haben für andere Sprachen Grammatiken geschrieben – mit den lateinischen Begriffen aus dem Lateinischen.
      Aber es gibt ja noch ein paar andere Sprachen, bei denen man leichter Muttersprachler findet.

      Ich denke auch, wir haben im Privatleben Bereiche, in denen wir Disziplin aufbringen. Weil wir dazu motiviert sind.

    • Hase Says:

      @ minibares:
      „Ja, beim Chor ist auch Disziplin angesagt! Da geh ich immer hin, sogar am Geburtstag“
      da stimme ich 100 % ig zu .
      singende Chorgrüße
      Erika 😉

  6. Inch Says:

    Das gute am „disziplinierten“ Bloggen ist, dass man sich am Ende des Tages noch einmal Gedanken macht über Erlebtes, Gesehenes, Gedachtes. Und dann versucht man es so aufzuschreiben, dass es lesenswert ist. Das führt zu einer gewissen Nachhaltigkeit beim Blogger selbst. Weil flüchtig Gedachtes noch mal herausgekramt wird, genauer hingesehen wird und Erlebtes noch mal resümiert wird. Mir gibt das Bloggen sehr viel. Irgendwie habe ich das Gefühl, Dinge bewusster zu verinnerlichen

    • theomix Says:

      Eine Spur anders ist das für mich. Ich werfe etwas in die Welt, von mir weg. Die Übung besteht für mich auch darin, bestimmte Themen, Fragen, anzusprechen. Bei dir sehe ich eher das klassische Tagebuch.

  7. minibares Says:

    Boah, das Gedicht is’n Gedicht.
    Bei uns ist Chorleiter und Organist derselbe.
    Soso, du meinst, auf den Bass ist stehts Verlass. Na ja, kommt drauf an, wer von denen da ist und bei Stimme…. 😉

    • Werner Says:

      Ok, bei uns ist Chorleiter und Organist normalerweise auch der selbe. Aber bei besonderen Gottesdiensten – wie zum Beispiel Weihnachten als das Gedicht entstanden ist – spielt halt ein anderer die Orgel, damit der Dirigent den Chor besser im Blick (und vielleicht auch im Griff) hat.
      Na ja und der Bass…. Ich war jedenfalls damals da! 🙂

      meldodisch-harmonische Grüße
      Werner

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